Sanierung Umfangreiche Arbeiten an der Gedenkstätte in Windeck

Rhein-Sieg-Kreis · Die Sanierung der Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ zieht sich hin. Die Arbeiten sind besonders wegen der Denkmalschutz-Richtlinien eine Herausforderung.

 Gedenkstätte Landjuden an der Sieg, Sanierung

Gedenkstätte Landjuden an der Sieg, Sanierung

Foto: NICOLAS OTTERSBACH

Oben, im Treppenhaus des ersten Stockwerks, kommt hinter dem weißen Fachwerkputz eine verkohlte Wand zum Vorschein. Die Balken sind schwarz, der Lehm voller Ruß, das Stroh verbrannt. Auch das Holz an der Decke ist stark beschädigt. Man muss kein Sanierungsexperte sein, um zu sehen, dass es in der Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ ein verheerendes Feuer gegeben haben muss.

„Aber was genau passiert ist, wissen wir nicht. Es gibt keine Daten dazu“, sagt Wolfgang Ottersbach vom Gebäudemanagement des Rhein-Sieg-Kreises. Er ist verantwortlich für die derzeitige Sanierung des mehr als 200 Jahre alten Hauses in Rosbach, das in desolatem Zustand ist. Doch die Arbeiten geraten wegen fehlender Förderbescheide ins Stocken. Denn die Sanierung wird viel teurer, als zunächst angenommen.

Obwohl das Gebäudemanagement von vorn herein mit Überraschungen rechnete, kam es dann doch dicker. Das Problem: Die ersten Gebäudeteile sind etwa 1800 errichtet worden, in den folgenden Jahren erweiterten die Eigentümer es immer wieder mit Anbauten. So gibt es zwei große Haushälften, in der einen die Gedenkstätte, in der anderen eine lebt eine Familie. „Als wir die Mittelwand aufgemacht haben, standen wir beim Nachbarn im Schlafzimmer“, sagt Ottersbach. Anstatt einer doppelten hatte man damals nur eine einfache Verschalung eingezogen. „Vermutlich um Geld zu sparen.“ Geld sparen und mit dem Arbeiten, was man hat – dieses Credo zieht sich durch das gesamte historische Gebäude. „Da wurde auch mit viel Einfallsreichtum gewerkelt“, sagt Ottersbach. Das sieht man, wenn man sich die Decken und Böden genauer anguckt. Nicht Zentimeter genau gesägte Bretter, sondern Äste in allen Variationen sind dicht an dicht zwischen den dicken Balken gelegt.

Gedenkstätte Landjuden
19 Bilder

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Erneuerung nach Denkmalschutzrichtlinien als Herausforderung

Mal sind Mauern aus Bruchsteinen, mal aus Ziegeln, mal aus Lehm. Und manchmal auch aus allen drei Materialien. „Gerade das Holz war marode“, sagt Kreisarchivarin Claudia Arndt, die auch für die Gedenkstätte zuständig ist. Einer neuen Mitarbeiterin war aufgefallen, dass sich die eine Decke stark abgesenkt hatte. Zu stark. „Die Auflagefläche der tragenden Balken war völlig weggefault und das Haus damit einsturzgefährdet“, erklärt sie. In dem Raum, in dem einst die Küche war und zuletzt jüdische Kultgegenstände gezeigt wurden, sind deshalb alle Deckenbalken ausgetauscht worden. Woanders wölbte sich die Wand nach außen. Stützen fehlten, weshalb der Boden absackte. „Die Herausforderung ist, alles nach den Denkmalschutz-Richtlinien zu erneuern“, so Arndt.

In Rosbach fand sie sogar ein Fachunternehmen, dass sich genau darauf spezialisiert hatte. Die Handwerker arbeiten so wie damals: Das Fachwerk wird mit Lehm und Stroh aufgefüllt, massive Eichenbalken selbst zugesägt. „Wenn noch etwas teilweise weiterverwendet kann, wird es aufgearbeitet und wieder eingesetzt.“ Das sieht man in den Decken, wo altes neben neuem Holz liegt. An einigen Stellen wurden stützende Balken mit Schrauben verstärkt, damit sie wieder stabil genug sind.

100 000 Euro waren zu Beginn der Sanierung für alle Arbeiten veranschlagt, weitere 74 000 gab es an Rückstellungen. „Damit kommen wir aber nicht hin, wir brauchen zusätzliche Mittel“, sagt Arndt. Deshalb gibt es jetzt einen Baustopp. Sie will erst weitermachen, wenn die neuen Förderbescheide für mehrere Hunderttausend Euro rechtsgültig sind. „Sonst fangen wir nachher etwas an, was wir nicht zu Ende bringen können.“ Wann das Haus wieder eröffnet wird, ist noch nicht klar.

Fest steht jedenfalls: Für den Besucher wird die Gedenkstätte dann kaum wiederzuerkennen sein. Denn auch das Ausstellungskonzept wird für etwa 240 000 Euro komplett erneuert. Das alte blieb mehr als 20 Jahre unverändert, entsprach nicht mehr den „modernen Ansprüchen eines Museums“, so Arndt. Konkret bedeutet das, dass die Besucher stärker in die Ausstellung einbezogen werden sollen und nicht mehr nur Info-Tafeln ablesen müssen.

Weitere Fotos unter www.ga-bonn-de/landjuden

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