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Ehrenamtliche in der JVA Siegburg: Sie gehen zu den Gefangenen

Ehrenamtliche in der JVA Siegburg : Sie gehen zu den Gefangenen

Für viele Menschen sind Strafgefangene lediglich kriminelle Subjekte, die man wegschließen sollte. Der Katholische Gefängnisverein Siegburg sieht in ihnen dagegen Individuen, denen man bei der Bewältigung ihrer Probleme helfen muss. Ehrenamtliche betreuen Inhaftierte und Haftentlassene der JVA Siegburg sowie deren Angehörige.

Für die neun Gründungsmitglieder im Jahr 2002 war das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium "Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen" Motto und Auftrag zugleich. Bis heute hat sich an ihrer Zielsetzung nichts geändert.

Zum einen wollen sie innerhalb der Gefängnismauern Inhaftierte sowie deren Angehörige begleiten und betreuen, zum anderen die Öffentlichkeit über das Leben im Strafvollzug informieren.

Werner Kaser, Pfarrer an der JVA und Vereinsvorsitzender, sagt im Bezug der Siegburger Bürger zu "ihrem" Gefängnis, er sei immer wieder erstaunt, wie wenig sie darüber wüssten: "Sicherlich, das Gefängnis ist eine geschlossene Gesellschaft, aber oft beschleicht mich der Verdacht, dass diese Institution und alle Fragen und Probleme, die Straffällige, Haftentlassene und der Strafvollzug mit sich bringen, allzu gerne aus dem Bewusstsein verdrängt werden."

Der Zusammenschluss von Ehrenamtlichen sei erfolgt, um die Katholische Seelsorge auch finanziell abzusichern, sagt der Vorsitzende des Vereins, der mit anderen Verbänden und Organisationen der Freien Straffälligenhilfe vernetzt ist. Religions- oder Konfessionszugehörigkeit spielten keine Rolle, betont er. "Wir wollen nicht missionieren, sondern für Menschen in Not da sein", so Kaser.

"Wir finanzieren beispielsweise die Kosten der Weihnachtsaktion für arbeitslose und bedürftige Inhaftierte gemeinsam mit der Evangelischen Gefängnisseelsorge, unterstützen Haftentlassene aus unserem Sozialfond und vermitteln Fahrgelder für Angehörige", zählt der Pfarrer einige Schwerpunkte auf. Darüber hinaus engagiere sich der Verein in Kooperation mit der JVA und dem SKM im Angehörigentreffpunkt "Café Luise" gleich neben dem Eingang zur JVA.

Einen großen Stellenwert besitzen die Bildungs- und Freizeitaktivitäten, die mehr als die Hälfte der derzeit 21 Vereinsmitglieder sowie noch einmal 51 Ehrenamtliche bieten. Viele Gefangene hätten keine Arbeit, keine Struktur im Alltag und der Sportbereich decke auch nicht alles ab, weiß Kaser.

Mit den verschiedenen Angeboten, unter anderem Literaturwerkstatt, Gitarren- und Zauberkurse, Kunstwerkstätten, Schachclub und kreative Bastelnachmittage, aber auch Yoga- sowie Meditationskurse, schlage man "gleich zwei Fliegen mit einer Klappe". Einerseits könnten die Inhaftierten ihre Zeit im Gefängnis sinnvoll nutzen und viele würden nach ihrer Entlassung "dabei bleiben", etwa wenn sie Gitarre gelernt hätten. Andererseits böte sich in der Haft die Gelegenheit, viel Neues auszuprobieren, was laut Kaser "draußen schon bedeutend schwieriger ist.

" Allerdings achte man immer darauf, dass die Angebote etwas brächten, nicht nur "dass die Leute von der Hütte kommen", betont der Geistliche. In diesem Zusammenhang weist er auch auf die Wichtigkeit hin, möglichst kein "Unterhaltungsprogramm" von außen einzuladen, sondern dass die Insassen selbst "zeigen können, was sie drauf haben, welche Fähigkeiten sie besitzen und dass sie in der Lage sind, etwas auf die Reihe zu bringen".

Das steigere Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. So habe vor Jahren ein Projekt mit der international bekannten Band "Gen Rosso" stattgefunden. Die Gefangenen unterstützten die Band als Musiker in deren Musical "Streetlight", andere als Chormitglieder und Tänzer, wieder andere übernahmen Aufgaben bei Ton- und Lichttechnik.

Laut Vorsitzendem "ein grandioser Erfolg und eins der Highlights in unserer langjährigen Vereinstätigkeit". Über neue Mitglieder würde sich Kaser, der rund eineinhalb Wochen pro Monat ehrenamtliche Arbeit leistet, freuen. Allerdings wünscht er sich für die aktive Unterstützung der Vereinsarbeit auch jüngere Leute: "Erst als Rentner mit 65 Jahren einzusteigen, ist nicht optimal", sagt er aus Erfahrung.