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Wasserbusse für den Rhein: SPD schlägt ein Ein-Euro-Ticketsystem vor

Rhein als Mobilitätschance : SPD hat neue Idee zu Wasserbussen für den Rhein-Sieg-Kreis

Die Rhein-Sieg-SPD setzt sich für ein Wasserbussystem ein, das den Kreis mit Bonn und Köln verbinden könnte. SPD-Landratskandidat Denis Waldästl schwebt ein System vor, in dem ein Ticket einen Euro kostet.

Die Idee ist nicht neu und wird immer wieder von verschiedenen Seiten gefordert. Getan hat sich in Sachen Wasserbus auf dem Rhein bisher nichts. Jetzt bringt es die Rhein-Sieg-SPD wieder auf die Tagesordnung. „Der Rhein muss als Mobilitätschance und verbindendes Element der ganzen Region begriffen werden“, erklärt SPD-Landratskandidat Denis Waldästl. Deshalb setzt er sich für ein Wasserbussystem auf dem Rhein ein, das den Rhein-Sieg Kreis mit Bonn und perspektivisch Köln noch besser verbindet.

Auch Landrat Sebastian Schuster (CDU) steht „grundsätzlich allen innovativen Ideen aufgeschlossen gegenüber, die helfen, die Verkehrssituation nicht nur im Rhein-Sieg-Kreis, sondern in der gesamten Region zu verbessern“, sagt er. „In diesem besonderen Fall sehe ich zunächst die beiden Städte Köln und Bonn gefragt. Sowohl in den Gremien der Stadt Köln und in Bonn wurde das Thema Wasserbusliniensystem beziehungsweise Wasserbus für Bonn bereits thematisiert. In ein mögliches Gesamtsystem könnten sich dann die anderen Kreise beziehungsweise Städte und Gemeinden einbringen.“ Aus diesem Grund begleite das Regionalmanagement des Vereins Region Köln/Bonn die bereits beauftragte Machbarkeitsstudie der Stadt Köln.

„Ein Wasserbussystem kann nicht nur den ÖPNV sinnvoll ergänzen, sondern auch Teil einer modernen und ökologischen Verkehrswende sein, die Pendler aus dem Dauerstau erlöst“ erklärt Waldästl das Konzept. „Es gibt bereits erfolgreiche Vorbilder wie das Wasserbussystem in Rotterdam.“ 2013 legte der Bund Deutscher Architekten (BDA) Bonn-Rhein-Sieg ein ziemlich konkretes Konzept vor, ausgearbeitet vor allem von dem für wasserorientierte Stadtentwicklung spezialisierten Professor an der Hochschule Anhalt, Heiner Haass. Der gebürtige Bonner ist nicht der einzige, der auf ungenutzte Potenziale des Rheins hinweist und sich wundert, warum der Rhein kaum eine Rolle als Wasserstraße spielt. Tatsächlich wird er bis auf einige touristische Schiffe und wenige Fähren kaum als Möglichkeit des Personentransports genutzt – so wie es in Hamburg beispielsweise längst üblich ist.

Waldästl sagt, die Haltestellen sollten im Idealfall mit heutigen Schiffsanlegepunkten verbunden werden, um die Investitionskosten niedrig zu halten. Mit Haltestellen von Bad Honnef über Königswinter, Bonn nach Bornheim und Niederkassel sowie perspektivisch bis nach Köln verbindet das Wasserbussystem eine ganze Region. „Ein solches Wasserbusnetz muss von Beginn an in das Tarifsystem des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) integriert werden, um es für die Nutzer einfach und attraktiv zu machen“, führt Waldästl aus.

Tickets für einen Euro pro Tag

„Ein Euro am Tag im gesamten VRS, dass ist mein Ziel eines modernen Ticketsystems für unsere Region“, so Waldästl. Wichtig sei zudem, dass die Fahrzeit der Schiffe angemessen seien und der richtige Schiffstyp ausgewählt werde, der möglichst mit nachhaltigen Energien betrieben werde. Der BDA brachte ihre Idee vor drei Jahren erneut auf den Plan. Doch da wurde schon klar, dass es offenbar zu viele Fallstricke gibt.

Der grüne Bonner Kommunalpolitiker und Verkehrsexperte Rolf Beu etwa sagte, ein Wasserbus würde ein Fünffaches der Betriebskosten verschlingen wie ein herkömmlicher Linienbus auf Rädern. Auch Landrat Schuster meint, dass noch wichtige Punkte geklärt werden müssten. So wie Beu weist er daraufhin, dass das Busliniensystem entsprechend geändert werden müsste, weil kaum Busse bis zum Rhein führten. Schuster: „Man muss klären, wie Fahrgäste die Anlegestationen erreichen können und wie eine tarifliche Einbindung in den ÖPNV erfolgen kann. Und selbstverständlich stellt sich auch hier die Frage, ob und wie ein solches Wasserbusliniensystem finanziert werden kann.“

Andererseits gibt es laut einer Studie des Geografischen Instituts der Universität Bonn ein hohes Interesse in der Bevölkerung und bei den Arbeitgebern an solch einem alternativen Verkehrsangebot.