Rettungs-App für den Rhein-Sieg-Kreis Smartphone-App soll Ersthelfer im Notfall alarmieren

Rhein-Sieg-Kreis · Die Kreisverwaltung prüft den SPD-Vorschlag, Ersthelfer im Notfall per Smartphone-App zu alarmieren. Allerdings sind noch viele Fragen offen – vom Datenschutz bis hin zum Personalaufwand.

 Über die App kann ein Betroffener im Notfall registrierte Ersthelfer in der Nähe alarmieren.

Über die App kann ein Betroffener im Notfall registrierte Ersthelfer in der Nähe alarmieren.

Foto: picture alliance / dpa

Manchmal entscheiden wenige Minuten über Leben und Tod – vor allem bei plötzlichem Herz-Kreislauf-Stillstand. Je schneller ein Ersthelfer vor Ort ist, desto besser. Deshalb hat sich der Ausschuss für Rettungswesen und Katastrophenschutz des Rhein-Sieg-Kreises am Mittwoch darauf verständigt, die Einführung einer Rettungs-App zu prüfen. Vorbild könnten die Kreise Unna und Gütersloh sein, die solch ein System in Zusammenarbeit mit einem privaten Unternehmen, einem Förderverein, Rettungsdiensten und freiwilligen Feuerwehren betreibt.

Die Rettungs-App basiert auf Freiwilligkeit. Wer in Erster Hilfe geschult ist, kann sich in einer Datenbank registrieren lassen. Sobald ein Notfall auftritt und bei der Rettungsleitstelle eingeht, wird auch der Helfer über sein Smartphone informiert. Auf diese Weise erfährt er, wo sich in der Nähe der Notfall befindet. So kann er dort Erste Hilfe leisten und die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken.

Die Idee dahinter formuliert der im westfälischen Halle ansässige Verein „Mobile Retter“ so: „Mit unserem Projekt verringern wir – teils drastisch – das therapiefreie Intervall zwischen Eintritt eines lebensbedrohlichen medizinischen Notfalls bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes“, heißt es auf der Homepage des Vereins www.mobile-retter.de. Die App sei eine Ergänzung für die etablierte Struktur des Rettungsdienstes.

Sensible Daten dürfen nicht in falsche Hände geraten

Die SPD-Kreistagsfraktion kann sich dieses Modell auch im Rhein-Sieg-Kreis vorstellen: Sie beantragte im Ausschuss die Einführung. Doch so schnell, wie sich die Sozialdemokraten das vorgestellt hatten, ging es dann doch nicht. Die anderen Fraktionen fanden die Idee im Prinzip zwar gut. Dem SPD-Vorschlag, dafür im Haushalt 2017/18 gleich 50 000 Euro bereit zu stellen, mochten sie aber nicht folgen. „Die Verwaltung sollte zunächst ein Konzept entwickeln“, sagte Michael Söllheim (CDU). Zu viele Fragen seien noch offen: etwa die des Datenschutzes, der Datenpflege und des personellen Aufwands.

Kreisdirektorin Annerose Heinze wies gleich darauf hin, dass ihr – so begrüßenswert die Idee auch sei – an allen Ecken und Enden das nötige Personal fehle. Ingo Steiner (Grüne) hielt die SPD-Forderung, bereits jetzt Geld im Etat zu veranschlagen, für „finanzpolitisch unvernünftig“. Auch warnte er vor negativen Begleiterscheinungen: „Gerade im Rettungswesen müssen wir aufpassen, dass Daten nicht in falsche Hände geraten.“ So hält es Steiner für denkbar, dass über die App Gaffer angelockt werden, die sich an der Not anderer weiden und Rettungseinsätze blockieren. Auch Christian Koch (FDP) hielt den SPD-Antrag für „momentan nicht entscheidungsreif“.

Um einer Abstimmungsniederlage zu entgehen, ließ sich die SPD auf einen Kompromiss ein: Sie beharrte am Ende nicht mehr auf das Einstellen von Haushaltsmitteln und stimmte mit den anderen Fraktionen für einen Prüfauftrag an die Verwaltung. Diese soll zunächst alle Fakten rund um die App zusammenstellen. Auch ist im Gespräch, Vertreter aus Unna oder Gütersloh zwecks Erfahrungsbericht in den Ausschuss einzuladen. Laut Kreisdirektorin Heinze dauert die Einführung der App anderthalb Jahre, die vorgeschalteten Prüfungen nicht mitgerechnet.