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So will der Rhein-Sieg-Kreis Energie sparen

Kalte Dusche und dunkle Straßen : So will der Rhein-Sieg-Kreis Energie sparen

Die Abtei auf dem Michaelsberg in Siegburg wird nachts ebenso im Dunkeln liegen wie Schloss Drachenburg. Auch auf den Straßen im Rhein-Sieg-Kreis wird es nachts bald dunkel sein. Der Kreis und die Kommunen stellten am Montag gemeinsam die anstehenden Energiespar-Maßnahmen vor.

Die Abtei auf dem Michaelsberg oder das Schloss Drachenburg auf dem Drachenfels – die gut beleuchteten Wahrzeichen im Rhein-Sieg-Kreis sind auch nachts schon von Weitem zu sehen. Damit ist jetzt Schluss. Nachts wird‘s auch im Kreis dunkel, mindestens für die nächsten beiden Jahre.

Die Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden abzuschalten ist eine von mehreren Maßnahmen, auf die sich der Kreis und die Kommunen geeinigt haben, um angesichts der drohenden Knappheit Strom und Gas zu sparen. 15 Prozent weniger Energie zu verbrauchen, ist die Vorgabe der EU. Damit das gelingt, brauchen Beamte und Angestellte des Kreises und der Kommunen dicke Pullis und warme Jacken: Erst bei einer Außentemperatur von zwölf Grad soll im Herbst und Winter die Heizung in den Verwaltungsgebäuden angestellt werden, auf mehr als 19 Grad werden die Büros nicht aufgeheizt, Flure bleiben komplett kalt und zu den üblichen Feierabendzeiten gehen auch die Heizungen aus.

„Jedes Grad weniger senkt den Verbrauch um etwa sechs Prozent“, gab Thorsten Schmidt, Geschäftsführer der Energieagentur Rhein-Sieg, als Maß dafür an, wie viel Energie gespart werden kann. 19 Grad in den Büros der öffentlichen Verwaltungen – das sind zwei Grad weniger als bislang üblich. Sich beim Sport innerlich aufzuheizen und anschließend schön heiß zu duschen, ist in Zukunft auch nicht mehr möglich. Über den Sommer bleibt das Wasser in Sporthallen und -anlagen kalt, bereits seit Juli sind dort die Heizungen aus. Im Herbst soll es dann wieder aufgeheizt werden, um der Legionellengefahr zu begegnen. Heiß wird die Dusche aber auch dann nicht: 34 Grad warf Thorsten Schmidt als Möglichkeit in den Raum, wie weit die Temperatur tatsächlich gedrosselt wird, ist Gegenstand weiterer Überlegungen.

Ampeln werden nachts abgeschaltet

 Kreis und Kommunen stellen ihre Kampagne zum Energiesparen vor: Stephan Vehreschild, Sebastian Schuster, Otto Neuhoff (von links).
Kreis und Kommunen stellen ihre Kampagne zum Energiesparen vor: Stephan Vehreschild, Sebastian Schuster, Otto Neuhoff (von links). Foto: Andrea Ziech

Weitere Sparmaßnahmen werden direkt im öffentlichen Raum zu sehen sein: Ampelanlagen, die nicht sicherheitsrelevant sind, sollen nachts ausgeschaltet werden, ebenso wie die Straßenbeleuchtung, „wo immer es möglich ist“. Insgesamt gebe es einen Katalog mit 150 Einzelmaßnahmen, betonte Schmidt. Als bemerkenswerte Aktion bezeichnete Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff das Energiesparpaket, auf das sich Kreis und Kommunen einigten.

Er nannte es außerdem eine Riesenchance, Gewohnheiten infrage zu stellen. „Wir können an vielen Stellen ohne Komfortverlust sparen“, so Neuhoff. Einig waren sich die Vertreter von Kreis und Kommunen, dass die Sparmaßnahmen weder mit dem Erreichen des Ziels von 15 Prozent, noch mit den bislang angepeilten zwei Wintern enden müssen. „Mehr wäre auf jeden Fall schön“, sagte Stephan Vehreschild, Sprecher der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Kreis. „Wir sparen gern auch dauerhaft“, so Landrat Sebastian Schuster. Die Swisttaler Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner machte darauf aufmerksam, dass alle Kommunen ja schon aus Klimaschutzgründen seit einigen Jahren Energie sparen würden. „Aber jetzt wird‘s ernst.“

Und das nicht nur in einer Hinsicht: Trotz Sparmaßnahmen werden auch die Kommunen und der Kreis unter den steigenden Energiepreisen leiden – der größte Teil der öffentlichen Gebäude wird mit Gas beheizt. Zudem sind vielerorts auch Investitionen nötig, um die angezielten Sparmaßnahmen umzusetzen. Mit einer zusätzlichen Belastung von 400.000 Euro rechnet Otto Neuhoff beispielsweise für den Bad Honnefer Haushalt.

Social-Media-Kampagne richtet sich an Bürgerinnen und Bürger

Die Investitionen werden sofort fällig. „Das heißt, ohne Nachtragshaushalt“, erläuterte der Landrat, denn gespart werden solle ab sofort. Dafür, dass die steigenden Kosten nicht dazu führen, dass Kommunen im Kreis ins Haushaltssicherungskonzept kommen, will Schuster sich bei der Kommunalaufsicht einsetzen.

Aber der Kreis setzt nicht nur auf eigene Sparmaßnahmen: Eine Social-Media-Kampagne soll Bürgerinnen und Bürger im Kreis dazu motivieren, sich der allgemeinen Sparwelle anzuschließen. Kurz duschen, warm anziehen und Mehrfachstecker ausschalten sind einige der Dinge, zu denen die Kampagne auffordert. Zehn Prozent Energie können laut Schmidt mit dem entsprechenden Verhalten der Nutzer eingespart werden.

Die Vorbereitung auf den schlimmsten Fall, den, dass die Energiespar-Maßnahmen nicht ausreichen, liegt vor allem bei den Kommunen und den Netzbetreibern. „Die Stäbe in den Kommunen arbeiten daran“, so Schuster. „Falls die Maßnahmen nicht ausreichen, müssen wir auf jeden Fall verhindern, dass die Netze instabil werden“, sagte Jochen Günter, Leiter Netze bei Rhein-Sieg-Netz. Einen 72-stündigen Stromausfall könnten sie mit Notstromaggregaten auffangen, sagte er, allerdings nur, solange er sich auf lokale Hotspots beschränke. Schwieriger werde es bei einem Zusammenbruch des Gasnetzes. Das lasse sich nicht per Knopfdruck wieder einschalten, sondern müsse praktisch in jedem Haus einzeln wieder aktiviert werden. „Wenn das ausfällt, dauert es Tage, bis alle wieder am Netz sind.“