1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Kreis prüft Abschied von "Little Bird": Verwaltung überdenkt Kitaplatz-Vergabe im Rhein-Sieg-Kreis

Kreis prüft Abschied von "Little Bird" : Verwaltung überdenkt Kitaplatz-Vergabe im Rhein-Sieg-Kreis

Die Kreisverwaltung beklagt andauernde Probleme mit dem Onlineportal für die Kita-Anmeldung. Eigentlich erhoffte sich der Kreis einen schnelleren und genauen Überblick. Doch dieses Versprechen erfüllt „Little Bird“ laut Kreisjugendamt bislang nicht.

Eine schnellere Zuteilung von Kita-Plätzen für suchende Eltern und eine bessere Planung für die Mitarbeiter der Verwaltung: Das versprach sich das Kreisjugendamt vom 2016 eingeführten elektronischen Anmeldesystem „Little Bird“. Jetzt, ein Jahr später, will der Kreis das System wieder abschaffen und nach Alternativen suchen, sollten die Probleme nicht behoben werden. Den Weg für diesen Schritt machte der Jugendhilfeausschuss am Dienstag frei.

Mithilfe von „Little Bird“ können Eltern ihre Kinder für Kita-Plätze in den vom Kreisjugendamt betreuten Kommunen Neunkirchen-Seelscheid, Much, Ruppichteroth, Eitorf, Windeck, Alfter, Swisttal und Wachtberg anmelden. Rund 36 000 Euro hat der Kreis für die Einführung des Onlineportals ausgegeben. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten in Höhe von rund 31 000 Euro.

Wie berichtet, bereitet vor allem die statistische Auswertung der Anfragen über „Little Bird“ Probleme. Eigentlich erhoffte sich der Kreis durch die Einführung des elektronischen Vergabesystems, einen schnelleren und genauen Überblick zu bekommen, wie viele Kinder tatsächlich einen Kita-Platz suchen. Doch dieses Versprechen erfülle „Little Bird“ laut Kreisjugendamt bislang nicht.

„Eine Reihe von Trägern und Einrichtungen haben erklärt, dass 'Little Bird' nur zusätzliche Arbeit verursacht, aber keinerlei Nutzen bringt“, teilte die Verwaltung mit.

Daher habe der Kreis den Anbieter in den vergangenen Monaten wiederholt aufgefordert, Nachbesserung im System vorzunehmen. Bislang ohne Erfolg. „Es ist nicht unser vorrangiges Ziel zu kündigen“, sagte Jugenddezernent Thomas Wagner. Denn in diesem Fall müsse die Verwaltung erneut Arbeit bei der Suche und Auswahl eines passenden Systems investieren. Allerdings könne die Kündigung den Druck auf die Firma erhöhen, sodass die Probleme schneller gelöst würden. Um rechtzeitig aus dem bis Dezember 2018 laufenden Vertrag aussteigen zu können, müsste der Kreis bis Ende des Jahres kündigen.

Firma überrascht von Plänen des Kreises

„Wir haben keinen direkten Einfluss auf die Firma, da wir nicht direkter Vertragsnehmer sind“, erklärte Wagner. Forderungen könnten nur über die Vertragskette, also über den kommunalen IT-Dienstleister Civitec und dessen Dachverband KDN, an den Systemanbieter gestellt werden. Der Systemanbieter, die Firma „Little Bird“, zeigte sich auf Anfrage des General-Anzeigers überrascht, dass der Kreis eine Kündigung erwägt. „Es ist tatsächlich so, dass es im Rhein-Sieg-Kreis zwischen Hersteller und Auftraggebern eng abgestimmte Nachbesserungen geben wird. Diese sind aber bereits teilweise umgesetzt oder zeitnah eingeplant, sodass es aus unserer Sicht keine gravierenden Probleme gibt, die einen Ausstieg rechtfertigen würden“, teilte die Sprecherin des Unternehmens, Sonja Bechtold, mit.

„Auch andere Jugendämter im Kreis bemängeln, dass ein Kind, das im System für mehrere Kita-Plätze angemeldet wird, nicht bloß als ein Kind gezählt wird“, berichtete Reiner Delling vom Kreisjugendamt. Zudem zeige „Little Bird“ nicht an, welche Plätze noch offen seien, so Katja Eschmann, Sprecherin des Rhein-Sieg-Kreises. In den acht Kommunen, für die das Kreisjugendamt zuständig ist, stehen derzeit 4850 Plätze für Kinder zwischen null und sechs Jahren zur Verfügung. Die Probleme werden in den verschiedenen Jugendämtern laut Delling allerdings unterschiedlich bewertet, je nachdem wie viel Personal dort zur Verfügung steht.

Gespräch am Montag geplant

Die Stadt Troisdorf etwa ist zufrieden mit dem System. Angemeldeter Bedarf und vorhandene Platzangebote ließen sich nach Angaben des dortigen Jugendamtes schneller als zuvor gegenüberstellen. Im Einzelfall gebe es allerdings noch Verbesserungsbedarf, so Sprecherin Bettina Plugge. Die Stadt Sankt Augustin setzt „Little Bird“ überhaupt nur im Anmeldeverfahren ein und nicht in der Bedarfsplanung. „Wir können mit dem System schneller Platzzusagen erteilen, Doppelvergaben lassen sich besser vermeiden“, sagte Sprecherin Eva Stocksiefen.

Ein Schritt zur Klärung der Probleme könnte bereits kommenden Montag erfolgen. Dann treffen sich Vertreter der Jugendämter im Kreis, die „Little Bird“ nutzen, sowie Civitec zum gemeinsamen Gespräch.