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Siegburger Wierig-Gruppe: Wenn Dächer größer sind als Fußballfelder

Siegburger Wierig-Gruppe : Wenn Dächer größer sind als Fußballfelder

Eine Million Quadratmeter Lagerfläche. In einer Halle, so groß wie 16 Fußballfelder. Sie steht in Germersheim am Rhein, gehört dem Stuttgarter Autokonzern Daimler und ist das größte Lager für Autoersatzteile weltweit. Doch das Dach war marode, es musste saniert werden.

Eine Aufgabe wie geschaffen für die Siegburger Wierig-Gruppe. Die Dachdecker von der Sieg haben sich auf Industriekunden spezialisiert und übernahmen den Job. Vor zwei Wochen wurde das Riesendach fertig. Mehr als hundert Jahre alt ist das Familienunternehmen, das die Brüder Christoph (38) und Thomas (41) Wierig in vierter Generation führen. Urgroßvater Wierig gründete die Firma 1893, ein Jahr, nachdem er das Dach des deutschen Ausstellungspavillons auf der Weltausstellung in Chicago gedeckt hatte. "Das war damals eine Arbeit in Schiefer; heute gehört das nicht mehr zu unserem Angebot", erzählt Thomas Wierig.

Doch große Projekte blieben im Programm, Vater Wolfgang Wierig spezialisierte das Unternehmen darauf. Heute entfallen rund 80 Prozent des Geschäfts der Siegburger auf Industriekunden. An drei Standorten - neben Siegburg noch Mannheim und Regensburg - beschäftigt das Unternehmen rund 150 Mitarbeiter. Die drei Sparten Dachsanierungen, Solaranlagen sowie Flüssigkunststoff vor allem für Parkdeckbeschichtungen fahren jährlich knapp 40 Millionen Euro Umsatz ein.

Auslandsprojekte wie das des Urgroßvaters in Chicago sind aber kaum darunter. Unterschiedliche nationale Vorschriften erschwerten das Geschäft jenseits der Grenzen. "Von der EU-Harmonisierung spüren wir wenig bis nichts", sagt Thomas Wierig. Im Inland sind die Siegburger etabliert, doch der Fachkräftemangel macht ihnen zu schaffen. "Wir haben fünf Auszubildende und versuchen, auf zehn zu verdoppeln", berichtet Thomas Wierig. Doch das sei schwierig: "Zuverlässigkeit und Krankenrate sind erschreckend."

Das Dachdeckergeschäft habe sich stark gewandelt. "Ging es früher allein darum, Witterungseinflüsse vom Gebäude abzuhalten, dann geht es heute auch darum, solche nutzbar zu machen, wie etwa die Sonnenenergie", sagt Christoph Wierig. Vor sechs Jahren bauten die Siegburger die erste große Solaranlage am Flughafen Köln/Bonn auf das dortige Fedex-Gebäude. Kurz darauf folgte eine Installation bei UPS. Längst gehören Solaranlagen für Industriekunden zum festen Angebot.

Arnold Berens, Vorstand der zur Unternehmensgruppe gehörenden Wierig Solar AG, meint, dass sich auf fast jedem größeren Dach heute eine Solaranlage lohne. "Über 25 Jahre gerechnet lassen sich im Schnitt Gesamtkapitalrenditen von rund zwölf Prozent erzielen", rechnet er vor. Voraussetzung sei, dass der erzeugte Strom fast ausschließlich selbst genutzt werde. "Wir brauchen die Einspeisevergütung eigentlich nicht mehr."

Die Siegburger installieren laut Berens überwiegend Solarmodule der Bonner Solarworld. "Mittelständische Kunden schätzen, dass die Produkte aus Deutschland kommen." Qualitativ seien die Module aus China zwar nicht schlechter, aber die Lieferzeiten seien weniger gut kalkulierbar. Berens: "Geht der Ölpreis hoch, dann lassen die Reeder die Schiffe schon mal langsamer fahren." Die Wechselrichter beziehen die Siegburger aus Neckarsulm, die Unterkonstruktion aus NRW. "Unsere Anlagen sind komplett Made in Germany."

Im Angebot der Siegburger sind seit Kurzem auch energetische Komplettlösungen für Strom, Heizung und Kühlung. Dabei werden Fotovoltaikanlagen mit Solar-Luft-Kollektoren und Eisspeichern kombiniert. Die Eisspeicher erzeugen nach dem Prinzip der Wasser-Wasser-Wärmepumpe im Winter Wärme, wobei sich der unterirdische Wasserspeicher bis zur Eisbildung abkühlt. Im Sommer wiederum wird der Eisspeicher, der zwischen drei und 500 Kubikmeter fassen kann, zur Kühlung genutzt. Für eine Kindertagesstätte in Köln-Porz haben die Siegburger dieses Konzept erstmals realisiert.