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Siegburger Kunstwerk soll erhalten bleiben: Tanzende Mädchen erinnern an die Anfänge an der Alleestraße

Siegburger Kunstwerk soll erhalten bleiben : Tanzende Mädchen erinnern an die Anfänge an der Alleestraße

Die Tage der maroden Turnhalle am Siegburger Gymnasium Alleestraße sind gezählt. Ein Relikt aus den 1950er Jahren soll sich aber auch am Neubau wiederfinden: Das Scrafitto des Künstlers Siegfried Bonk.

Manch einem sind sie im eiligen Vorbeigehen bislang vielleicht noch gar nicht aufgefallen, für viele aber sind sie untrennbar mit der Turnhalle des Gymnasiums Siegburg Alleestraße (GSA) verbunden: Die tanzenden Mädchen, die der Künstler Siegfried Bonk in der Sgrafitto-Technik auf die Wand der 1956 eingeweihten Sportstätte gebracht hat. Sein Kunstwerk ist eines der wenigen seiner Art, die in der Kreisstadt noch erhalten sind. Das soll auch so bleiben, wenn die in die Jahre gekommene Doppelhalle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird.

Dafür hat sich im Vorfeld der jüngsten Ratssitzung die CDU-Fraktion stark gemacht. In einem Antrag hat sie die Bedeutung des Sgrafitto hervorgehoben und dafür plädiert, es zumindest als Nachbildung in Originalgröße und -technik auch auf die neue Turnhallenwand zu bringen. Kostenpunkt laut CDU: 5000 bis 7000 Euro. Die Diskussion über den Vorstoß der Christdemokraten hat das Gremium indes auf den nächsten Bau- und Sanierungsausschuss vertagt.

Sgraffito hat historische Bedeutung und nimmt Bezug auf die Funktion der Gebäude

„Wir beschäftigen uns schon länger mit der Frage, wie wir das Sgraffito als Dokument seiner Zeit erhalten können“, erklärte Siegburgs Technische Beigeordnete Barbara Guckelsberger auf Nachfrage. Diese Prüfungen wolle ihr Dezernat fortsetzen und der Politik dann im für Juni angesetzten Bau- und Sanierungsausschuss zur Beratung vorlegen.

Die Technik des Sgraffito hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert, wo sie vor allem in Italien verwendet wurde. Grundlage bilden verschiedenfarbige Putzschichten, in die die Künstler ihre Bilder „hineinkratzen“. In Deutschland finden sich Sgraffiti auf vielen Gebäuden aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie gelten als Zeichen der bewussten Abkehr von der Architektursprache der Nationalsozialisten. Oft gibt es einen Bezug zur Funktion der jeweiligen Gebäude.

Die CDU verweist auf eine Bachelor-Arbeit aus dem Jahr 2018, die ausgehend von den „Tanzenden Mädchen des Gymnasiums Siegburg Alleestraße“ die Sgraffito-Technik der 1950er Jahre in Deutschland untersucht. „Bereits an der Schule Seidenbergstraße und am Finanzamt wurden zwei künstlerische Zeugnisse der Sgraffito-Kunst zerstört“, bedauert die CDU mit Blick auf Siegburg und plädiert daher dafür, es an der Alleestraße besser zu machen.

Früher ein reines Mädchen-Gymnasium

„Das Kunstwerk hat einen hohen ideellen Wert und gehört zur Identifikation mit der Schule“, sagt Barbara Guckelsberger. Es erinnert an die frühen Jahre der Einrichtung, die 1861 als höhere Töchterschule gegründet den Weg über das reine Mädchen-Gymnasium – von den Siegburgern seinerzeit auch Backfisch-Aquarium genannt – hin zum modernen Gymnasium für Mädchen wie Jungen gegangen ist.

„Es wird eher schwierig, das Sgraffito im Original zu erhalten“, räumt die Technische Beigeordnete allerdings ein. Überlegungen, die besagte Wand der alten Halle stehen zu lassen, mussten ebenso verworfen werden, wie die Idee, das Werk als Ganzes „auszuschneiden“ und in die neue Hallenwand einzusetzen. In die Planungen rund um die „Tanzenden Mädchen“ hat die Stadt auch das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland einbezogen.

„Wir spielen momentan verschiedene Möglichkeiten durch“, so Guckelsberger. Es sei schade, dass es nicht komplett erhalten werden könne. „Wir bemühen uns aber, wenigstens Teile zu erhalten.“ Ziel sei es, das Kunstwerk auch in Zukunft in geeigneter Form zu würdigen. In welcher Art und Weise und am welchen Ort, werde die Verwaltung der Politik vorstellen.