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Käpt’n Book: Anke Kuhl liest im Troisdorfer Bilderbuchmuseum

Käpt’n Book : Anke Kuhl liest im Troisdorfer Bilderbuchmuseum

Im Rahmen des rheinischen Lesefestes Käpt’n Book liest Anke Kuhl im Troisdorfer Bilderbuchmuseum. In „Manno. Alles genau so in echt passiert“ beschreibt sie viele Situationen aus ihrer eigenen Kindheit.

Das Bilderbuchmuseum Troisdorf konnte am Freitagmorgen Kinderbuchautorin Anke Kuhl begrüßen, die im Rahmen des rheinischen Lesefestes Käpt’n Book aus ihrem neuesten Werk „Manno!“ vorlas. Ein Comicband wie schon das erste Buch „Lehmriese lebt!“, nachdem die 50-Jährige vor einigen Jahren das Comiczeichnen für sich entdeckt hat. Im aktuellen Band beschäftigt sie sich mit Geschichten, die sie als Kind mit ihrer Familie, besonders Schwester Eva, erlebt hat.

„Alles genau so in echt passiert“, wie Kuhl, erste Preisträgerin des Bilderbuchstipendiums, im Untertitel klarstellt. Darin beschreibt sie beispielsweise den Besuch beim Optiker, bei dem Evas Sehvermögen getestet werden soll und sie ebenfalls untersucht werden möchte. Es stellt sich heraus, dass die kleine Anke an Kurzsichtigkeit leidet. Oder Kuhl beschreibt die Samstagabende, wo man zusammen mit den Großeltern „Dalli Dalli“ schaute, und sie erinnert an den legendären Ausruf von Quizmaster Hans Rosenthal „Sie meinen, das war spitze.“

Sie erzählt, wie sie als Kinder zu Abba-Musik ihre eigene Choreografie einstudiert haben ebenso wie von in der Kindheit üblichen Telefonstreichen. Da riefen die Geschwister fremde Leute an und versicherten ihnen: „Sie haben ein Schaf gewonnen.“ Kuhl beschreibt die kleinen und großen Alltagsgeschichten, lustige, traurige und nachdenkliche, nicht spektakulär, aber durchgehend fesselnd.

Große Leser haben bei den insgesamt 18 Geschichten immer wieder ein „Déjà-vu“-Erlebnis, die kleinen dürften sich in eine andere Welt versetzt fühlen. Und das macht das Buch aus. „Da ich im gleichen Alter bin wie Anke Kuhl, amüsiere ich mich köstlich bei der Lektüre“, denn natürlich kenne sie die Situationen damals in den 1970er Jahren und es kämen beim Lesen viele Erinnerungen an die Zeit zurück, so Museumsleiterin Pauline Liesen.

Die Kinder von heute würden ihrer Meinung nach eher denken: „Was war das denn? So sind meine Eltern aufgewachsen?“ Zum Beispiel bei der Episode, in der die Autorin die bei Kindern der damaligen Zeit verhasste Strumpfhose in den Fokus stellt, die bis unter die Achseln hochgezogen wurde. Der Ausruf „Manno“ als Ausdruck der Empörung gehört wie vieles andere längst der Vergangenheit an, deshalb macht es Spaß, noch einmal daran erinnert zu werden. Das Buch ist für Kinder ein wahres Zeitzeugnis, das Einblicke in den Alltag ihrer Eltern gibt, und für Erwachsene eine Fundgrube, um die eigene Kindheit noch einmal zu entdecken.

Anke Kuhl: „Manno! Alles genau so in echt passiert.“ Klett Kinderbuch, Leipzig 2020. 132 Seiten, 16 Euro, ab acht Jahren.