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Private Obdachlosenhilfe: Stadt Siegburg hat Bedenken gegen Gaben-Zaun für Bedürftige

Private Obdachlosenhilfe : Stadt Siegburg hat Bedenken gegen Gaben-Zaun für Bedürftige

Die Idee der Initiative „Siegburg hilft“ kam gut an: Jede Menge Spenden für Obdachlose, von Lebensmitteln bis zu Kleidung, wurden an den neuen Gaben-Zaun gehängt. Doch das Ordnungsamt erlaubt diese Form der Spendensammlung nicht.

 Die Idee war denkbar einfach: Über einen sogenannten Gaben-Zaun wollte die Initiative Siegburg hilft ihre im November angelaufene Aktion für Obdachlose erweitern und auch in Zeiten von Corona Spenden für Bedürftige sammeln.

Viele waren dem Aufruf seit dem Wochenende gefolgt und hatten Tüten mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und auch Kleidung an den Zaun an einem Privatgrundstück in der Siegburger Innenstadt gehängt. Am Mittwoch mussten Angela Holtmann und ihre Mitstreiterinnen indes nach Rücksprache mit dem Siegburger Ordnungsamt ihren Gaben-Zaun wieder abbauen.

Spenden hängen ungeschützt in Regen und Sonne

In der Corona-Krise bildeten sich neben den etablierten Unterstützer-Institutionen wie den Kirchen neue Hilfskreise in Siegburg, sagte Stadtsprecher Jan Gerull auf Nachfrage. Die Stadt begrüße dieses Engagement, sei aber gleichzeitig der Auffassung, dass es bessere Möglichkeiten der Hilfe gebe als einen Gaben-Zaun.

„Die Tüten hängen ungeschützt in Regen und Sonne, was Lebensmittel angreift und verdirbt“, so Gerull. Zudem sei die Kontrolle, wer dort was hineingebe, nicht vorhanden. Deswegen habe die Stadt ihre Bedenken mit den Initiatoren besprochen und sei dabei auf Zustimmung gestoßen.

Holtmann ist dennoch enttäuscht, dass der Gaben-Zaun nur von kurzer Dauer war. „Da sind in der kurzen Zeit wirklich viele Spenden zusammengekommen.“ Die engagierte Siegburgerin blickt indes nach vorn und hat mit ihrem Team bereits eine neue Möglichkeit für eine Spendenannahme aufgetan.

Neue Abgabestelle an der Annostraße

„Die evangelische Kirchengemeinde stellt uns ab sofort donnerstags und montags ihre Räume an der Annostraße für unsere Essensausgabe zur Verfügung“, sagt Holtmann, die, wie berichtet, seit November mit „Siegburg hilft“ wöchentlich zwei Essensausgaben für Obdachlose am Bahnhof organisiert hat.

Im Gemeindehaus verteilt die Initiative am Donnerstagabend die Spenden vom Gaben-Zaun und nimmt dort auch ab sofort Spenden an. „Wir sorgen dafür, dass alle Abstandsregelungen eingehalten werden“, versichert Holtmann. Eine Aufsicht vor der Tür regele, dass nur eine Person das Gemeindehaus betritt und über einen anderen Ausgang wieder verlässt.

Kirche öffnet ihre Türen

„Ich habe mich sehr über die Anfrage der Initiative gefreut“, sagt Pfarrerin Ruth Wirths. Kirchentüren seien das letzte, das man schließen sollte. „Daher freuen wir uns umso mehr, dass wir sie nun öffnen können und dürfen.“ Dafür danke sie der Stadt, die die kurzzeitige Öffnung genehmige.

 „Ich bin begeistert, welche Energie in vielen Ehrenamtlichen steckt, um andere Menschen nicht allein zu lassen“, sagt die Pfarrerin.

Holtmann und ihre Mitstreiter von „Siegburg hilft“ wollen einen Verein gründen. „Vorher dürfen wir keine Geldspenden, sondern nur Sachspenden oder Essens- und Einkaufsgutscheine annehmen“, erklärt Holtmann.

Helfer gebe es derzeit nach wie vor viele. Siegburgs Karnevalsprinz Ralf Seiler und auch Vizebürgermeister Stefan Rosemann etwa kochen einmal in der Woche für die Bedürftigen. „Das wird dann portioniert und kommt mit Besteck in die Lunchpakete, die wir verteilen“, erklärt Holtmann. Ein Siegburger Unternehmer stellt der Initiative momentan eines seiner Firmenfahrzeuge zur Verfügung.

Kontakt zu „Siegburg hilft“ per E-Mail an siegburghilft@gmx.de sowie via Facebook oder Instagram.