Kommentar : Zeit für neue Wege

Warum soll es nicht eine Frau als Solo-Siegburgia machen, Tradition hin oder her? Ja, Traditionen sollten bewahrt und gepflegt werden. Aber lässt das Wahren von Traditionen nicht auch Raum für Veränderung?

Sicher ist es nur zu begrüßen, dass es Menschen gibt, die ihre Freizeit opfern, um Brauchtum mit Leben zu füllen. Dass immer weniger Menschen sich diese Zeit nehmen, ist kein neues, allein den Karneval ereilendes Phänomen. Um so mehr ehrt es diejenigen, die sich der Tradition verpflichtet sehen. Aber haben Bräuche über die Jahrhunderte nicht auch immer wieder neue Facetten hinzugewonnen?

Ja, in Siegburg hat in den zurückliegenden Jahren stets ein Prinzenpaar regiert. Das zu finden, war aber auch in der Vergangenheit nicht immer einfach. Mehrfach fiel die Entscheidung erst kurz vor dem Start in die fünfte Jahreszeit. Heute Abend nun muss die Prinzenvorstellung gar ohne Prinz und Siegburgia auskommen.

Müsste sie das wirklich? Für das Amt der Siegburgia stünden gleich drei Kandidatinnen bereit. Ob eine von ihnen willens wäre, die jecke Aufgabe alleine zu stemmen, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, ob eine der Frauen vielleicht ins Prinzengewand schlüpfen würde. Eine Option wäre beides - wenn das Karnevalskomitee nicht auf der Tradition beharren würde. Das ist unverständlich und schade. Denn so versäumt es, die Chance auf eine neue Facette im Siegburger Karneval. Und der Karneval macht doch eigentlich alles möglich.