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JVA in Siegburg: Zwölf Häftlinge werden Schiedsrichter

JVA in Siegburg : Zwölf Häftlinge werden Schiedsrichter

Zwölf Gefängnis-Insassen aus Siegburg, Rheinbach und Köln absolvieren eine Ausbildung. "Wer früher vor dem Richter stand, richtet jetzt selbst", sagt Karl-Heinz Kümpel. Das Mitglied des Kreis-Schiedsrichterausschusses weiß, wovon er spricht, wenn es um einen ganz besonderen Lehrgang geht.

Seit ein paar Jahren bietet der Ausschuss regelmäßig in der Justizvollzugsanstalt Siegburg eine Schiedsrichter-Ausbildung für Häftlinge an. Auch in dieser Woche nahmen Aspiranten aus den Justizvollzugsanstalten Siegburg (sieben Häftlinge), Rheinbach (zwei Häftlinge) und Köln (drei Häftlinge) an der dreitägigen Schulung teil. Heute wird theoretisch und mündlich geprüft, die Fitness-Prüfung kann später nachgeholt werden.

"Wer diese Prüfung ablegt, kann sich danach bei jedem Verein als Schiedsrichter bewerben", erklärt Kümpel, der seit vielen Jahren auch für den Fußball-Verband Mittelrhein als Beobachter unterwegs ist.

Bereits vor einigen Jahren war der Wunsch der JVA Siegburg an den Schiedsrichterausschuss herangetragen worden, für die Insassen einen solchen Kursus anzubieten. "Da haben wir nicht lange überlegt. Das war für uns eine Selbstverständlichkeit", sagt Kümpel. Die Teilnehmer sind im Alter von 21 bis 32 Jahren", erklärt Karl-Heinz Lichtenberg, Sportkoordinator der Siegburger JVA.

"Der älteste Teilnehmer eines früheren Lehrgangs war bereits über 40, ist dann aber leider abgesprungen", erinnert sich Siegfried Reuss, ebenfalls Mitglied des Kreis-Schiedsrichterausschusses. Drei Tage lang führt der ehemalige Beamte der JVA Siegburg und langjährige Schiedsrichter die Häftlinge in das Fußball-Regelwerk ein. So sprach er mit den Prüflingen zum Beispiel über die Machtbefugnisse eines Schiedsrichters.

"Der Schiedsrichter darf ein Spiel nach einer Regelwidrigkeit und bei ernsthaften Verletzungen eines Spielers unterbrechen", erklärt Reuss und die Häftlinge hören ihm aufmerksam zu. Der 70-Jährige, der 33 Jahre lang in der JVA Siegburg tätig war, strahlt Autorität aus.

"Wenn wir mit der Schiedsrichterausbildung nur einen von der schiefen Bahn holen, hat es sich gelohnt", sagt Kümpel. "Der Fußball soll später mal etwas von ihnen haben. Sie sollen das hier erworbene Wissen auch anwenden", wünscht sich Wolfgang Klein, Leiter der JVA Siegburg.

Karl-Heinz Lichtenberg baut ein wenig Druck auf: "Strengt euch an", sagt der Sportkoordinator zu den Teilnehmern, "wir haben in den nächsten Tagen drei Fußballspiele in der JVA und brauchen dringend Schiedsrichter."