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Hochwasser an Sieg, Agger und Rhein: Tagelanger Regen verwandelt Flüsse in Seenplatten

Hochwasser an Sieg, Agger und Rhein : Tagelanger Regen verwandelt Flüsse in Seenplatten

Die tagelangen Niederschläge an Sieg, Rhein und Agger hatten Folgen: Die Wahnbachtalsperre hat mehr Wasser abgelassen, die Flüsse wurden in kleine Seenplatten verwandelt. Seit Donnerstag fallen die Pegel allerdings wieder.

Der tagelange Regen hat Sieg und Agger in kleine­ Seen­platten verwandelt. Im Mondorfer Hafen hatten sich große Mengen Treibgut aus dem Rhein angesammelt. Und schon am Mittwochabend war die Feuerwehr in Hennef, Lohmar und Siegburg im Einsatz, um Vorkehrungen zum Hochwasserschutz zu treffen.

„Wir kontrollieren derzeit alle zwei Stunden am Siegwehr“, sagte Siegburgs Feuerwehrleiter Torsten Becker. Sollte der Pegel weiter steigen, müssten das Wehr und der Zulauf in den Mühlengraben geschlossen werden. Ein weiterer Kontrollpunkt der Siegburger Feuerwehr liegt seit Mittwochabend im Stadtteil Seligenthal. Die Wehrleute hatten zum Schutz eines Wohnhauses am Rüdemichweg einen Wall errichtet. „Das war eine Vorsorgemaßnahme“, sagte Becker am Tag nach dem Einsatz, zu dem 40 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr und zehn des Technischen Hilfswerks ausgerückt waren.

Deren Hintergrund erläuterte Dirk Radermacher, Leiter der Bau- und Betriebsabteilung beim Wahnbachtalsperrenverband (WTV): „Anhaltende Niederschläge und starke Zuflüsse über Wahn- und Wendbach haben den Pegel des Stausees in den letzten Tagen stark steigen lassen.“ Der WTV habe daher Anfang der Woche damit begonnen, unterhalb der Talsperre über ein Ventil mehr Wasser in den Unterlauf des Wahnbachs abzugeben. Am Mittwoch sei der Zulauf über Wahn- und Wendbach dann auf rund 24 Kubikmeter pro Sekunde angestiegen – und die Talsperre regelrecht vollgelaufen. Der WTV, der rund 800 000 Einwohner in Bonn, im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Ahrweiler mit Trinkwasser versorgt, reagierte, indem er die Abgabe in den Wahnbach auf 13 Kubikmeter pro Sekunde erhöhte.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">So sah es am Donnerstagmorgen an der Sieg bei <a href="https://twitter.com/hashtag/Hennef?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Hennef</a>-Weldergoven aus <a href="https://twitter.com/hashtag/Hochwasser?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Hochwasser</a> <a href="https://t.co/iIcGk5o1em">pic.twitter.com/iIcGk5o1em</a></p>&mdash; General-Anzeiger (@gabonn) <a href="https://twitter.com/gabonn/status/1238064204424384514?ref_src=twsrc%5Etfw">March 12, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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„Ziel ist es, den Hochwasserschutzraum in der Talsperre frei zu halten“, sagte Radermacher. Das werde über ein gezieltes Ablassen erreicht. Sollte das nicht genügen, gäbe es noch die Option eines gezielten Überlaufs in ein Hochwasserentlastungswehr. Wirklich übergelaufen sei der Stausee bislang noch nicht, so Radermacher. Ehe der WTV am Mittwoch die Abgabemenge erhöhte, schaltete er das Siegburger Ordnungsamt ein. „Die Mitarbeiter haben die Hausbesitzer am Rüdemichweg darüber informiert, dass der Pegel des Wahnbachs durch die zusätzliche Ablassgeschwindigkeit weiter steigen wird“, sagte Becker. Daraufhin habe der Bewohner eines Hauses in Hanglage die Sorge geäußert, dass seine Souterrainwohnung voll Wasser laufen könnte. Zu seinem Schutz errichtete die Feuerwehr mit ihrem sogenannten Beaver-System eine Schutzwand.

„Es ist das erste Mal, dass wir sie eingesetzt haben“, so Becker. Der etwa 40 Meter lange Schlauch werde zunächst mit Luft, dann mit Wasser gefüllt. Der 60 Zentimeter hohe Schutzwall bleibe bis zum Wochenende stehen. „Wie lange, hängt an der Wetterlage und der Ablaufmenge der Talsperre“, so Becker. „Wir kontrollieren mehrmals am Tag die Situation am Stausee“, sagte Dirk Radermacher. Am Donnerstag sei der Zulauf schon wieder auf etwa neun Kubikmeter pro Sekunde gesunken. Gleichwohl werde der erhöhte Ablauf noch beibehalten und erst wieder reduziert, wenn der Hochwasserschutzraum in der Talsperre frei sei. Am Donnerstag hatte die Talsperre einen Füllgrad von 96,7 Prozent.

Der Hochwassermeldedienst Rheinland-Pfalz verzeichnete ab Donnerstagmorgen wieder sinkende Pegel für Sieg, Rhein und Agger. Gegen 21 Uhr hatte die Agger am Mittwochabend mit 3,86 Metern in Lohmar ihren höchsten Pegelstand erreicht. Wenige Stunden vorher war die Feuerwehr nach Wahlscheid ausgerückt, wo unterhalb eines Hanges die Überflutung eines Wohnhauses drohte. Am Donnerstagnachmittag lag der Aggerpegel in Lohmar bei 2,75 Metern. Ähnlich war es an der Sieg, die in der Nacht zu Donnerstag mit 3,87 Meter in Eitorf und am Morgen mit 4,10 Metern in Sankt Augustin-Menden ihre Höchstwerte erreicht hatte. Am Donnerstagnachmittag waren sie auf 3,57 Meter in Eitorf und 4,03 Meter in Menden gefallen.

Unterdessen hat die Mondorfer Rheinfähre am Donnerstag ihren Betrieb wieder aufgenommen. Sie hatte diesen am Wochenende angesichts des Rheinhochwassers eingestellt. „Nach den aktuellen Prognosen gehen wir von einem sinkenden Pegel aus“, sagte Robert Funken von der Rheinfähre auf Anfrage. In Bonn sei er am Donnerstag bei 6,40 Meter gewesen, bei 6,50 Meter fahre die Fähre nicht mehr. Unweit des Anlegers hat sich in den vergangenen Tagen Treibgut in großem Ausmaß angesammelt. Darunter auch Baumstämme. „Teilweise räumen wir das selbst mit dem Gabelstapler zur Seite“, so Funken. Zuständig sei die Stadt Niederkassel. Deren Bauhofmitarbeiter sind laut Stadtsprecher Markus Thüren derzeit an verschiedenen Stellen entlang der Rheinpromenade damit beschäftigt, Treibgut zu räumen. „Was bereits an Land liegt, bleibt dort vorerst liegen“, sagte er. Andernfalls gebe es auf dem derzeit aufgeweichten Boden Flurschäden.

Die Wahnbachtalsperre ist fast bis zum Rand gefüllt. Seit Mittwoch wird mehr Wasser abgelassen. Foto: MEIKE BÖSCHEMEYER/MEIKE BOESCHEMEYER
Der Rhein schwemmt interessante Holzobjekte an, findet Heike Gries. Leider aber auch viel Müll, der sich am Anleger in Niederkassel-Mondorf sammelt. Foto: MEIKE BÖSCHEMEYER/MEIKE BOESCHEMEYER
Wie eine kleine Insel ragt ein Steiger in Königswinter-Niederdollendorf aus dem Rhein. Foto: Frank Homann

Als „sehr entspannt“ stellte Björn Haupt von der Bad Honnefer Feuerwehr die aktuelle Lage am Rhein dar: „Der für uns maßgebliche Pegel Oberwinter liegt derzeit bei 5,20 bis 5,30 Meter. Erst ab 6,10 Meter würde die Unterführung in Rhöndorf gesperrt.“ Von nur noch leicht steigendem Rheinpegel in den kommenden zwei bis drei Tagen geht Bernd Budszuhn von der Bonner Wasserschutzpolizei aus. Weil die Hochwasserphase schon ein paar Wochen anhalte und viele Stämme und Hölzer bereits angeschwemmt wurden, sieht er dadurch aktuell kein Problem und weiß nichts von Schäden. So sieht es auch Björn Haupt für Bad Honnef: „Die kleineren Anleger werden durch die Insel davor geschützt, und auf die größeren Anleger haben die Betreiber ein Auge“.

Mit einem Rheinpegel auf weiter hohem Niveau rechnet der Bonner Meteorologe Karsten Brandt. „Bisher hatten wir Glück, denn wir haben seit Monaten fast jeden Tag Niederschlag gehabt, aber weil es so verteilt war, ist das Wasser relativ gut abgeflossen.“ Das werde sich wohl auch nicht verschlimmern. Brandt prognostiziert eine neue Wetterlage. Schon am Wochenende werde es bei frühlingshaftem Wetter mit bis zu etwa 17 Grad nur noch sehr minimale Niederschlagsmengen geben. „Der Frühling wird Fortschritte machen“, sagte er, nachdem die Mandelblüte durch sei, die Forsythie in voller Blüte stehe und die frühen Kirschen anfangen hätten zu blühen.