1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Siegburg: Kurt Gigler feiert 104. Geburtstag

Ältester Senior der Stadt : Siegburger feiert am heutigen Dienstag seinen 104. Geburtstag

Die Menschen im Rhein-Sieg-Kreis werden immer älter. Im vergangenen Jahr lebten 51 Menschen im Kreis, die älter als 100 sind. Der älteste Mann der Kreisstadt feiert heute sogar schon seinen 104 Geburtstag.

Eigentlich kann er es selber gar nicht richtig fassen. Den 104. Geburtstag feiern zu dürfen, erfüllt Kurt Gigler „mit großer Dankbarkeit und Freude“. Noch bis 2019 lebte der rüstige Senior alleine in seinem Haus auf der Zange. Seinen 100. und 101. Geburtstag ließ er zu einem rauschenden Fest für seine Familie und die gesamte Nachbarschaft werden und er erfreute sich der vielen Auftritte und Ständchen, die die Nachbarskinder für ihn einstudiert hatten.

„Das war was“, erinnert sich Gigler gerne an die schönen Feiern zurück. Nach einem Sturz zog er in das Seniorenzentrum „Am Hohen Ufer“, wo er sich seither wohlfühlt. „Wer wie ich um die Hundert ist, kommt nicht selten aus der Landwirtschaft und hat für seine Ernährung hart gearbeitet oder so manches Würzelchen im Garten ziehen müssen“, erzählt Gigler. „Daran muss ich oft denken, wenn hier der Tisch immer gedeckt ist und es uns an nichts fehlt.“

Kein Rezept fürs hohe Alter

Ein Rezept für das Erreichen seines hohen Alters kann Gigler nicht geben. „Mit 70 Jahren ging es mir mal gar nicht so gut. Seither vergeht kein Tag ohne ein Dankgebet, dass ich wieder einen neuen Tag erleben darf mit all dem Schönen, was das Leben zu bieten hat“, verrät er in aller Bescheidenheit. „Man muss keinen Kirchgang machen, um zu beten und dem lieben Gott zu danken.“

In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts wuchs Gigler in Siegburg auf als ältestes von drei Kindern. Nach dem frühen Tod der Mutter wurden er und seine beiden Schwestern bei den Großeltern und in der Verwandtschaft wohlbehütet aufgezogen. Der Vater kümmerte sich derweil um den Erhalt des kleinen Lebensmittelgeschäfts am Siegburger Ortsausgang vor der Aggerbrücke an der Luisenstraße 136, das seine Schwestern später leiteten und nach dem Krieg sogar um eine Metzgerei-Abteilung erweiterten.

Kurt Gigler besuchte die Nordschule und war ein begabter Schüler. Sein Lehrer, Herr Söntgerath, empfahl zwar den Besuch des städtischen Gymnasiums, aber Giglers Vater wünschte sich für seinen Sohn einen soliden Abschluss mit Mittlerer Reife, den er dann 1933 an der städtischen Realschule (im heutigen Stadtmuseum) erreichte. Seine kaufmännische Ausbildung machte er bei der Spar- und Handelskasse in Stieldorf, ehe er in den Kriegsjahren zunächst beim Frankreich-Feldzug im Einsatz war und dann in Russland mit Rückzug durch ganz Ostpreußen.

Seine Frau Grete heiratete er 1942, lebte und arbeitete in Stieldorferhohn und Königswinter und zog mit ihr und den beiden Kindern nach ein paar Jahren nach Siegburg zurück. Seit 1943 lebte er in seinem Haus an der Ludwigstraße, wo er bis zu seinem Sturz vor drei Jahren die funktionierende Nachbarschaft genoss. Nicht nur die Nachbarskinder, sondern ganz besonders seine beiden Urenkel Carl und Pauli und sein Enkel André mit Ehefrau Cornelia Demant sind dem Senior ans Herz gewachsen. „Leider mussten wir uns mit Besuchen im letzten Jahr sehr zurücknehmen.“

Ganz bewusst hat der Siegburger das letzte Jahr mit allen Einschränkungen durch Corona erlebt. In Absprache mit seinem Enkel André Demant, der als Arzt auch für die gesundheitlichen Belange seines Opas zuständig ist, hat sich Gigler ganz bewusst für die Impfung entschieden. „Da kann man gar nicht dagegen sein. Auch wenn das Mittel keine Bewährungsfrist hatte, ist es doch unsere einzige Chance, der Pandemie zu trotzen.“ Wie sein 104. Geburtstag aussehen wird, konnte Gigler selbst nicht sagen. „Ich bin mir aber sicher, dass sich mein Enkel etwas ausgedacht hat. Diesmal lasse ich mich überraschen.“