Beim Discounter in Troisdorf „Straftat sinnlos hoch fünf“

Troisdorf/Siegburg · Obwohl er bei der Aktion eine Waffe mit sich führte, wurde der 44-Jährige lediglich verwarnt. Zumindest überraschend war zudem, was er auf eine bestimmte Frage der Richterin antwortete.

 Das Siegburger Amtsgericht verhandelte den Fall gegen den Mann aus Köln.

Das Siegburger Amtsgericht verhandelte den Fall gegen den Mann aus Köln.

Foto: Ralf Klodt

Mit einer Verwarnung und einer Geldzahlung von 400 Euro auf Bewährung kam ein 44-Jähriger davon, der sich wegen versuchten Diebstahls mit Waffen vor dem Siegburger Amtsgericht verantworten musste. Sowohl Richterin Julia Dibbert als auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gingen von einem minder schweren Fall aus und erkannten beim Täter auch eine eingeschränkte Schuldfähigkeit zur Tatzeit.

Da hatte der einen Rückfall in Bezug auf Drogen und Alkohol, nachdem er bis dahin monatelang „trocken“ war. Der Mann, der in einer Einrichtung mit betreutem Wohnen in Köln lebt, räumte die Tat ein. Im Juli 2023 war er mit der Bahn von Köln nach Troisdorf gefahren und hatte dort einen Lebensmitteldiscounter aufgesucht. In dem Geschäft hatte er Lebensmittel im Wert von rund 930 Euro in einen Einkaufswagen gepackt und diesen an der Kasse vorbei zum Ausgang geschoben, wo er von Mitarbeitern des Discounters gestellt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten wurde.

Das Messer habe er nicht einsetzen wollen

Schon der Polizei gegenüber hatte er sich geständig gezeigt. Allerdings betonte er vor Gericht, das Messer, das man bei ihm gefunden hatte, niemals habe einsetzen wollen. Er trage es immer bei sich, was ihm das Gericht auch abnahm. Die Frage der Staatsanwältin, ob der Angeklagte, der kein Auto besitzt, den Einkaufswagen von Troisdorf nach Köln habe schieben wollen, bejahte der 44-Jährige. Selbst seine Verteidigerin nannte das Ganze eine „Straftat sinnlos hoch fünf.“ Als Grund für die Tat gab der psychisch und körperlich schwer Kranke den hohen Alkohol- und Drogenkonsum am Tattag an, da er sich zu der Zeit in einem Ausnahmezustand befunden habe. Die Verteidigerin erklärte dazu, ihr Mandant habe sich neben der Bewältigung eigener Problemen auch um seine alte Mutter gekümmert und sei damit überfordert gewesen. Mittlerweile hat er seine Sucht im Griff und einen strukturierten Alltag, außerdem geht er einer geregelten Beschäftigung im zweiten Arbeitsmarkt nach. Da er zwar mehrfach vorbestraft, aber seit sechs Jahren nicht mehr straffällig geworden ist, beließ die Richterin es bei der Verwarnung.

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