Studiobühne Siegburg Figurentheater über die Kraft der kreativen Schöpfung

Siegburg · René Böttcher von der Studiobühne Siegburg inszeniert „Die Werkstatt der Schmetterlinge“ als Figurentheater. Das Stück geht der Frage nach, wie viel Verantwortung jeder und jede einzelne in der Gesellschaft übernehmen kann. Dabei können die Puppen etwas, das lebendige Schauspielende nicht schaffen.

Theaterleiter Renée Böttcher und sein hölzerner Protagonist Rodolfo.

Theaterleiter Renée Böttcher und sein hölzerner Protagonist Rodolfo.

Foto: Studiobühne Siegburg

Rodolfo möchte etwas erschaffen, das schön ist wie eine Blume und fliegen kann wie ein Vogel. Nützlich ist das nicht – oder vielleicht doch? Die Studiobühne Siegburg zeigt ein Stück über den unbedingten Willen, Gutes und Schönes in die Welt zu bringen. Dabei muss sich der Protagonist Rodolfo gegen eigene schöpferische sowie gesellschaftliche Zweifel durchsetzen. Theaterleiter René Böttcher inszeniert Gioconda Bellis Märchen „Die Werkstatt der Schmetterlinge“ als Figuren-, Puppen- und Objekttheater.

„Die Geschichte ist eine Herzensangelegenheit eines jeden Künstlers“, sagt Böttcher. Sie soll zeigen, dass Schönheit und Nahrung für die Seele eben doch nützlich und sogar notwendig sind. Gleichzeitig stelle sie auch die Frage: „Inwiefern bin ich Gestalter meiner Stadt und Umwelt? Übernehme ich Verantwortung in meiner Kommune, oder meckere ich nur?“ Damit will Böttcher nicht nur Kinder ab sechs Jahren ansprechen, sondern auch Erwachsene zur kreativen Auseinandersetzung mit der eigenen Teilhabe einladen.

Animalische, nichtmenschliche Charaktere

Die Form der Inszenierung als Figurentheater ist für Böttcher noch relativ neu. Bereits vor der Pandemie organisierte er gemeinsam mit dem Musiker Götz Berger eine musikalische Lesung des illustrierten Buches aus dem Jahr 1994. Der Wunsch, den Text schauspielerisch umzusetzen, stieß da bereits die Frage an, wie eine Besetzung von etwa 50 skurrilen Figuren gelingen kann. Also entschied sich der Theaterpädagoge kurzerhand für eine hölzerne Puppe als Hauptfigur, gemeinsam mit einer Besetzung anderer Figuren und Objekte. Gott etwa wird durch eine gülden gelockte, weiße Luftmatratze dargestellt.

Während ein Schauspieler mitdenkt und eigene Impulse einbringt, sind die Puppen ihrem Spieler unterworfen – für Böttcher ein reizvolles Machtspiel. Nur die Naturgewalten geben noch Widerstand, gibt er zu: „Die Erdanziehungskraft ist mein größtes Problem.“ Die Puppe Rodolfo, die an Guillermo del Toros Pinocchio erinnert, fand der Regisseur bei einer Künstlerin im Internet. „Er hat kaputte Glieder und ist auf seine Art widerspenstig“, sagt Böttcher. Auf der Suche nach einer geeigneten Figur sei er jedoch immer wieder an ihr hängengeblieben. Rodolfos Freunde sind keine Menschen, sondern tierische, abstrakte Wesen.

Die Studiobühne, derzeit ohne eigene Spielfläche, führt das Stück im Weinkeller des Siegburger Stadtmuseums auf. In schummeriger Atmosphäre finden dort jeweils 25 Zuschauende Platz. Vorstellungen sind am Sonntag, 28. April, sowie am Sonntag, 12. Mai, jeweils um 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr. Insbesondere für die Termine im April gibt es noch einige Karten. Der reguläre Preis beträgt 15 Euro. Mit „Verantwortungskarten“ zum Preis von 22,50 Euro wird unter anderem Menschen, die knapp bei Kasse sind oder Bürgergeld empfangen, der Theaterbesuch ermöglicht.

Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen oder auf der Website der Studiobühne, www.theaterseite.de. Gezahlt wird an der Abendkasse, die Abholung ist ab 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung möglich.

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