Unregelmäßigkeiten in Siegburger Autoteilebetrieb Verurteilter Autodieb steht wegen Steuerhinterziehung erneut vor Gericht

Bonn/Siegburg · Wegen schweren Bandendiebstahls sitzt ein Siegburger derzeit seine sechsjährige Haftstrafe ab. Jetzt muss er sich vor dem Bonner Landgericht auch noch wegen Unregelmäßigkeiten bei seinem früheren Autoteilehandel verantworten.

 Ein Siegburger muss sich wegen Steuerhinterziehung vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Ein Siegburger muss sich wegen Steuerhinterziehung vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Foto: dpa/Oliver Berg

„Wir haben hier vier sehr geständige Angeklagte gehabt, unter ihnen aber auch einen sehr, sehr, sehr Geständigen“, hatte Richter Marc Eumann im Oktober 2021 die Kooperationsbereitschaft eines damals 32-Jährigen gelobt. Dennoch verurteilte er ihn wegen schweren Bandendiebstahls in insgesamt 67 Fällen zu sechs Jahren Gefängnis. Es ging seinerzeit um gestohlene Autos, die in ihre Einzelteile zerlegt und so verkauft wurden. Seit Mittwoch steht der mittlerweile 34-jährige Siegburger, der seine Reststrafe derzeit im offenen Vollzug der JVA Euskirchen absitzt, erneut vor Gericht. Er muss sich wegen vier Fällen von Steuerhinterziehung verantworten. Und auch diesmal räumt der Angeklagte die Vorwürfe komplett ein, wie sein Anwalt Martin Kretschmer dem Gericht in einer vorformulierten Erklärung vortrug.

Ab 2008 hatte der junge Mann zunächst zusammen mit seinem Vater einen Autoteilehandel betrieben. Er wollte von der Preisdifferenz zwischen Großbritannien und Deutschland profitieren, indem er die Teile auf der Insel billig ein- und hierzulande mit guter Marge wieder verkaufte. 2012 bereitete dann aber ein Feuer der Geschäftstätigkeit ein jähes Ende. Die Versicherung habe den Schaden nicht komplett übernommen und so hätten Neugründungen nie den gewünschten geschäftlichen Erfolg gebracht, erzählte der Angeklagte. Im Jahr 2016 habe er Insolvenz angemeldet, danach habe seine Frau offiziell die Geschäfte geführt.

Steuerverkürzung in Höhe von knapp 118.000 Euro

Nach seiner Verhaftung wegen der Beteiligung an der Autodiebebande trennte sich seine Frau von ihm, die Ehe ist mittlerweile geschieden. Seine Steuerschulden resultieren aus dem Jahr 2017. Er soll für das Geschäftsjahr weder eine Einkommens- noch eine Umsatz- oder Gewerbesteuererklärung abgegeben haben. So soll es zu einer Steuerverkürzung in Höhe von knapp 118.000 Euro gekommen sein.

Die juristischen Folgen, die sich aus dem aktuellen Verfahren für den Angeklagten ergeben, dürften sich allerdings in Grenzen halten: Da aus den Strafen des laufenden Prozesses und dem Diebstahlsverfahren eine Gesamtstrafe gebildet werden muss, dürften zu den sechs Jahren maximal ein paar Monate hinzukommen. Entsprechend versuchte Anwalt Kretschmer auch eine Verfahrenseinstellung zu erreichen, um den Prozess abzukürzen. Ein Weg, den der Vertreter der Staatsanwaltschaft allerdings mit Blick auf mögliche Einziehungserträge nicht mitgehen mochte. Dass bei dem Angeklagten aber finanziell tatsächlich noch etwas zu holen sein könnte, bezweifelte letztlich auch der Anklagevertreter. Außer für die Millionenforderungen aus seinen dunklen Geschäften muss der Mann nämlich auch noch für den Unterhalt seiner beiden Kinder aufkommen. Mit einer Entscheidung wird noch in diesem Monat gerechnet.

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