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Prozess am Bonner Landgericht: Sechs Jahre Haft für Wohnungseinbrüche in Troisdorf

Prozess am Bonner Landgericht : Sechs Jahre Haft für Wohnungseinbrüche in Troisdorf

Ein 36-jähriger Drogensüchtiger ist in drei Häuser in Sankt Augustin und Troisdorf eingestiegen. Einmal wurde er erwischt und biss der Bewohnerin in die Hand.

Vor dem Bonner Landgericht ist am Mittwochmittag ein 36-jähriger drogenabhängiger Mann aus Sankt Augustin unter anderem wegen schweren Wohnungseinbruchdiebstahls zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Weitere Tatbestände waren Diebstahl mit Waffen, Nötigung, Körperverletzung sowie Widerstand gegen Polizeibeamte.

Zusätzlich ordnete das Gericht eine Drogenentziehungskur an. Die Richter der 10. Großen Strafkammer hielten es für erwiesen, dass der Verurteilte zumindest in zwei Häuser in Troisdorf eingestiegen war. Im Fall eines dritten Einbruchs in Sankt Augustin konnte die Kammer unter dem Vorsitz von Marc Eumann nicht sicher feststellen, ob der Mann die umfangreiche Beute selber gestohlen hatte, oder ob er als Hehler auftrat.

Erst im Februar 2020 aus Haft entlassen

Leicht hatte es der Sohn einer Spätaussiedlerin aus Tadschikistan in seiner Kindheit nicht: der Vater alkoholabhängig und gewalttätig, die finanzielle Situation der Familie prekär und die Gesundheit angeschlagen. So kam der Mann bereits in früher Jugend mit Alkohol und anderen Drogen in Kontakt. „Die Wurzel allen Übels ist die Drogensucht des Verurteilten“, stellte Eumann in der Urteilsbegründung heraus. Die Sucht des vielfach und einschlägig vorbestraften Mannes hatte sich kontinuierlich von Alkohol zu harten Drogen wie Kokain und letztlich hauptsächlich Heroin verlagert. „Wenn man nur eine Strafe verhängen würde, wäre nichts gewonnen“, erläuterte der Richter mit Blick auf die angeordnete Entzugsmaßnahme.

Erst im Februar vergangenen Jahres war der nun erneut Verurteilte letztmals aus einer Haft entlassen worden: Er habe, so Eumann, wohl Probleme gehabt, sich in die „Strukturen der russischstämmigen Strafgefangenen zu integrieren“. In der Folge sei er nach der Haftentlassung von mehreren Männern vor dem Bonner Stadthaus zusammengeschlagen worden. Offenbar ging es um im Gefängnis entstandene Schulden – eine Zahlung von 600 Euro habe den Gläubigern nicht ausgereicht. So sei der frisch Entlassene schon bald wieder in die Kriminalität abgerutscht.

Rentnerin in die Hand gebissen

Der erste Einbruch in ein Einfamilienhaus in Sankt Augustin am 20. April konnte dem Angeklagten nicht direkt nachgewiesen werden. Man fand allerdings viele der dort gestohlenen Uhren und Schmuckstücke bei ihm. Dieb oder Hehler war folglich eine der Fragen, mit denen sich das Gericht auseinanderzusetzen hatte. Im Zuge der sogenannten Wahlfeststellung musste die Frage dann nicht geklärt werden, der Mann wurde kurzerhand nach dem für ihn vorteilhafteren Strafrahmen verurteilt.

Zwei weitere Wohnungseinbrüche in Troisdorf gehen hingegen sicher auf sein Konto. Im Sommer erbeutete er in einem Einfamilienhaus unter anderem ein Mountainbike sowie eine 300 Euro teure Uhr. Eine Wohnung im Hochparterre verließ er am 9. Juli mit ganzen zwei Euro in Kupfergeld: Nachdem er in die Wohnung eines Rentnerehepaars eingestiegen war, hatte er sich zunächst im Schlafzimmer eingeschlossen.

Das bemerkte allerdings die Bewohnerin, und so flüchtete der Einbrecher mit seiner kargen Beute, wie er gekommen war: über die offen stehende Balkontür. Die Rentner verfolgten den Eindringling allerdings und konnten ihn auch bald stellen. Weil der Mann nun nicht nur die Frau in die Hand biss, sondern auch noch ein Messer zückte und die Senioren bedrohte, verurteilte ihn das Gericht für seine letzte Tat auch noch wegen Nötigung und Körperverletzung.