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Bad in Siegburg: Stadt übernimmt Oktopus

Bad in Siegburg : Stadt übernimmt Oktopus

Das Oktopus-Bad wird ab dem 1. Januar wieder in städtischer Regie geführt. Bislang wurde es von der Betreibergesellschaft s.a.b. Gesundheits- und Erlebnispark geführt, die 2008 eingestiegen war und zunächst 20 Millionen Euro in das Bad investierte. Auf die Dauer lief dieses PPP-Modell (Public Private Partnership) jedoch nicht rund, so dass nun die Stadtbetriebe als 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadt den Betrieb übernehmen.

Das erklärten die Stadtbetriebe und s.a.b. am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung, nachdem der Rat am Donnerstag in nicht-öffentlicher Sitzung für den Betreiberwechsel gestimmt hatte.

Als die am Bodensee ansässige s.a.b. 2007/08 als Betreiber einstieg, hatte das Bad jährlich einen Verlust von 1,5 Millionen Euro, zudem hätte die Stadt acht Millionen Euro in eine Sanierung investieren müssen. Indem s.a.b. den Betrieb führte, konnte die Stadt ihren Zuschuss nahezu halbieren - und bekam dafür ein modernisiertes und stark frequentiertes Bad mit neuem Tauchturm und Hotel. Die Firma s.a.b übernahm das Bad-Personal und musste sich verpflichten, Schul- und Vereinsschwimmen zu gewährleisten und die Eintrittspreise stabil zu halten.

Für s.a.b. war das auf Dauer nicht wirtschaftlich. Die Kalkulation ging nicht auf - unter anderem wegen gestiegener Energiekosten und aufgrund von Einnahmeausfällen im Sommer. "Schon allein wegen dieser Faktoren entstand der s.a.b. jährlich ein nennenswertes Defizit", heißt es in der Erklärung der Stadtbetriebe und von s.a.b. Ergo: Die Stadt hätte mehr Geld zuschießen müssen. Das brachte sie auf den Gedanken, gleich selbst zum Betreiber zu werden.

Die Stadtbetriebe übernehmen jetzt alle Mitarbeiter und Angebote von s.a.b., allerdings auch ein Defizit in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Dieses werde voraussichtlich abschmelzen, sagte Bürgermeister Franz Huhn. Auf der anderen Seite erhalte die Stadt "ein attraktives und vollständig saniertes Bad mit zivilen Eintrittspreisen, in dem Vereine und Schüler kostenfrei schwimmen können", ein "hochfrequentiertes Hotel" und einen "europaweit bekannten Tauchturm"; 100 Arbeitsplätze würden gesichert.

Damit endet aber nicht die Kooperation mit dem bisherigen Betreiber. Wolfram Wäscher, der als s.a.b.-Geschäftsführer die Erneuerung des Oktopus prägte, soll als Ideengeber in den Beirat berufen werden. Huhn bezeichnet ihn als "Visionär".

Alle Fraktionen begrüßen den Betreiberwechsel. "Auch wenn der Heimfall die Stadt einige Millionen kostet, gibt es keine vernünftige Alternative", so Astrid Thiel (Grüne). Die SPD forderte gestern die Weiterentwicklung des Bades unter Einbeziehung der Bürger. Es sei jetzt angezeigt, den "Innovationspreis PPP" zurückzugeben, sagte Jürgen Peter (FDP). Den hatten Stadt und s.a.b. 2010 für das Oktopus erhalten - für Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.