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Urteil vor dem Amtsgericht Siegburg​ gegen Betrugsbande

Urteil vor dem Amtsgericht Siegburg : Europaweit agierende Betrugsbande schädigte Senioren

Das Siegburger Amtsgericht hat Mittäter in einem bandenmäßigen Betrug zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten betrügerisch erworbene Goldbarren einer Sankt Augustiner Seniorin transportiert.

Sie haben im Oktober 2019 Goldbarren an einer Kölner Kreuzung abgeholt und in einem Parkhaus deponiert. So viel haben zwei 23 Jahre alte Männer am Dienstag vor dem Siegburger Amtsgericht zugegeben. Dass eine aus der Türkei agierende Betrügerbande diese zuvor bei einer Seniorin aus Sankt Augustin erbeutet hatte, wollen die beiden indes nicht gewusst haben. Richterin Alice Weimann verurteilte die Männer dennoch für bandenmäßigen Betrug zu einem Jahr und einen Monat sowie einem Jahr und drei Monate auf Bewährung bei einer zweijährigen Bewährungszeit. Zudem sollen die in Berlin lebenden Männer den entstandenen Schaden in Höhe von 353.000 Euro zurückzahlen. Damit schloss die Siegburger Richterin sich einem zuvor in Berlin ergangenen Urteil des Amtsgerichts Tiergarten an.

Die Mitglieder des europaweit agierenden Bandennetzwerks hatten aus Datenbanken die Kontaktdaten älterer Menschen herausgesucht. Als Polizeibeamte riefen sie dann mit falschen Telefonnummern bei den Senioren und teilten diesen mit, dass in der Nähe eine Einbrecherbande festgenommen worden sei. Dabei seien Adressdaten gefunden worden, die nahelegten, dass von einem Einbruch bei den Angerufenen auszugehen sei. Einen solchen Anruf erhielt im Oktober 2019 eine Sankt Augustinerin.

Uhren und Goldbarren im Wert von 423.000 Euro

Laut Anklage gab ein Mann sich als Polizeibeamter mit dem Namen Michael Kur aus und veranlasste die Frau, Uhren im Gesamtwert von 423.000 Euro zu kaufen. Nur die teuerste Uhr im Wert von 205.000 Euro sollte sie behalten. Die anderen solle sie nach angeblicher Absprache mit der Staatsanwaltschaft in Gold investieren. Wie vom falschen Polizisten gefordert, legte die Frau besagte Uhren in ihrer privaten Einfahrt ab, wo diese abgeholt wurden. Danach wurde die Frau aufgefordert, Goldbarren zu erwerben und an einer Kreuzung in Köln abzulegen. Dort holten die zwei Angeklagten die Beute ab und deponierten sie zur weiteren Abholung in einem Kölner Parkhaus.

Zuvor jedoch hatten sie die Tasche geöffnet und den Inhalt gesehen. Spätestens da, so die Richterin, hätten sie merken müssen, dass da etwas nicht stimmt. Stattdessen machten sie Fotos von sich mit auf dem Bett im Hotelzimmer ausgebreiteten Goldbarren. Für ihre Abholfahrt erhielten sie zusammen 500 Euro, für ihre Berliner Fahrten jeweils 200 Euro.

Seniorin in Berlin schöpft Verdacht

Zuletzt sollte die Seniorin noch Gold im Wert von 850.000 Euro kaufen, was sie auch beauftragte. Zu einer Zahlung kam es jedoch laut Staatsanwältin nicht mehr, da die Angeklagten bei einer darauf folgenden Abholfahrt in Berlin festgenommen worden waren. Dort hatte eine Seniorin Verdacht geschöpft, nachdem ihr vorgegaukelt worden war, dass korrupte Bankmitarbeiter in der Bank deponierte Wertgegenstände entwenden wollten.

Die 23-Jährigen kamen für einen Monat in Untersuchungshaft, was bei ihnen laut eigener Aussage ein Umdenken bewirkt habe. Sie zeigten Reue und beteuerten, so etwas nie mehr tun zu wollen. Da einer in einem festen Arbeitsverhältnis steht und der andere sich gerade um eine Ausbildungsstelle bewirbt, fiel das Urteil milder aus, als die von der Staatsanwältin geforderten Bewährungsstrafen von einem Jahr und zehn Monaten sowie zwei Jahren. Wegen mangelnder Reife wurde das Jugendstrafrecht angewandt.