Tierquälerei in Siegburg Kinder quälen Kaninchenbaby bei Fußballspiel zu Tode

Siegburg/Troisdorf · Vor einigen Tagen wurde im Tierheim in Troisdorf ein Wildkaninchenbaby abgegeben. Die Finderin berichtete der Mitarbeiterin vor Ort, dass sie es Kindern abgenommen habe, die damit Fußball spielten.

Ein Wildkaninchen benutzten Kinder in Siegburg als Fußball (Symbolbild).

Ein Wildkaninchen benutzten Kinder in Siegburg als Fußball (Symbolbild).

Foto: picture alliance / dpa/Fredrik von Erichsen

Das Entsetzen in den sozialen Medien ist groß. Ein Mitglied des Vereins „Kleine Wilde in Not“ berichtet dort, dass sie aus dem Tierheim Troisdorf ein Wildkaninchenbaby in Pflege bekommen habe, das bei ihr nur noch wenige Minuten gelebt habe und dann gestorben sei.

Entsetzen ruft die Geschichte hervor, die sie dazu mitbringt: Kinder hätten in Siegburg mit dem Kaninchenbaby Fußball gespielt, gab die Frau an, die es ins Tierheim brachte. Das bestätigt Helga Berben, die Vorsitzende des Vereins „Tierschutz für den Rhein-Sieg-Kreis“, Träger des Tierheims Troisdorf. Auch bei der Polizei in Siegburg liegt inzwischen eine Anzeige wegen Tierquälerei vor, so ein Polizeisprecher. Nun werde ermittelt.

Die Mitarbeiterin des Tierheims habe das Kaninchen sofort in eine Pflegestelle vermittelt, sagt Berben weiter, für einen Besuch beim Tierarzt sei keine Zeit gewesen. „Das war das einzig richtige“, betont sie. Auch sie ist entsetzt über die Tierquälerei, erinnert sich aber auch schnell an den Fall einer toten Katze, die ebenfalls der Quälerei durch Kinder zum Opfer fiel.

Zusammenhang zu späterer Gewalt gegen Menschen

Fehlende Erziehung durch die Eltern vermutet sie als Grund für die Tierquälerei ebenso wie die meisten Nutzer, die die verschiedenen Beiträge zu diesem Vorfall in den sozialen Medien kommentieren. Psychologen machen immer wieder auf den Zusammenhang zwischen Tierquälerei in der Jugend und der späteren Gewalt gegenüber Menschen aufmerksam.

Darauf verweist auch die Tierschutzorganisation Peta. „Tierquälerei ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, heißt es in einer Stellungnahme zu dem Fall in Siegburg. Darin zitiert die Organisation auch den Aggressionsforscher Christoph Paulus von der Universität des Saarlandes: „Geschätzte 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter haben vorher bereits Tiere gequält.“

Dass Kinder derart rohe und willkürliche Gewalt an Tieren ausüben, sei extrem besorgniserregend, kommentiert Mareike Homann von Peta Deutschland. „Ein lebendes Tierbaby zu Tode zu treten ist ein besonders erschütterndes Beispiel von Tierquälerei“, sagt sie. Leider handele es sich nicht um einen Einzelfall, denn immer wieder quälten Kinder in Deutschland Tiere. Deshalb sei es längst überfällig, dass tierethische Themen in Lehrplänen verankert werden. „Nur so können Kinder für ein gerechtes Miteinander sensibilisiert und ihre Empathie gegenüber Schwächeren gestärkt werden“, so Homann.

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