1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Troisdorf

Behindertenausweis abgelaufen: 77-Jährige ärgert sich über Knöllchen der Stadt Troisdorf

Behindertenausweis abgelaufen : 77-Jährige ärgert sich über Knöllchen der Stadt Troisdorf

Vor der Palliativstation des Troisdorfer Krankenhauses Sankt Josef hat eine Frau ihren Wagen auf einem Behindertenparkplatz abgestellt. Da der Ausweis ihrer gehbehinderten Tochter abgelaufen war, musste sie zwei Bußgelder zahlen - und ärgert sich darüber.

 „Unnachgiebig, bürokratisch und wenig kulant“. Ursula Matschke findet klare Worte für das Vorgehen der Stadt Troisdorf rund um den abgelaufenen Behindertenparkausweis ihrer Tochter. „Der Groll über diese Amtsschimmelreiterei sitzt immer noch tief“, sagt die 77-Jährige. Stein des Anstoßes sind zwei „Knöllchen“, die Matschke erhalten hat. Im Februar hatte sie mit ihrer Tochter ihren sterbenden Mann in der Palliativabteilung der Klinik Sankt Josef in Troisdorf besucht. „Da meine Tochter wegen einer fortschreitenden Krankheit zu 100 Prozent schwerbehindert und auf einen Rollstuhl angewiesen ist, haben wir zwei Mal auf einem Behinderten-Parkplatz vor der Klinik geparkt und die hierfür erforderliche blaue Ausweiskarte ausgelegt“, sagt Matschke. Erst als sie zwei Knöllchen erhielt ,stellte sie fest, dass der Ausweis Ende November 2020 abgelaufen war.

Matschke, deren Mann inzwischen gestorben ist, zahlte zunächst nicht und sandte den unbefristeten, grünen Behindertenausweis mit dem Merkmal „aG“ für „außergewöhnliche Gehbehinderung“, der Basis für die Erlangung eines blauen Behinderten-Parkausweises ist, an das Ordnungsamt und an Troisdorfs Bürgermeister Alexander Biber. „Von der Gemeinde Wachtberg, dem Wohnort meiner Tochter, hatten wir damals die Auskunft erhalten, dass aufgrund der „Corona-Maßnahmen“ keine Sprechzeiten angeboten würden und wir mit dem abgelaufenen Ausweis vorerst weiterfahren sollten“, sagt die Bad Honneferin. Das habe sie auch dem Troisdorfer Bürgermeister mitgeteilt und ihn gebeten, seine Entscheidung noch einmal zu überprüfen.

Bad Honneferin mahnt mangelnde Bürgerfreundlichkeit an

„Es blieb allerdings dabei“, sagt Matschke, die inzwischen beide „Knöllchen“ frustriert bezahlt hat. „Es ist richtig, dass wir zum Parkzeitpunkt im Februar keinen gültigen Parkausweis ausgelegt hatten, aber in Kenntnis der Umstände hätte die Stadt ihre Entscheidung auch revidieren können“, findet sie und mahnt mangelnde Bürgerfreundlichkeit an.

Die Stadt Troisdorf sieht die Angelegenheit anders. Im Auto der Tochter habe ein seit vier Monaten abgelaufener EU-Parkausweis für Schwerbehinderte ausgelegen. „Da dieser über diesen langen Zeitraum abgelaufen war, wurde eine Verwarnung ausgestellt“, sagt Stadtsprecher Peter Sonnet. Die Prüfung, ob die Berechtigung für einen EU-Parkausweis für die Tochter weiterhin vorhanden sei, obliege nicht der Stadt Troisdorf.

Die Aussage, dass die Tochter aufgrund der Corona-Pandemie bei der Gemeinde Wachtberg als damals noch ausstellende Behörde keinen neuen EU-Parkausweis hätte beantragen können, hält die Stadt nach Rücksprache mit der Gemeinde nicht für korrekt. „Sie hätte nach Angaben der Gemeinde Wachtberg jederzeit einen Termin zur Ausstellung erhalten“, sagt Sonnet. Inzwischen sei dafür der Rhein-Sieg-Kreis zuständig.

In Troisdorf gibt es laut Sonnet zunächst keine Sanktionen, wenn Parkausweise, egal welcher Art, nur kurze Zeit abgelaufen sind. Die Halter würden bürgerfreundlich darauf hingewiesen, dass man sich bitte eine neue Parkberechtigung besorgen sollte. Bei einem Zeitraum von mehreren Monaten, die der Ausweis von Ursula Matschkes Tochter laut Stadt abgelaufen war, könne man aber nicht mehr von einem Versehen oder einer Überschneidung ausgehen. „Auch im Hinblick auf die Gleichbehandlung gegenüber anderen Bürgerinnen und Bürgern wurden die Verwarnungen daher nicht zurückgenommen“, so Sonnet.