1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Wenn Frauenhaar immer dünner wird: Siegburg: Tabuthema Haarausfall

Wenn Frauenhaar immer dünner wird : Siegburg: Tabuthema Haarausfall

Der Siegburger Salon „Coiffeur Fränci“ führt Haarverdichtungen durch. Mit einem Haarnetz aus Echthaar werden kahle Stellen am Kopf der betroffenen Frauen beseitigt.

Bei ihr habe es nach einem einschneidenden negativen Erlebnis angefangen. Das Haar sei immer dünner geworden, der Ansatz immer weiter zurückgegangen, erzählt eine Kundin des Friseur-Salons „Coiffeur Fränci“ am Siegburger Markt. Sie möchte anonym bleiben, dennoch ehrlich über ihren Haarausfall berichten. Denn sie weiß, Haarausfall bei Frauen ist ein Tabuthema. Dabei betreffe es ganz viele Frauen in jeglichen Altersstufen, weiß die Friseurin und Geschäftsführerin von „Coiffeur Fränci“, Elena Redler. „Ich sehe oft Frauen auf der Straße oder an einer Kasse in Geschäften, deren Haaransatz immer weiter zurück- geht“, so Redler.

Die Friseurin und ihre Mitarbeiter führen im Siegburger Salon Haarverdichtungen durch. Dabei gibt es verschiedene Methoden. Verdichten kann man zum einen mit Strähnen von fremdem Echthaar, die am Haaransatz fest angebracht werden. In schwereren Fällen, wie bei der jetzigen Kundin, ist der Haaransatz jedoch schon kreisförmig auf dem Kopf zurückgegangen. Dann werden keine Strähnen, sondern ganze Haarteile auf dem Kopf angebracht. Das Haarteil besteht aus einem kreisrunden Netz, auf dem Echthaar geknüpft ist. Dieses Netz wird auf die kahle Stelle der Kundin gelegt. Die noch vorhandenen Haare werden ebenfalls an das Netz geknüpft, sodass es Halt bekommt und dauerhaft auf dem Kopf sitzen kann. Die Anschaffung eines solchen Haarteils koste um die 2200 Euro. Wenn man es gut pflege, halte es zwei Jahre, so Redler. In einigen Fällen bezuschusst die Krankenkasse die Anschaffung.

Viele Gründe für Haarausfall

Alle vier bis sechs Wochen muss das Haarteil im Friseursalon neu auf dem Kopf fixiert werden. Redlers 48-jährige Kundin ist froh, dass es diese Methode gibt. „Ich fühle mich so selbstbewusster. In unserer Gesellschaft entscheidet sich viel über das Aussehen.“ Vor 15 Jahren habe der Haarausfall bei ihr begonnen, sie habe die Methode mit dem Haarteil schnell kennengelernt und sich sofort dafür entschieden. „Ich glaube, dass das Thema Haarausfall gerade bei Frauen so ein Tabuthema ist, weil Haare Weiblichkeit bedeuten“, so die Siegburgerin. Es sollte eigentlich nicht peinlich sein, sagt sie weiter. Haarausfall könne jeden betreffen und sei eine körperliche Einschränkung, die man einfach beheben könne. Dennoch wissen nur ihre Familie und ein paar enge Freunde von ihrem Haarteil, sonst hält sie es geheim.

„Die Ursachen für Haarausfall bei der Frau sind vielseitig“, erklärt Patrick Berlitz, Dermatologe am Universitätsklinikum Bonn. „Selbst im Kindesalter können bei Mädchen spezielle Formen des Haarausfalls auftreten.“ Häufig sei der Haarausfall anlagebedingt. Eine andere häufige Form sei der diffuse Haarausfall, wozu es jedoch keine einheitlichen Daten gebe, so Berlitz. Deswegen sei auch die Behandlung je nach Fall unterschiedlich. Ein Arztbesuch sei deswegen immer zu empfehlen. Der Arzt sollte sich die Krankengeschichte anschauen und eine Untersuchung des Kopfes vornehmen. Danach werde eine Therapie besprochen.

„Besteht eine medizinische Notwendigkeit zur Haarverdichtung, etwa bei stark ausgeprägtem kreisrunden oder bei anlagebedingtem Haarausfall, bezuschussen die Krankenkassen das Zweithaar“, erklärt der Arzt. Die meisten Patientinnen in der Uniklinik Bonn würden aber zunächst eine medikamentöse Behandlung vorziehen.