Gute Arbeit, gerechte Löhne Hunderte besuchen DGB Kundgebung in Siegburg

Siegburg · Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat am Tag der Arbeit in Siegburg eine Kundgebung und ein Familienfest auf dem Markt abgehalten. Auch die Schließung der Kaufhof-Filiale wurde dort thematisiert.

Hunderte Besucher verfolgen die Kundgebung und das anschließende Bühnenprogramm.

Hunderte Besucher verfolgen die Kundgebung und das anschließende Bühnenprogramm.

Foto: Paul Kieras

„Ungebrochen solidarisch“ lautete das Motto zum Tag der Arbeit am 1. Mai in diesem Jahr, an dem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Region Köln-Bonn zu einer Kundgebung mit anschließendem Familienfest und Bühnenprogramm auf den Siegburger Markt eingeladen hatte. Judith Gövert, Gewerkschaftssekretärin beim DGB Köln-Bonn, eröffnete die Kundgebung und prangerte Missstände an, die dem gesellschaftlichen Zusammenhalt schadeten. „Wir brauchen leistungsfähige Infrastrukturen, wir brauchen bedarfsgerechte Angebote der Daseinsvorsorge und wir brauchen statussichernde Lebens- und Arbeitsbedingungen“, so ihre Forderungen. Denn aktuell erlebten wir Sanierungsstau, eine Daseinsvorsorge, die vielfach an der Belastungsgrenze stehe und ein Bildungssystem, dem es nicht mehr gelinge, ausreichende Plätze an Kitas und Schulen zu organisieren. Gleichzeitig appellierte sie an Land und Bund: „Sorgt für eine ausreichende Finanzierung der Kommunen.“ Denn wenn Bund und Länder Aufgaben an die Kommunen delegierten, dann müsse das auch mit entsprechenden Mitteln verbunden sein.

Bürgermeister Stefan Rosemann ging in seiner Rede auf die Bewegung ein, „in der sich unsere Gesellschaft befindet.“ Längst geht es den Gewerkschaften nach seinen Worten nicht mehr nur um Arbeitnehmerbelange und Tarifforderungen, sondern „um verschiedene Perspektiven auf der Welt“. Er nannte unter anderem die finanzielle Entlastung in der Inflation, den Wunsch nach Frieden und Abrüstung angesichts eines Krieges in Europa und den Erhalt „einer arbeitnehmerfreundlichen Arbeitswelt auch in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Industrie 4.0.“

Auch auf die geplante Schließung von Galeria-Kaufhof ging Rosemann ein, die „ein Schlag in erster Linie für die knapp 80 Verkäuferinnen und Verkäufer“ sei und berichtete, dass die Stadt mit dem Betriebsrat, der Konzernspitze und dem Eigentümer der Immobilie Gespräche führe, damit es doch noch weitergehen könne. Er mahnte aber, dass Strategien zu entwickeln seien, „die wirklich greifen und sei es ein grundlegend anderer Auftritt und das Schaffen eines Einkaufserlebnisses, das es im Internet nicht geben kann.“

Die aktuellen Tarifverhandlungen thematisierte Ralf Kutzner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, in seiner Ansprache. „Kräftige Lohn- und Gehaltszuwächse sind das beste Mittel gegen steigende Lebenshaltungskosten, wir brauchen eine Stabilisierung der Reallöhne“, gutes Geld für gute Arbeit, zeigte er sich überzeugt und warnte davon, dass „das Märchen der Arbeitgeberverbände von der Lohn-Preis-Spirale in der Öffentlichkeit verfängt.“ Er sehe derzeit nur eine Preisspirale. Kutzner wies auch darauf hin, dass von Seiten der Arbeitgeber immer wieder der Ruf laut werde, das Streikrecht müsse reformiert und eingeschränkt werden. Dazu hat er eine klare Meinung: „Hände weg vom Streikrecht, es ist ein Grundrecht der Verfassung und wir nutzen es.“

Zum Auftakt des Familienfestes im Anschluss betrat Kabarettist Wilfried Schmickler - wie seit 20 Jahren schon - die Bühne und teilte mit dem verbalen Vorschlaghammer gegen alles und jeden aus, stellte fest, „in Düsseldorf regiert ein Honigkuchen im Konfirmationsanzug“ und arbeitete sich unter anderem an FIFA-Präsident Gianni Infantino ab, den er als „selbstgefälligen Drecksack“ und „korrupt bis in die Schienbeinschoner“ bezeichnete.