1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Siegburg: Geflüchtete stellen Träume und Wünsche künstlerisch dar

Open-Air-Ausstellung in Siegburg : Geflüchtete stellen Träume und Wünsche künstlerisch dar

Junge Geflüchtete haben Bilder zu ihren Träumen und Wünschen gemalt. Zwei Berliner Künstler haben die Bilder in Installationen überführt. Die Ergebnisse sind auf dem „Boulevard of Woken Dreams“ auf dem Siegburger Bahnhofsvorplatz zu sehen.

Träume, Hoffnungen und Zukunftsvisionen sind derzeit auf dem Siegburger Bahnhofsvorplatz zu sehen. Unter dem Titel „Boulevard of Woken Dreams“ haben junge Geflüchtete dort auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern Kunstinstallationen aufgebaut, die noch bis einschließlich Dienstag zu sehen sind. Sie wollen damit gleichzeitig auf die aktuelle Flüchtlingspolitik aufmerksam machen, vor allem im Hinblick auf die menschlichen Tragödien, die sich - wie derzeit auch am polnischen Grenzzaun an der Grenze zu Belarus - abspielen würden, erläutert die Initiatorin der Ausstellung, Leyla Velarde Medina de Schüring, Integrationsbeauftragte Aktion Neue Nachbarn für das Erzbistum Köln.

„Jeden Tag bin ich in Flüchtlingsunterkünften mit Missständen konfrontiert, sehe, dass bei vielen die Hoffnung auf ein sicheres Leben zerstört ist“, sagt sie. Da sei ihr die Idee gekommen, Kinder danach zu fragen, was sie sich für die Zukunft wünschen. Ihre Vorstellungen sollten sie mit einem gemalten Bild ausdrücken. Rund 20 Kinder aus Flüchtlingsheimen im Rhein-Sieg-Kreis folgten ihrer Bitte. Mit ihrer Idee begeisterte die Integrationsbeauftragte auch die befreundete Berliner Fotografin und Künstlerin Tabea Mathern. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Szenenbildner Matthias Heumeier überführte sie Elemente dieser Bilder in mehrere Installationen.

Menschen aus der Anonymität holen

Mathern faszinierte, dass die Wünsche der Kinder ähnlich denen der Kinder seien, die nicht das Schicksal der Flucht teilen müssten. Wichtig war den Künstlern auch, die Menschen aus der Anonymität zu holen, in der Öffentlichkeit Verständnis für die einzelnen Schicksale zu wecken, Vorurteile abzubauen und die Integration dadurch zu fördern. „Der Nährboden für Vorurteile ist die Isolation“, zeigte Heumeier sich bei der Ausstellungseröffnung überzeugt.

Er und Mathern nutzen bei ihren Installationen einen Mix unterschiedlicher Materialien. So wird aus der Zeichnung eines Sonnenuntergangs eine Installation mit verschiedenfarbigen Acrylglasscheiben, aus einem Haus ein stilisierter Aluminium-Kubus mit herabhängenden Mobilés. Über QR-Codes können die Original-Kunstwerke auf dem eigenen Smartphone angeschaut werden. Die Besucher erfahren auf diesem Weg mehr über die Kunstwerke und ihre kleinen Künstler.

Trotz Planung sei Zukunft nie ein fertiges Produkt, das sich drehen und wenden oder in seiner Gesamtheit vorhersehen lasse, betonte Velarde Medina de Schüring. „Zukunft ist immer ein Prozess, der durch das Handeln in der Gegenwart gestaltet werden muss. Indem geflüchtete Kinder ihre Wünsche formulieren, werden sie aktive Akteure in diesem Prozess“, erklärte sie. Mit ihren Arbeiten würden die Kinder nicht nur Ausblick auf eine vielseitige und bunte Gesellschaft der Zukunft geben, sondern lösten sich auch von dem dominierenden Narrativ, das sie einzig auf ihr Fluchtschicksal reduziere.

Die Ausstellung wird unterstützt, gefördert und möglich gemacht durch die „Aktion neue Nachbarn”, dem Kreisdekanat Rhein-Sieg und dem SKM, dem katholischen Verein für soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis. Alle Beteiligten überlegen nun, die Aktion weiterzuführen und auszubauen. Die aktuellen Installationen sollen demnächst auch in Berlin ausgestellt werden.

Weitere Informationen unter www.boulevardofwokendreams.com.