Anklage nach 20 Jahren Vierter Mann womöglich an Entführung eines Troisdorfers beteiligt

Troisdorf/Hennef · An der Entführung eines Troisdorfers im Jahr 2003 waren mutmaßlich vier Männer beteiligt. Drei wurden bereits verurteilt. Der Vierte war 17 Jahre lang untergetaucht und steht in Kürze in Bonn vor Gericht.

Ein 51-Jähriger Troisdorfer musste sich vor dem Landgericht in Bonn verantworten.

Ein 51-Jähriger Troisdorfer musste sich vor dem Landgericht in Bonn verantworten.

Foto: dpa/Thomas Banneyer

Zwei Männer wurden am 1. September 2004 und am 27. April 2006 vor dem Bonner Landgericht zu Haftstrafen von fünf beziehungsweise sieben Jahren verurteilt: Sie wurden für schuldig befunden, mit zwei Komplizen einen wohlhabenden Troisdorfer Geschäftsmann entführt und erpresst zu haben. Das Verfahren gegen einen dritten war eingestellt worden, nachdem der Mann in den Niederlanden wegen weiterer Verbrechen zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Demnächst muss sich nun auch der vierte mutmaßlich Beteiligte vor dem Bonner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat 20 Jahre nach der Tat Anklage wegen erpresserischen Menschenraubes gegen einen 51-Jährigen erhoben. Der Mann soll 17 Jahre lang untergetaucht und erst in diesem Jahr verhaftet worden sein.

Männer fuhren Opfer zum Allner See

Wie die Staatsanwaltschaft annimmt, planten die vier Männer, ihr Opfer auszurauben. Am Abend des 7. Septembers 2003 sollen die drei Mittäter des nun Angeklagten den Geschäftsmann in seiner Troisdorfer Wohnung aufgesucht und ihn und seine Angehörigen bedroht haben. Sie wüssten, dass er viel Geld mit illegalen Geschäften und Prostitution russischer Frauen verdiene. Mit einer in die Hüfte gedrückten Waffe soll das Trio den Mann genötigt haben mit ihnen in einem Auto wegzufahren. Die Fahrt ging zum Allner See im nahe gelegenen Hennef, wo sie anhielten, um einen Anruf des Angeklagten entgegenzunehmen. Der heute 51-Jährige erteilte den Komplizen dort laut Anklage telefonisch weitere Instruktionen zur Tatausführung.

Weiter ging die Fahrt Richtung Waldbröl. Mit der Waffe an der Schläfe soll das Entführungsopfer immer wieder nach seinen Vermögensverhältnissen gefragt worden sein: Der Mann erklärte, er sei in der Lage kurzfristig 10.000 Euro zu beschaffen, dazu müsse er aber einen Schuldner anrufen. So geschah es laut Anklage denn auch: Es wurde ein Treffen auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Spich vereinbart. Der Schuldner soll dem Opfer dort auch tatsächlich die geforderte Summe übergeben haben. Nach Erhalt des Geldes sollen die drei Entführer ihr Opfer wieder nach Hause gefahren haben. Die Beute sollen sie mit dem nun Angeklagten geteilt haben.

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