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"Vareos" der Regionalbahn 23: Technik der neuen Züge führt teils zu massiven Verspätungen

"Vareos" der Regionalbahn 23 : Technik der neuen Züge führt teils zu massiven Verspätungen

14 Sekunden können mitunter eine ganz schön lange Zeit sein. Etwa, wenn Zugreisende am Bahnsteig darauf warten, dass sich die Türen eines Fahrzeugs öffnen.

Bei den neuen "Vareos" der Regionalbahn 23 (Voreifelbahn) vergeht offenbar genau diese Zeitspanne, bis Fahrgäste nach dem Halt des Zuges einsteigen können - mehr Zeit als bei den anderen Fahrzeugen auf der Strecke. Das berichtet jedenfalls Hans-Werner Ignatowitz.

"Einzeln für sich ist das nicht viel Zeit, summiert sich aber", sagt der Leiter der Bezirksgruppe Kreis Euskirchen des Fahrgastverbands Pro Bahn. Mehrere Male habe er mit den neuen Zügen schon Verspätungen von rund 20 Minuten erlebt, einmal sei ein Zug sogar eine halbe Stunde dem Zeitplan hinterher gefahren.

Solche Verspätungen lösen bei Fahrgästen nicht nur Ärger, sondern mitunter auch Verwirrung aus. Auch dazu kann Ignatowitz ein Erlebnis berichten. Dieses hat mit dem aktuell stattfindenden barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Rheinbach zu tun. Aufgrund der Arbeiten ist dort bis zum 4. Juli und dann wieder zwischen dem 23. August und 4. November nicht für alle Verbindungen ein Halt vorgesehen.

Wie Ignatowitz erläutert, habe ein verspäteter Zug - wie wegen der Arbeiten vorgesehen - keine Passagiere aufgenommen, die Reisenden am Bahnsteig hätten ihn aufgrund der Uhrzeit aber für die Verbindung gehalten, die eigentlich hätte regulär halten sollen.

Damit aber nicht genug: Dem Pro-Bahn-Mann zufolge lässt die Bahn überdies Verbindungen ausfallen oder abbrechen, wenn das Fahrzeug durch die Verzögerungen zu viel Verspätung angesammelt hat. "Alles in allem ist das skandalös", so Ignatowitz.

Auf Anfrage räumt die Deutsche Bahn (DB) Probleme mit den neuen Zügen ein. Es sei richtig, dass es bei den neuen Zügen länger dauere, bis sich die Türen öffneten, als bei den alten, teilt ein Sprecher der DB mit. "Das ist aufgrund technischer Anforderungen so geplant."

Zwar seien gerade auf der Strecke der RB 23 kurze Haltezeiten vorgesehen, das Problem sei aber bei den ersten Fahrten der "Vareos" auf der Strecke Ende Mai so nicht aufgefallen. Man sei aber mit dem Hersteller Alstom in Kontakt, um Nachbesserungen auszuloten.

Doch nicht nur in diesem Fall, auch anderweitig haben die neuen Züge noch Optimierungsbedarf. Wie der Bahnsprecher weiter mitteilt, werden die "Vareos" zurzeit von zwei Treibfahrzeugführern gleichzeitig bedient. Hintergrund sind die Wendezeiten der RB 23 in Bonn (sechs Minuten) und Euskirchen (fünf Minuten).

Nach Angaben des Bahnsprechers dauert das sogenannte Ab- und Aufrüsten - das Herunterfahren des Führerhauses am einen Ende des Zuges sowie das Hochfahren am anderen Ende - so lange, dass zwei Mitarbeiter damit beschäftigt seien, um Wendezeiten einzuhalten. Auch in diesem Fall wolle man noch mit den Hersteller über Verbesserungen sprechen. Zugleich sollten die Triebfahrzeugführer das Ab- und Aufrüsten weiter einüben.

Laut Deutscher Bahn verkehren neben den Bestandsfahrzeugen zurzeit vier neue Fahrzeuge auf der Voreifelstrecke: zwei mit jeweils 300 Sitzplätzen sowie zwei mit 180. Probleme mit Türen bei Neufahrzeugen sind zwischen Bonn und Euskirchen nichts Neues. Die Anfang 1999 auf die Strecke gekommenen Talent-Triebwagen der Baureihe 644 hatten damals etwa das Problem, dass sich vor der Weiterfahrt Türen nicht schlossen.

Der Name "Vareo"

Unter dem Namen "Vareo" sollen bis Jahresende 56 Fahrzeuge vom Typ Coradia LINT der Firma Alstom im Kölner Dieselnetz fahren, zu dem die RB 23 gehört. "Vareo" ist eine Zusammenfügung der Anfangsbuchstaben der Einzugsgebiete des Netzes: "V" steht für Voreifel, "a" für Ahrtal, "r" für Rhein, "e" für Eifel und "o" für Oberbergisches Land sowie Oberes Volmetal. Eigentlich sollten die Züge zum Fahrplanwechsel Ende 2013 eingesetzt werden. Wegen Mängeln musste der Hersteller aber nacharbeiten.

Verspätungsticker auf Facebook und Twitter

Seit Mitte 2010 erfasst Fabian Urhausen die Fahrten der RB 23 in einer privaten Datenbank, die sich aus dem Reiseinformationssystem (RIS) der Bahn speist. "Dies war damals dazu gedacht, die Verspätungsinformationen per Push auf das Handy geliefert zu bekommen", sagt er. Seit einiger Zeit stellt er diese Daten auch über Twitter (@voreifelbahn) und Facebook öffentlich zur Verfügung.

Seit 2005 ist Urhausen "frustrierter RB 23-Nutzer" zwischen Rheinbach, Meckenheim und Bonn. Durch sein Projekt wolle er besser über Verspätungen informiert sein. Der Aufwand dafür sei, abgesehen von der Erstellung des Programms, "gleich null", sagt er.

Die Infos für die Bahnhöfe Bonn, Rheinbach und Euskirchen würden automatisiert alle fünf Minuten aus dem RIS abgerufen, aufbereitet und weiterverarbeitet. So erhalte man eine gute Übersicht über die Verspätungen, sagt Urhausen, wobei die Bahn mit hauseigenen Apps mittlerweile auch gute Angebote habe, um die Kunden zu informieren.