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Gemeinsames Projekt: Alles für die Bienen in Troisdorf

Gemeinsames Projekt : Alles für die Bienen in Troisdorf

Landwirte, Imker und Stadtwerke starten in Troisdorf ein gemeinsames Projekt. Ein Zertifikat soll helfen, das Bienen- und Insektensterben aufzuhalten.

Was summt und brummt so schön im Frühling? Bienen, Hummeln und andere Insekten – aber nicht mehr lange, wenn wir nichts gegen das Insektensterben unternehmen. Deshalb haben die Landwirte aus dem Arbeitskreis „drüber und drunter“ gemeinsam mit den Stadtwerken Troisdorf und dem Imkerverein Troisdorf eine Aktion ins Leben gerufen, an der alle teilnehmen können. „Wir wollen die Menschen begeistern, mit uns Blühflächen anzulegen“, informiert Jürgen Lowis, Pressesprecher des Arbeitskreises drüber und drunter.

Bernd Bulich, Landwirt und Vorsitzender des Arbeitskreises, ergänzt: „Uns ging es schon immer um gutes Trinkwasser und Insektenschutz. Nun haben wir unterschiedliche Interessensgemeinschaften vernetzt, um unsere Ziele zu erreichen. Wir alle brauchen die Insekten und sind interessiert an einer intakten Umwelt. Mit dem Imkerverein als strategischer Partner starten wir hier ein Pilotprojekt. Wenn es gut läuft, werden wir die Blühwiesen auch nach Niederkassel und Köln bringen“. Dem stimmt Jörg Jansen vom Imkerverein zu: „Honigbiene, Wildbiene, Schmetterling – das alles hängt zusammen. Gibt es einen Trachtmangel, verhungern die Insekten oder sind anfälliger für Krankheiten oder Schädlinge.“

Stadtwerke als „Steigbügelhalter“

Einen starken Mitstreiter hat man mit den Stadtwerken Troisdorf gefunden. Geschäftsführerin Andrea Vogt berichtet, dass man mit den Landwirten schon immer bestens „wegen des guten Wassers“ zusammengearbeitet habe, schon oft seien Hecken und Obstbäume gemeinsam gepflanzt worden. Sie weiß, dass „viel passiert, wenn man zusammen etwas auf den Weg bringt“ und freut sich, mit den Stadtwerken auch in diesem Fall finanziell unterstützend als „Steigbügelhalter“ fungieren zu können.

Nun soll ein Zertifikat helfen, das Bienen- und Insektensterben aufzuhalten. Landwirt Karl-Josef Engels stellt aus seinem Ackerland 20.000 Quadratmeter - rund fünf Prozent seiner gesamten Fläche - als Lebensraum für Bienen und andere Insekten zur Verfügung. Diese zwei Hektar Land, Ackerflächen am Ammerweg und am Kerpener Hof bringen ihm auf diese Weise keine Ernte und keinen Ertrag.

Mehr als 400.000 Quadratmeter bepflanzt

Der Engelshof übernimmt vielmehr das unternehmerische Risiko, so lange nicht alle Zertifikate verkauft sind. Engels kauft den Blühsamen, sät ihn aus und pflegt die Böden. Der Verlust soll durch den freien Verkauf von Zertifikaten, die pro Stück zehn Euro kosten, kompensiert werden. Kaufen Interessierte ein Zertifikat, das das Anpflanzen von zehn Quadratmeter Blühstreifen ermöglicht, pflanzt der Arbeitskreis gleichzeitig ebenfalls zehn Quadratmeter an.

So soll zusammen mit vielen Bürgerinnen und Bürgern wieder für mehr Lebensraum für Bienen und Insekten gesorgt werden. Imkerverein und Stadtwerke sind bereits mit gutem Beispiel vorangegangen und haben Zertifikate erworben. Dazu Engels: „Wir Landwirte sind nicht der Buhmann, der mit Chemie alles kaputt spritzt. Wir benötigen guten Boden und gutes Wasser – beides erhalten wir nur, wenn unsere Ackerflächen gepflegt sind. Wenn wir jetzt Anfang April den Blühsamen aufbringen, sorgen wir bis mindestens Ende September für reichlich Insektennahrung.“ Nach zwei bis drei Jahren müssen die Flächen gewechselt werden. Auf mehr als 400.000 Quadratmetern hat der Arbeitskreis in den letzten Jahren bereits insektenfreundliche Blühpflanzen gesät und es soll noch viel mehr werden.