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Zehn Tage Literatur: Siegburger Literaturwochen testen neue Formate

Zehn Tage Literatur : Siegburger Literaturwochen testen neue Formate

Die 39. Auflage der Siegburger Lesereihe setzt andere Akzente. Jess Jochimsen etwa liest in einer Trauerhalle, und das Publikum wird nach seiner Meinung gefragt.

Wohin die Reise geht? Christiane Bonse weiß es nicht. Sicher ist nur, die Siegburger Literaturwochen brauchen einen Wandel, sagt die Leiterin der Stadtbibliothek. „Das Interesse ist groß, aber uns ist klar, die klassischen Literaturwochen mit Autorenlesungen wird es nicht mehr geben, wir stehen an einer Schwelle“, ergänzt Bürgermeister Franz Huhn im Vorfeld der 39. Auflage des Lesereigens: Einerseits seien viele Autoren nicht mehr greifbar, andererseits habe sich der Anspruch des Publikums gewandelt. Die Stadt reagiert, testet in der Zeit von Donnerstag, 1. November, bis Samstag, 10. November, neue Orte und neue Formate – und lässt das Publikum darüber abstimmen, ob es ihm gefallen hat oder nicht.

Dafür stehen an jedem Lesungsort drei Boxen, versehen mit einem lachenden, einem neutralen und einem weinenden Gesicht. „Jeder kann uns so seine Meinung sagen und auch begründen, warum etwas gut oder schlecht war“, sagt Huhn. Christiane Bonse und ihr Team hoffen, auf diesem Weg zu erfahren, was dem Publikum wichtig ist. Sind es besondere Orte, besondere Autoren, ist es eine Kombination von Literatur und Musik oder etwas ganz anderes? „Die so gewonnen Erkenntnisse fließen in unsere Überlegungen für die Zukunft ein“, so Bonse.

Erste neue Züge trägt das Literaturwochen-Programm schon jetzt. So gibt es erstmals an Allerheiligen in Kooperation mit dem Café T.O.D. eine Sonderveranstaltung zum Auftakt: Jess Jochimsen liest am Donnerstag, 1. November, aus seinem Roman „Abschlussball“. Nicht etwa in Stadtmuseum oder -bibliothek, den zentralen Orten, zwischen denen sich die Lesungen immer bewegt haben. Der Autor und Kabarettist betritt mit der Trauerhalle auf dem Nordfriedhof gewissermaßen Neuland.

Lesungen für Siegburger Schulen

Ein für Siegburg neues Format bringt Literaturkritiker Denis Scheck mit in die Kreisstadt. Er präsentiert am Freitag, 2. November, „20 Romane, um durch das Leben zu kommen“. Welche das sind, hat er noch nicht umfänglich verraten. Nur so viel, Philip Roths „Der menschliche Makel“ ist dabei. Erstmals ist mit Kate Morton auch eine fremdsprachige Autorin persönlich Teil der Literaturwochen. Die Australierin liest am Donnerstag, 8. November, auf Englisch aus ihrem Roman „Die Tochter des Uhrmachers“, Schauspielerin Esther Schweins übernimmt deutsche Passagen und Angela Spizig moderiert zwischendurch.

Einen großen Raum im Programm nehmen Lesungen ein, die für die Siegburger Schulen reserviert sind. „Es ist uns wichtig, dass Kinder und Jugendliche erleben, was Literatur bewegen kann“, sagt Christiane Bonse. Besonders über „zweckfreies Lesen“, das nicht dazu diene, Wissen zu mehren, sondern um in andere Welten abzutauchen. Gelegenheit dazu bietet den Jüngeren ein „Robotical“ mit Musik und Action, den Älteren Poesie von Martin Beyer oder Romane von Anne Freytag.

Es gibt aber auch Bewährtes: Bekannte Namen kommen nach Siegburg, um mit ihren Worten oder den Worten anderer Licht in dunkle Novemberabende zu zaubern. Da sind Zsuzsa Bank oder Tanja Kinkel mit ihren Romanen. Bei Elke Heidenreich, Roman Knizka und August Zirner gehen Literatur und Musik eine Symbiose ein. Und natürlich fehlen nicht die, mit denen vor fast vier Jahrzehnten alles begann: Die Autoren der VHS-Literaturwerkstatt. Das Reiseziel ist noch ungewiss, ein paar neue Etappen hat Christiane Bonse allerdings schon jetzt für die 40. Literaturwochen festgelegt: Mit Liedermacher Dominik Plagger und Youtuber Kayef.

Mehr zum Programm der Literaturwochen gibt es auf stadtbibliothek-siegburg.de. Karten gibt es erstmals auch in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.