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Konzert in Siegburg: Sergeant Pepper und ein bisschen Beatlemania

Konzert in Siegburg : Sergeant Pepper und ein bisschen Beatlemania

Beatles Revival Band zieht begeisterte Fans in den Kubana Live Club nach Siegburg. Dass die Vier nur wenig optische Ähnlichkeit zu den Liverpooler Originalen besitzen, ist weder für die Gruppe noch für das Publikum ein Problem.

Drei Stunden Stau auf dem Weg zum Konzert. Und dann um Mitternacht den Rückweg bis Königswinter und Gelsenkirchen – das nahmen Werner Schniggenberg (75) und seine „Beatles-Fangruppe“ am Freitagabend gerne in Kauf. Und um Mitternacht waren sie sich einig: „Das war es wert.“ Wie wohl die meisten der gut 160 Fans im Kubana Live Club fühlte Schniggenberg sich im Siegburger Club an die Anfangstage der Beatles im Hamburger Star Club erinnert: „Wenn ich die Augen schließe, höre ich die Beatles“, schwärmt der Senior, der sich dicht an der Bühne, in greifbarer Nähe zur Beatles Revival Band, platziert hat.

Die Gruppe, die dieses Feeling seit 1974 mit wechselnder Besetzung hochhält, nennt sich „Beatles Revival Band“ und gründete sich bereits vier Jahre nach dem Aus der Fab Four in Frankfurt am Main, zunächst als „Beat Boys vom Main“, dann als „Beatles Revival Band“. Das war ein Novum, denn gegenüber „Tribute Bands“, die noch existierende Bands coverten, gab es die originalen Beatles bereits einige Jahre nicht mehr.

Was damals keiner ahnen konnte: Nach wenigen Konzerten schon wurden die Frankfurter Beat-Musiker beinahe wie ihre großen Vorbilder beim Auftritt in einer ausverkauften Berliner Philharmonie gehypt. „Die Euphorie war in den Anfangstagen natürlich stärker“, erinnert sich Claus Fischer (66), der als George Harrison bereits seit 1983 dabei ist und heute der „dienstälteste“ Band-Musiker ist. „Aber die Begeisterung war immer groß.“ Und Fischer zeigte sich in Siegburg erneut als hervorragender Gitarrist bei George Harrisons „While My Guitar Gently Weeps“. In Siegburg fühle es sich an „wie bei einem Heimspiel.“ Das liege aber auch daran, dass er in Hennef aufgewachsen sei.

Langweilig könne es ihm mit den Beatles-Nummern niemals werden, sagt Fischer. „Ich kenne keine Gruppe, die musikalisch so vielseitig und zeitlos ist.“ Die Begeisterung für die Beatles hat auch seine Mitstreiter gepackt. Fischer ließ zusammen mit Christopher Tucker („John“), Oliver Bick („Paul“), Peter Zettl („Ringo“) und Keyboarder Fritz Heieck in einem dreistündigen Konzert kaum Wünsche offen. Im geschickten Wechsel zwischen erdigem Rhythm‘n‘Blues und sensiblem Balladen-Ton kamen „Penny Lane“, „Nowhere Man“, „She Loves You“, „Yellow Submarine“, „Let It Be“, „Help“ und natürlich „Yesterday“ erstaunlich nahe heran an die Original-Arrangements der Liverpooler.

Wenig optische Ähnlichkeit

Die Musikzeitschrift „Joker“ feierte die Beatles Revival Band bereits früh als „erfolgreichste Cover Band“ und die Plattenfirma der Beatles soll samt Ex-Beatle Ringo Starr versucht haben, die Cover Band wegen des täuschend echten Sounds zum Aufhören zu bewegen. Doch dieses Mühen war vergeblich – die „Beatles Revival Band“ lässt sich darin nicht beirren, ihre gekonnten Coverversionen bei Live-Auftritten zum Besten zu geben.

Mit Zugaben waren es 28 Songs der Liverpooler, die die Frankfurter Beatles im schrill-bunten Licht des Kubana Live Clubs inszenierten – zuerst im klassischen schwarzen Anzug mit schmal-gebundener Krawatte, dann im bunten Sergeant Pepper-Outfit.

Dass die Vier nur wenig optische Ähnlichkeit zu den Liverpooler Originalen besitzen, ist weder für die Gruppe noch für das Publikum ein Problem. Aus der ersten Reihe verfolgten die Kölner Schwestern Pauline und Molly Kurth das Konzert, auf das sie nach der Corona-Pause schon lange gewartet haben. Die Studentinnen sind bekennende Fans der Frankfurter. „Erst haben wir die Augen geschlossen, um uns vorzustellen, wie das damals mit den Beatles war. Jetzt kommen wir, um die Revival Band zu hören.“