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Siegburg: Podiumsdiskussion zum 60. Jahrestag des Mauerbaus

„Geteilte Geschichte“ in Siegburg : Podiumsdiskussion zum 60. Jahrestag des Mauerbaus

Im Rahmen des Projekts „Die Mauer.“ fand am Freitag eine Podiumsdiskussion am Gymnasium Siegburg Alleestrasse (GSA) statt. Den Schülern wurde ein lebendiger Einblick in das Leben in der DDR gegeben.

Seit August steht auf dem Schulhof des GSA ein buntes, hölzernes Mauerstück. Es symbolisiert das Thema Teilung und kündigt ein größeres Projekt an. Die Mauer war eine „wilde Idee“, die gut angenommen wurde, berichtet der Lehrer Steffen Ritzmann. Über 30 kleinere Aktionen hätten im Rahmen des Unterrichts schon am Mauerstück stattgefunden. Im Kunstunterricht sei die Mauer beispielsweise bemalt worden und im Deutschunterricht Kulisse für kurze Videos gewesen. Die Podiumsdiskussion am Freitag war ein weiterer Teil des Projekts „Die Mauer.“

Zu den Klängen von „Freude schöner Götterfunken“, gespielt vom Petit Orchestre des GSA, beginnt die Podiumsdiskussion. Schulleiterin Sabine Trautwein leitet mit bekannten Zitaten in das Thema ein: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ und „Mister Gorbachev, tear down this wall!“. Im Gespräch mit zwei DDR Bürgerrechtlern sollten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in die Lebenswelt einer Diktatur erhalten.

Gäste geben Einblicke in den DDR-Alltag

Rainer Eppelmann, evangelischer Pfarrer, ehemaliger Minister für Abrüstung und Verteidigung und ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages ist dafür aus Berlin angereist. Aus Leipzig kam Stephan Bickhardt, ebenfalls evangelischer Pfarrer. In seinem Grußwort lobt Bürgermeister Stefan Rosemann: „Es ist nicht üblich, dass ein tief westdeutsches Gymnasium sich mit diesem Thema beschäftigt“ – durch Projekte wie dieses werde Geschichte greifbar.

Der Moderator Thomas Schwarz eröffnet das Gespräch mit der Frage: „Was verstehen Sie unter Diktatur?“. Die Gäste aus Berlin und Leipzig geben daraufhin Einblicke über ihr Leben in der DDR. Stephan Bickhardt berichtet darüber, wie er trotz guter Schulnoten keinen Studien- oder Ausbildungsplatz gefunden habe, weil er DDR-Organisationen und die Partei ablehnte. Rainer Eppelmann erzählt von seiner Verweigerung, den Eid bei den Bausoldaten der Nationalen Volksarmee zu leisten, was ihm acht Monate Zuchthaus eingebracht habe.

Inspiriert von Diskussion

Nach den anschaulichen Erzählungen wird die Podiumsdiskussion für Fragen geöffnet: Caro aus der zehnten Klasse will wissen, woher die beiden Gäste ihren Mut und die Energie nahmen, diesen Widerstand zu leisten. Andere Schüler interessieren sich für die persönlichen Gefühle und Reaktionen nach dem Mauerfall. Mit dem Appell an die Schüler, Freiheit und Demokratie nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen, endet die Veranstaltung. Schülerin Caro lobt die Diskussion. Sie sei von den Gästen inspiriert worden und hätte auch gerne noch länger zugehört. Da sie in Ostdeutschland aufgewachsen sei, habe sie einen besonderen Bezug zum Thema.

Die Mauer auf dem Schulgelände der GSA soll am Dienstag, 9. November, symbolisch fallen. Zusätzlich dazu wird es in der nächsten Woche weitere Aktionen mit den Klassenstufen geben, darunter das Planspiel „Opposition in der DDR“, einen Besuch des Hauses der Geschichte in Bonn und einen Kinobesuch im Film „Zwischen uns die Mauer“.