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Schulhund soll Schüler helfen: Waldi erobert die Herzen in Siegburg

Schulhund soll Schüler helfen : Waldi erobert die Herzen in Siegburg

Der Rauhhaardackel hat an der Adolf-Kolping-Grundschule seinen Dienst als Schulhund angetreten. Er soll den Stresspegel der Schüler senken.

Er hat große braune Augen, ein niedliches Gesicht und „Wackelohren“, wie Maurice es nennt. Der Zehnjährige meint damit Waldi. Seit den Herbstferien ist der einjährige Rauhhaardackel offizieller Schulhund in der Adolf-Kolping-Grundschule in Siegburg. Dafür musste er zuerst eine Prüfung ablegen, die ihm bescheinigt, dass er wesensfest ist und Kinder liebt. Für Letzteres tritt Waldi selbst den Beweis an. Kaum ist Pause und die Kinder laufen durch den Flur, kratzt und scharrt er an der Bürotür seines Frauchens, weil er auch raus will. Und auch von der Flurseite klopft und ruft es an der Tür der Rektorin Susanne Baum, denn die Grundschüler wollen zu Waldi.

„Waldi ist hier sehr willkommen. Es gibt nur wenige, die ihn nicht streicheln dürfen, weil sie eine Hundehaar-Allergie haben oder die Eltern das nicht wollen“, erklärt die Rektorin, die nach den Sommerferien und ihrem Umzug nach Königswinter von einer Buchholzer Grundschule nach Siegburg gewechselt ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte Waldi noch keine Prüfung als Schul- und Therapiehund und so durfte er zunächst nur mit ins Büro. Baum hatte sich und ihren beiden acht und zehn Jahre alten Söhnen mit Waldi den Wunsch nach einem Familienhund erfüllt. „Es sollte ein kleiner Hund sein, damit meine Söhne auch mit ihm spazieren gehen können“, erzählt die Hundeliebhaberin. Die Züchterin konnte schon bei den Welpen beurteilen, ob sie für Kinder geeignet sind, und so zog der neunwöchige Dackel im vorigen Jahr bei der Familie ein.

Einmal in der Woche in die Hundeschule

„Ich wollte ihn von Anfang an ausbilden lassen“, so Baum, die dafür ein Jahr lang wöchentlich eine Hundeschule besuchte, wo Waldi Grundgehorsam lernte und getestet wurde, ob er besser zu Senioren oder zu Kindern passt. Zu dieser Zeit ging er aber schon regelmäßig mit Frauchen ins Büro in der rheinland-pfälzischen Grundschule. Bei den mittäglichen Spaziergängen entwickelte sich eine große Liebe zwischen den Schülern und dem Dackel. In Siegburg begann die 44-Jährige nach Waldis Prüfung zunächst damit, kleine Schülergruppen zum Spielen in ihr Büro zu lassen – und das mit Erfolg, zum Beispiel bei einem Kind mit einer Kommunikationsstörung. „Es lacht immer, wenn es Waldi sieht, und kommuniziert jetzt durch Zeichen mit ihm“, berichtet die Lehrerin.

Auch ein Kind mit einer Lernbehinderung sei durch den Kontakt mit dem Hund aufgetaut. „Es hat gesagt, dass jeder Morgen schön sei, an dem es Waldi begrüßen darf“, sagt Baum. Sonderschullehrerin Sabine Werner berichtet ebenfalls von Lernerfolgen in ihrer Klasse, seit der Schulhund mit in den Unterricht darf. „Wir bauen das langsam aus“, sagt die Rektorin und erklärt, dass die Kinder zwar anfangs abgelenkt seien, später aber deutlich ruhiger und motivierter lernten.

Weitere Lehrer sind interessiert

Das hat sich bereits herum gesprochen. Eine Kollegin aus Trois­dorf habe sich schon erkundigt, wie es mit der Schulhund-Ausbildung aussehe, sagt die Rektorin. Sie selbst ist fest davon überzeugt, dass tiergestützter Unterricht gut für Körper, Geist, Seele und Lernerfolg ist.