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Siegburg: Fahrradhändler Christof Pütz verabschiedet sich nach 35 Jahren

Christof Pütz übergibt in Siegburg sein Geschäft : Fahrradhändler verabschiedet sich nach 35 Jahren

Für Radler in der Region ist er eine Institution: Christof Pütz. Mehr als 35 Jahre lang ist er im Radsportgeschäft tätig. Nun steht ein Abschied bevor: Zum Jahresende übergibt er sein Geschäft in Siegburg aus gesundheitlichen Gründen an einen Nachfolger.

Zum Jahreswechsel werden bei Christof Pütz vermutlich Abschiedstränen kullern: Nach mehr als 35 Jahren im Radsportgeschäft übergibt er seinen Laden an seinen Nachfolger Radsport Borens. Einigen Fahrradfans dürfte der Name durch dessen Filiale am Aegidienberg bereits ein Begriff sein. „Mir war es wichtig, einen Nachfolger zu finden, der einen Werkstattservice anbietet, um meine langjährigen Kunden übernehmen zu können“, sagt Christof Pütz.

1986 mietete er gemeinsam mit seinem Bruder einen Laden in Friedrich-Wilhelms-Hütte in der Mendener Straße. „Ich brenne für Fahrräder“, war seine Motivation. Schon als Jugendlicher sei er nicht nur gerne Rad gefahren, sondern habe auch an ihnen gebastelt. „Die große Zeit der Bonanzaräder habe ich noch mitgemacht und mir auch eigene Räder selbst zusammengeschraubt“, erinnert sich der heute 61-Jährige.

Hobby zum Beruf gemacht

Sein Hobby habe er schließlich zum Beruf gemacht. Mit 26 Jahren verkaufte und reparierte er gemeinsam mit dem Bruder Räder in einem rund 100 Quadratmeter großen Lädchen. „Früher gab es mehr Reparaturen, da haben wir nur wenig verkauft“, entsinnt sich Pütz heute. Damals habe man noch nach Angeboten in der Zeitung geschaut, mit Großhändlern telefoniert und lediglich für das kommende Tagesgeschäft eingekauft. „Wir sind noch klassisch mit dem Kombi nach Köln zum Großhandel gefahren, haben dort zwei Räder in den Kofferraum gepackt und sind dann zurückgekommen“, sagt Pütz und lacht. Schutzbleche oder andere größere Teile habe man gar nicht lagern können. Das Fahrradgeschäft habe sich in den letzten 30 Jahren grundlegend verändert. „Was ich heute um 3 Uhr bestelle, ist morgen um 12 Uhr da“, meint er.

Sofern die Teile überhaupt lieferbar sind. Denn Fahrradhändler sind stark von den weltweiten Lieferengpässen betroffen. Diese Krise geht auch nicht am Zweiradtreff Pütz vorbei: „Zurzeit gibt es Trekkingräder nur mit eineinhalb Jahren Wartezeit.“ Auch bei Ersatzteilen gebe es sehr große Engpässe. Produkte des Vertreibers Shimano seien nicht durch andere Marken zu ersetzen. Aufgrund dieser Monopolstellung sei man in der Radbranche besonders stark von der Lieferkrise betroffen.

Institution in Menden

Im Jahr 1989 erfolgte dann der Umzug der beiden radbegeisterten Brüder von Friedrich-Wilhelms-Hütte nach Menden in das aus ihrer Jugend bekannte Kino. Nach einem Umbau eröffneten sie ein Jahr später eine große Verkaufsfläche mit einer Fahrradwerkstatt. Heute noch wird die Ecke Siegstraße/Burgstraße im Mendener Volksmund „Pütz-Ecke“ genannt, denn dort entwickelte sich Zweirad Pütz in den nächsten 25 Jahren zu einer Radinstitution. Nach dem Ausstieg des Bruders um das Jahr 1993 führte Christof Pütz den Laden mit großer Leidenschaft weiter: „Am Ende hatte ich sogar noch eine zweite Filiale mit zwölf Angestellten in Lohmar, bis der Feld geöffnet hat. Da sind wir leider in den Keller gegangen“, bedauert er.

Aber der Fahrradpionier hatte nicht nur ein Stammpublikum in seinem Rücken, sondern er baute eigens nach den Vorstellungen seiner Kunden passgenaue Räder zusammen. Teilweise sogar mit selbst hergestellten Einzelteilen auf der ehemaligen Kinoempore.

Große Enttäuschung 2015

Seine große Radleidenschaft war an allen Ecken und Enden seines Ladens zu sehen: Gerne stellte der Schrauber seine kreativen Objekte im Laden zur Schau.

Als schließlich 2015 das gesamte Haus an der Pütz-Ecke verkauft wurde, war der Geschäftsführer gezwungen, seinen Laden zu verlegen. „Wir wurden da regelrecht rausgeschmissen und das nach all den Jahren“, ärgert es den Geschäftsmann noch heute. Ein halbes Jahr zuvor habe er sich extra ein Haus nur wenige Gehminuten von seinem Laden entfernt gekauft. Der Rausschmiss aus seinen Verkaufsräumen habe einen großen Riss in seinem Fahrradherzen hinterlassen. Glücklicherweise hat Pütz eine Marktfläche in Siegburg gefunden, die er bis heute angemietet hat. Insgesamt blicke er auf erfolgreiche Geschäftsjahre zurück.

Boom der Elektroräder

Besonders der Boom der Elektroräder habe ihm zusätzlich zum Sommer- auch ein Wintergeschäft beschert: „Solange es nicht Stein und Bein friert, fahren die Leute auch im Winter noch weiter“, freut sich der Radexperte. Besonders sein Werkstattservice würde gut angenommen.

Dennoch gibt es einen Punkt, den er im Nachhinein bereut: „Ich bin viel zu spät auf das Internet eingegangen.“ Lange habe er diesem Medium keine Chance gegeben und den Sprung ins Onlinegeschäft verpasst. Umso mehr freut es ihn, zum genau richtigen Zeitpunkt auf E-Bikes gesetzt zu haben.

Ab November startet Pütz mit dem großen Abverkauf seines Sortiments, damit sein Branchenkollege Borens so wenig Ware wie möglich übernehmen muss. Die Trennung von seinem Laden fällt Pütz schwer: „Mir schwirrt nichts anderes mehr durch den Kopf, aber ich muss eben auch an meine Gesundheit denken.“ Seine Entscheidung sei im Laufe der letzten Jahre und insbesondere während der Corona-Zeit herangereift.