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Coronavirus im Rhein-Sieg-Kreis: Zehn Pflegeheime sind bei der Impfung zuerst dran

Coronavirus im Rhein-Sieg-Kreis : Zehn Pflegeheime sind bei der Impfung zuerst dran

Der Rhein-Sieg-Kreis wartet auf die ersten Impfdosen, nach Weihnachten sollen die mobilen Teams starten. Beim Corona-Ausbruch in einer Hennefer Baptisten-Gemeinde gibt es inzwischen 84 Fälle.

Zehn Altenheime aus dem Rhein-Sieg-Kreis stehen bei den bevorstehenden Impfungen gegen das Coronavirus ganz oben auf der Liste. Laut Landrat Sebastian Schuster könnten die mobilen Impfteams bereits am 27. Dezember mit der Arbeit beginnen – sofern dann der erste Impfstoff vorhanden ist. Der Kreis ist zurzeit dabei, die Kandidaten für die Impfungen zu priorisieren.

Die Wahl fiel auf die bisher nicht namentlich genannten zehn Pflegeheime, weil dort besonders viele Menschen leben, die älter als 80 Jahre sind. Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern werden auch die Pflegekräfte geimpft.„Beim Impfstoff gibt es weiterhin viele Unwägbarkeiten“, berichtete Schuster am Freitag bei der Telefon-Pressekonferenz des Kreises.

Das NRW-Gesundheitsministerium habe noch keine genauen Informationen weitergegeben. Bundesweit werden über Weihnachten voraussichtlich 400 000 Impfdosen ausgeliefert, das Land Nordrhein-Westfalen bekommt davon 80 000. Der Impfstoff wird dann anhand der Einwohnerzahl auf die Städte und Kreise verteilt.

Der Rhein-Sieg-Kreis will die eine Hälfte seines Kontingents direkt verimpfen, die zweite Hälfte aber für die notwendige Wiederholungsimpfung nach drei bis vier Wochen zurückhalten. „Es kann uns niemand garantieren, dass wir neuen Impfstoff für die Wiederholungen bekommen. Und wenn nicht, dann wäre auch die erste Impfung wirkungslos“, erklärte der Landrat. Deshalb halbiert der Kreis von vornherein die Zahl der zu Impfenden.

Schuster berichtete auch, dass inzwischen der überwiegende Teil der Städte und Landkreise in NRW ein zweites Impfzentrum fordere. Der Landkreistag werde am Montag ein weiteres Schreiben an die Landesregierung schicken. Wie berichtet, gibt es auch im linksrheinischen Kreisgebiet den Wunsch, von dort aus nicht alle Bürgerinnen und Bürger nach Sankt Augustin schicken zu müssen. Dort hat der Kreis in der Asklepios-Kinderklinik vier Impfstraßen eingerichtet.

An der Einfahrt zum Krankenhaus bauten Arbeiter außerdem diese Woche noch eine Leichtbauhalle auf, die für die Registrierung genutzt werden soll. Einer interkommunalen Zusammenarbeit bei den Impfzentren hat die Landesregierung laut Schuster eine klare Absage erteilt. Wie berichtet, hatte der Landrat eine Kooperation mit der Stadt Bonn ins Spiel gebracht.

Wann der Betrieb des Impfzentrums in Sankt Augustin startet, ist weiter offen. „Es rechnet niemand damit, dass wir vor Ende Januar in den Impfbetrieb kommen“, so der Landrat. Gleichwohl werde an den Tagen nach Weihnachten ein Probebetrieb stattfinden, um Wege, Abläufe, Zeiten und Räume zu testen.

Sorgen bereitet Schuster weiterhin der Corona-Ausbruch in der Evangeliums-Christen-Baptisten-Gemeinde Hennef. Inzwischen wurden 84 Personen positiv auf das Coronavirus getestet, die dort in den vergangenen vier Wochen Gottesdienste und Hochzeiten besucht haben. Eine Person ist laut Schuster verstorben. Das Gesundheitsamt steht vor dem Problem, dass die Gemeinde nicht an der Eindämmung des Ausbruchs mitarbeitet. „Es kam auch bei den Testterminen am 15. und 16. Dezember niemand ins Abstrichzentrum. Das ist sehr bedauerlich“, sagte Schuster.

Einen weiteren Corona-Ausbruch gibt es laut Kreis im Marienheim der Malteser in Rheinbach. „Die Einrichtung hat das Heim geräumt, weil wegen des hohen Krankenstands beim Personal die Betreuung nicht mehr gewährleistet war“, so Schuster.

Insgesamt verzeichnet der Rhein-Sieg-Kreis (Stand Freitag) 117 Ausbruchsgeschehen in Einrichtungen, davon 21 in Kitas, 45 in Schulen, 41 in Altenheimen, sechs im Gewerbe und vier im Bereich Religion/Sport/Freizeit. Die Zahl der positiv Getesteten ist nach wie vor in den 41 Heimen und Kliniken sehr hoch: Hier waren es insgesamt 600. Zum Vergleich: In den 45 Schulen waren es 142 Corona-Fälle. Dafür sind hier besonders viele Kontaktpersonen in Quarantäne, nämlich insgesamt 1434.

Auch wenn der Rhein-Sieg-Kreis sich in dieser Woche dem Inzidenzwert von 200 annäherte, sind zurzeit keine schärferen Maßnahmen kreisweit in Planung. „Es macht keinen Sinn, in Berghausen im Siebengebirge eine Ausgangssperre zu machen. Da geht nach 19 Uhr sowieso keiner mehr vor die Tür“, sagte Schuster über seinen Wohnort.