Ausstellung beim Jungen Forum Kunst Was "Angekommen" wirklich bedeutet

SIEGBURG · Ein Stimmen-Wirrwarr herrschte am Mittwochabend in der Ausstellungshalle des Jungen Forums Kunst, in dessen Räumen die Siegburger Kulturreihe "Begegnungen mit Deutschland" eröffnet wurde. Allerdings sorgten nicht die zahlreichen Besucher für die Geräuschkulisse, sondern eine Videoinstallation unter dem Titel "Angekommen?"

 Frank Baake (von links), Jan Gerull, Jan Hendrik Tervooren, Aysen Wiegand mit ihrer Tochter, Ruslan Aliyev, Anastasia Tsapanidou und Frans Tierie vor einer der Videoinstallationen.

Frank Baake (von links), Jan Gerull, Jan Hendrik Tervooren, Aysen Wiegand mit ihrer Tochter, Ruslan Aliyev, Anastasia Tsapanidou und Frans Tierie vor einer der Videoinstallationen.

Foto: Kieras

Auf jedem der aufgestellten Bildschirmen lief ein anderer Film, die verschiedenen Töne machten ein Verstehen des jeweils Gesagten erst möglich, wenn man sich vor einen der Monitore stellte. So war das vom Urheber der Aktion, Frank Baake, hauptamtlicher Fachbereichsleiter für Theater- und Kulturprojekte der Stadtbetriebe Siegburg AöR, auch gewollt.

Zusammen mit Jan Gerull vom Pressedienst der Stadtverwaltung sowie Kameramann Jan Hendrik Tervooren hat er acht Siegburger Bürger mit Migrationshintergrund befragt und die Interviews im Bild festgehalten. "Die Besucher sollen sich auf jeweils einen der Protagonisten der Filme konzentrieren, um seine Geschichte zu hören und sich damit auseinandersetzen", erklärte Baake.

Die Siegburger Anastasia Tsapanidou, das Paar Alina Angisch und Rafael Dabrowski, Karzan Hasan, Michael Sorg, Frans Tierie, Ali Bulut, Ruslan Aliyev und Aysen Wiegand hatten sich dazu bereit erklärt, vor laufender Kamera aus ihrem Leben zu erzählen. Gerade in einer Zeit, wo Tausende Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, die als "Zugewanderte", "Ausländer" oder "Migranten" bezeichnet werden, wollte Baake mit seiner Aktion einmal "die Perspektive wechseln".

Er wollte von den Befragten, die gerade erst gekommen sind oder schon in zweiter und dritter Generation hier leben, wissen, wie sie auf Deutschland schauen, wie das Land ihnen begegnet (ist). Gleichzeitig soll sich der Rezipient nach Baakes Absicht fragen, ob er in einer Zeit, in der sich vieles verändert, "selbst in dieser Gesellschaft angekommen" ist und was "angekommen" für jeden einzelnen überhaupt bedeutet.

Die Faszination der einzelnen Beiträge liegt darin, dass die Interviewpartner zunächst ihre Geschichte erzählen, wie man sie schon oft gehört zu haben glaubt. "Aber es sind teilweise nur Nuancen, die diese Berichte so individuell und daher so einzigartig machen", wie Baake bemerkte und wovon sich die Besucher des Abends überzeugen konnten.

So erfährt der Zuhörer etwa, dass Aysen Wiegand (37), die in Deutschland geboren wurde und in Lünen (Ruhrgebiet) als Kind eines türkischen Bergarbeiters aufgewachsen ist, als erstes türkisches Kind an ihrem damaligen Heimatort einen katholischen Kindergarten besuchen durfte. Der Vater hatte sie kurzerhand taufen lassen. Die Herkunft hat aber niemand vergessen.

Anastasia Tsapanidou wurde in Siegburg geboren und fühlt sich wohl in der Stadt. "Meine Heimat ist hier, meine Wurzeln liegen in Griechenland", so die junge Frau, die betont, dass ihre Familie die griechische Tradition selbstverständlich pflegt. Und Aysen Wiegand, Lehrerin am Gymnasium Alleestraße, feiert sowohl das türkische Zuckerfest als auch Weihnachten.

Beide sind längst "angekommen". Ebenso der Musiker Ruslan Aliyev, der 2002 für ein Musikstudium aus Aserbaidschan nach Deutschland kam und blieb. Heute leitet er unter anderem drei Chöre, die zur Verwunderung seiner Freunde in der "alten" Heimat überwiegend aus hier geborenen "Deutschen" bestehen.

"Angekommen?", Junges Forum Kunst, Luisenstraße 80, Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag ab 19 Uhr, Sonntag ab 11 Uhr, Finissage: Sonntag, 4.10. , ab 11 Uhr

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