Ideen für die Siegburger Innenstadt Pop-Up-Galerie möchte dauerhaft in Siegburg bleiben

Siegburg · Im Sommer hat Carl von Schlue ein leer stehendes Ladenlokal in der Siegburger Innenstadt bezogen und dort eine Pop-Up-Galerie eröffnet. Die Galerie auf Zeit möchten er und andere Künstler jetzt gerne zu einer Dauereinrichtung machen.

 Vermieter Markus Kanes (links) überlässt Carl-Friedrich von Schlue seit August eine leer stehende Immobilie für eine Pop-Up-Galerie.

Vermieter Markus Kanes (links) überlässt Carl-Friedrich von Schlue seit August eine leer stehende Immobilie für eine Pop-Up-Galerie.

Foto: Nadine Quadt

Aus einem Monat wurden zunächst drei, dann ein halbes Jahr, und inzwischen möchte Carl-Friedrich von Schlue seine Pop-Up-Galerie in der Siegburger Innenstadt gerne zu einer Dauereinrichtung machen. Seinen Vermieter Markus Kanes hat er da ganz auf seiner Seite. Einzig, es fehlt ihm noch das nötige Geld für einen richtigen Mietvertrag. Denn bislang zahlt der Künstler nur einen Überlassungszins für das Ladenlokal an der Holzgasse 4-10. Dafür muss er aber auch jederzeit damit rechnen, Platz für einen neuen Mieter machen zu müssen. Denn seine Galerie, die inzwischen Werke von zehn Künstlerinnen und Künstlern zeigt, ist eigentlich nur als Zwischenlösung gedacht – um einen Leerstand zu vermeiden.

Im Sommer hatte Carl-Friedrich von Schlue im Vorbeigehen das „Zu vermieten“-Schild im Schaufenster und den großen leeren Raum dahinter entdeckt. Mit seiner Idee, diesen mit einer Pop-Up-Galerie zu beleben, stieß er auf das Interesse von Makler und Vermieter Markus Kanes. „Die Idee hat mir gefallen“, erklärt der, warum er den Laden nun schon seit mehr als einem halben Jahr von Schlue und seiner großformatigen und farbenfrohen Kunst überlässt – gegen einen geringen Überlassungszins. Der Vertrag ist kurzfristig kündbar. „Wenn ich einen Mieter finde, dann vermiete ich“, sagt Kanes. Gleichwohl könnte er sich seine Immobilie auch dauerhaft als Ort der Kunst vorstellen. „Es braucht neue Ideen für die Innenstadt“, ist er sich sicher. Der reine Einzelhandel liege in der Kreisstadt am Boden.

Das Interesse an der Galerie sei vorhanden, sagt von Schlue. „Es kommen hier tägich viele interessierte Leute auch aus dem Umland rein“, erzählt der Mann, der inzwischen in der Galerie nicht mehr nur seine Werke, sondern auch die von zehn weiteren Künstlern und Künstlerinnen zeigt. Von denen erhalte er nur positives Feedback. Deswegen sei sein Wunsch entstanden, die Galerie vielleicht doch dauerhaft in der Siegburger Fußgängerzone zu etablieren. Allerdings fehlt van Schlue und seinen Mitstreitern das Geld für die volle Miete. „Die vorherige Mieterin Ulla Popken hat 4500 Euro Miete gezahlt“, sagt Kanes, dessen Vater 1985 die frühere City-Passage gebaut hat. So viel will er von den Künstlern nicht haben. „Ich würde ihnen sehr mit der Miete entgegenkommen“, sagt er. „Vielleicht findet sich ja ein Sponsor, der uns bei dem Rest unterstützt“, sagt van Schlue, der auch auf die Hilfe der Stadt Siegburg hofft.

Ole Erdmann, Leiter des Siegburger Amts für Umwelt und Wirtschaft, zeigt sich auf GA-Anfrage begeistert von der Geschichte der Pop-Up-Gallerie. „Das sind genau die Initiativen, die es für die Innenstadt braucht“, sagt er. Finanzielle Unterstützung kann er Carl-Friedrich von Schlue und seinen Mitstreitern wohl eher nicht bieten, aber Unterstützung anderer Art. Wie die aussehen könnte, will Erdmann im persönlichen Gespräch mit dem Künstler klären. „Auch hier haben wir einen Vermieter, der sich bewegt“, hebt er hervor. Initiativen wie diese wolle die Stadt in jedem Fall unterstützen. Dass es sich auch für einen Vermieter lohnen kann, zumindest zeitweise die Miete für ein innerstädtisches Ladenlokal zu reduzieren, zeige das Beispiel von Seojin Hinkelmann und ihrem Eltern-Kind-Café „Glücksmomentum“.

Konzept eines Familiencafés hat Erfolg

Hinkelmann fand ihr Ladenlokal an der Scheerengasse im vergangenen Jahr über den Aufruf „Laden sucht Mieter – Mieter sucht Laden“. Über diesen wollte die Stadt 2022 mit Landesmitteln Vermieter leer stehender Ladenlokale mit potenziellen Mietern zusammenzubringen. Mehr als 30 Interessenten bewarben sich, neun davon überzeugten Verwaltung und Politik, aber nur Seojin Hinkelmann fand schließlich auch wirklich ein Ladenlokal. Die Stadt hat den Großteil der Fördermittel inzwischen zurückzahlen müssen. Seit April 2023 betreut Hinkelmann in ihrem Eltern-Kind-Café unter anderem Kinder, deren Eltern etwa beim Arzt sind.

Ihr Konzept kam so gut bei ihrer Zielgruppe an, dass sie inzwischen expandiert und ihr Angebot um ein Café vergrößert hat. Im Wirtschaftsförderungsausschuss berichtete sie unlängst von bis zu 500 Besuchern am Tag. Die Förderung, die ihr eine günstigere Miete ermöglicht, ist Ende 2023 ausgelaufen. Ihren Vertrag hat sie für zwei Jahre verlängert, und zahlt nun die volle Miete. „Das ist eine schöne Erfolgsgeschichte“, sagt Ole Erdmann. Eine Geschichte, die von Wirtschaftsförderer Ulrich Schipp eng begleitet worden sei. Und die in weiteren Gründungen eine Fortsetzung finden soll.

Um noch mehr Menschen auf sich und ihre Kunst aufmerksam zu machen, planen die Künstlerinnen und Künstler wie schon im Advent ein gemeinsames Kunstevent. Dafür öffnet die Pop-Up-Galerie, Holzgasse 4-10, ausnahmsweise auch an einem Sonntag: Am 24. Februar, zeigen sie zwischen 14 und 18 Uhr zur Musik der Band Samba Bom ihre Werke und wollen mit ihren Besuchern ins Gespräch kommen.

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