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Siegburg: Besondere Kunstaktion zum Beethoven-Jubiläum

Beethoven-Jubiläum : Schnitzeljagd durch Beethovens Leben in Siegburg

Zehn Projekte befassen sich in Siegburg ganz unterschiedlich mit dem weltberühmten Komponisten. Am Ende entscheidet das Publikum über den Kunstpreis.

Es ist weder neu noch überraschend, dass Ludwig van Beethoven in diesem Jahr eine große Rolle spielt. Nicht nur seine Geburtsstadt Bonn widmet dem Komponisten anlässlich seines 250. Geburtstages zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte. Auch Siegburg beteiligt sich mit vielen Aktionen und Angeboten.

Aus denen ragt seit dem Wochenende der interdiszplinäre Kunstpreis „Beethoven reloaded“ heraus, den die Stadt gemeinsam mit dem Katholisch-Sozialen Institut (KSI) ausgeschrieben hat. Der endet am Sonntag, 15. März, mit der Preisverleihung im KSI. Wie berichtet, bestimmen die Bürger den Sieger per Stimmzettel. Bis dahin sind im Stadtmuseum, in den Räumen des KSI sowie in der Siegburger Innenstadt künstlerische Auseinandersetzungen zu Beethoven zu sehen.

Zehn Künstler setzen sich durch

Für den kulturellen Parcours, der sich zwischen Michaelsberg und Stadtmuseum bewegt, beschäftigen sich zehn Künstler, die sich gegen rund 250 Mitbewerber unterschiedlicher Disziplinen durchgesetzt haben, mit dem Komponisten und dem Humanismus und schlagen die Brücke in die heutige Zeit. Gelungen ist das etwa Anna Gohmert, Anna-Kirstine Linke und Jonas Wolf. Auf die aktuellen Trends abgestimmt bieten sie in den Clubräumen des KSI auf dem Michaelsberg „Beethovens Escape Room“ an, eine partizipatorische Schnitzeljagd durch Beethovens Leben und Wirken.

Ein „Escape Room“ ist ein thematischer Raum, in dem die Spieler in der vorgegebenen Zeit unterschiedliche Rätsel lösen müssen. Wer clever kombiniert, findet den versteckten Schlüssel und kann den Escape Room als Sieger verlassen. Gohmert, Linke und Wolf haben diese beliebte Freizeitbeschäftigung auf Beethoven gemünzt. So entdecken die Spieler eine Wohnung des Komponisten, die Beethoven persönlich eingerichtet hat – extra für die Spieler. Um die geheimen Botschaften, die er versteckt hält, zu finden, müssen die Spieler in Siegburg den Spuren quer durch die Rezeptionsgeschichte Beethovens folgen.

Aus Stadtlärm wird Kunst

Entspannter, aber nicht weniger abenteuerlich ist Florian Tuerckes Liveprojekt. Auf seinen Transporter treffen die Besucher an drei verschiedenen Orten in Siegburg. Tuercke fängt mit ihm den Umgebungsschall ein – am Markt, an der Grimmelsgasse und am Bahnhof. „Urban Audio“ heißt sein Klangkunst-Projekt, bei dem er die hektische und teils aggressive Struktur des Stadtlärms in musikalische Abstraktionen verwandelt. Damit möchte er Besuchern, für die Stühle und Kopfhörer vor dem Fahrzeug bereitstehen, einen neuen Blick auf den gewohnten Stadtraum ermöglichen.

Dies erfolgt, indem er die musikalischen Frequenzen aus dem urbanen Klangbild filtert und zwar mit bestimmten Geräten, in die Saiteninstrumente integriert sind. „Die Stadtgeräusche regen die Saiten an, sodass sie zu schwingen beginnen“, so Tuercke. Per Funk würden diese Klänge in sein Fahrzeug übertragen, dort auf Stereo gemischt und dann über die Kopfhörer zu hören sein. „Die meisten Menschen sind überrascht, wenn sie die Kopfhörer aufsetzen. Manchmal klatschen sie in die Hände und freuen sich, wenn sie dieses Geräusch direkt über die Kopfhörer wahrnehmen.“ Besonders gefalle es ihm, wenn sich die Menschen hinsetzen, die Kopfhörer aufsetzen und „die Gesichter sich entspannen“.

Klangporträts im Stadtmuseum

Ebenfalls mit Schall arbeitet Timotheus Büttner im Stadtmuseum. Seine „Soundportraits“ bilden nach eigenen Angaben ein Novum in der Porträtfotografie und sind im Gegensatz zu seiner lauten Soundinstallation still. Im ersten Obergeschoss präsentiert der Künstler gewissermaßen zwei Arbeiten in einer. „Intermezzo“ heißt die Soundinstallation, bei der Büttner drei Nationalhymnen übereinanderlegt, neu konstruiert und humoristisch zu deutschen Phrasen editiert.

Hierbei orientiert er sich an Beethoven: kurze und prägnante musikalische Themen, das Spiel aus Wiederholung und Variation. Die „Soundportraits“ hingegen lassen den Betrachter in die Rolle Beethovens schlüpfen, der seit seinem 27. Lebensjahr zunehmend ertaubte: Sie fordern ihn auf, die Stimmen der Porträtierten – Flüchtlinge, die Büttner 2018 auf Lesbos im Camp Moria fotografiert hat – in seiner Vorstellung zu hören. „Ich möchte bewusst einzelne Personen porträtieren, deren Stimmen weder gehört noch gesehen werden, weil sie in den Massen der Geflüchteten untergehen“, so Büttner.

Einen Überblick über alle Projekte und Termine gibt es auf www.ksi.de und www.stadtmuseum-siegburg.de.