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Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten: Siegburger Schüler gewinnen mit Forschung zu Karneval und Fußball

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten : Siegburger Schüler gewinnen mit Forschung zu Karneval und Fußball

Vier Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Siegburg Alleestrasse belegten beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten vordere Plätze. Sie überzeugten die Jury mit einer interaktiven Webseite und einem selbst produzierten Video.

„Wir sind mächtig stolz auf unsere Schüler“, berichtet Schulleiterin Sabine Trautwein. Nur wenig Schulen hätten vordere Plätze beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten erreicht – und am Gymnasium Siegburg Alleestrasse (GSA) schafften es gleich zwei Schülergruppen. Diese gewannen insgesamt 3250€ Preisgeld. Mit dem Thema „Funkenmariechen – Männersache?!“ erreichten Olivia Sokolowsky und Adrian Szypryt Abilleira den zweiten Platz. Auf den dritten Platz schafften es Katharina Hofbauer und Lara Felicia Niedt mit ihrem Forschungsthema „Das WM-Spiel 1974 DDR-BRD“.

Unter dem Thema „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ waren bundesweit Schülerinnen und Schüler dazu aufgerufen worden, sich in ihrem Umfeld mit dem Thema Sport als Treiber gesellschaftlicher Veränderungen zu beschäftigen. Der Geschichtswettbewerb findet im zweijährigen Turnus statt und ist der größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland.

Funkenmariechen tanzten ursprünglich Männer

Olivia und Adrian untersuchten mithilfe von alten Festschriften der Siegburger Funken Blau-Weiß, Archivmaterial und Zeitzeugengesprächen die Entstehung und Entwicklung der Funkenmariechen. Bereits bei den anfänglichen Recherchen fanden die beiden heraus, dass ursprünglich ausschließlich Männer diese traditionelle Rolle einnahmen. Ein Umstand, der das Interesse der Schüler für das Thema weckte: „Alle von uns Befragten gingen selbstverständlich davon aus, dass das Funkenmariechen eine Tänzerin ist“, schreiben sie in ihrer Arbeit.

Während der Zeit des Nationalsozialismus seien die männlichen Funkenmariechen sukzessive verdrängt worden. Die wichtigste Erkenntnis ihrer Arbeit sei, dass nur in der Stadt Siegburg die Tradition der männlichen Karnevalstänzer nach dem Krieg wieder zurückgekommen sei, so Olivia und Adrian. Erst im Jahr 1962 tanzte auch dort zum letzten Mal ein Mann als Funkemarie.

Pizza war die Motivation

Die vier Schüler nutzten die schulfreie Zeit über Karneval, um sich in der Schule zu treffen und an ihren Projekten zu arbeiten. „Dann haben wir gemeinsam Pizza bestellt und uns beim Essen ausgetauscht“, erzählt Lara. „Das hat Spaß gemacht und wir haben viel gelacht“, ergänzt Adrian. Zur Motivation habe die Gruppe dann beim nächsten gemeinsamen Arbeitstreffen gleich wieder Pizza bestellt.

Den beiden Projektteams waren zur Unterstützung Tutoren zur Seite gestellt. Melanie Kraatz und Eileen Krahm halfen mit Anregungen, Hinweisen und organisatorischen Hilfestellungen. Ansonsten habe man die Schüler einfach machen lassen: „Wir haben die Arbeiten nur in Bahnen gelenkt“, so Kraatz. Die Einschränkungen aufgrund der Pandemie hätten das gemeinsame Arbeiten deutlich erschwert, Online-Meetings hätten den Austausch dennoch ermöglicht.

Nächstes Forschungsthema mit Spannung erwartet

Das zweite Team, bestehend aus Katharina und Lara, forschte zum WM-Spiel zwischen der DDR und der BRD im Jahr 1974. Dazu sammelten die beiden umfangreiche Hintergrundinformationen. „Im Archiv war es stickig, kalt und anstrengend“, berichtet Olivia. Die Recherche dort habe sich dennoch gelohnt und interessante Sachen hervorgebracht. Die Schülerinnen führten sogar ein Interview mit dem ehemaligen Nationalspieler Wolfgang Overath: Der heute 78-jährige ist in Siegburg geboren und berichtet über seine Erlebnisse im Länderspiel gegen die DDR 1974. Die Forschungsergebnisse fassten die Schülerinnen später in einem Video zusammen.

„Ich spare das Geld für mein Auslandsjahr in Amerika“, antwortet Lara auf die Frage, was sie mit ihrem Preisgeld machen werde. Auch Katharina will ihren Anteil komplett zur Seite legen. Olivia schaffte von einem Teil des Geldes einen Wanderrucksack an, Adrian eine neue Kamera. Geschichte studieren wollen die Gymnasiasten später nicht unbedingt, der Wettbewerb habe ihr Interesse für die Geschichte jedoch weiter vertieft. Die Geschichts-AG habe seit den erfolgreichen Projekten regen Zulauf bekommen, erzählt die Tutorin Kraatz. Die Teilnahme am Geschichtswettbewerb wurde durch die AG Geschichte initiiert, der nächste Wettbewerb sei bereits fest geplant. „Die Schülerinnen und Schüler sind schon ganz gespannt auf das nächste Thema.“