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Fashion Days auf der Burg Wissem in Troisdorf: Mode der Zukunft

Workshop in Troisdorf : Auf der Burg Wissem wird die Mode der Zukunft gemacht

Fashion Days auf der Burg Wissem in Troisdorf: Zeitungen, Müllsäcke, Kaffeefilter und viele alte Kleidungsstücke sind das Material, aus dem fünf Workshop-Teilnehmerinnen die Mode der Zukunft gestalten. Aber ihre Kreationen sind nicht nur futuristisch.

Aus dieser Zeitung, zumindest aus der Printversion, könnte mal ein Kleid werden. Auch aus einem – möglichst unbenutzten – Müllbeutel, aus Kaffeefiltern, Verpackungen und natürlich aus alten Kleidungsstücken, die niemandem mehr passen. So soll die Mode der Zukunft aussehen. Jedenfalls ist das die Vorstellung der jungen Designerinnen beim Ferienworkshop „Fashion Days“ auf der Burg Wissem.

Fünf Mädchen nehmen in der ersten Herbstferienwoche an dem Kurs teil, der im Rahmen des Troisdorfer Projektes „Kulturrucksack“ vom Land gefördert wird. Am Montag starteten die Nachwuchs-Modeschöpferinnen mit einem Brainstorming. Was werden die Menschen wohl in 100 Jahren tragen? Die Mädchen waren sich einig: Viel Upcycling wird dabei sein, also Aufwertungen alter, gebrauchter Dinge.

Aus zwei mach eins

Aber auch ein bisschen Robo-Sci-Fi ist Teil des Designplans. Melina und Julia haben zum Beispiel eine grüne Platine aus einem alten Rekorder zu einer Halskette umfunktioniert. Die Freundinnen sind am zweiten Workshoptag schon ein ganzes Stück mit der Kreation ihrer eigenen Modelinie vorangekommen. Julia hat ihr Kleid gleich mal anprobiert.

Auch ein Oberteil haben die Fünftklässlerinnen entworfen – aus zwei zu klein gewordenen Shirts, die sie zu einem neuen, passenden Patchwork-Shirt zusammengenäht haben. Bisher haben sich Melina und Julia noch nicht so viel mit Mode beschäftigt: „Das ist eigentlich neu“, erzählt Melina mit prüfendem Blick auf den Entwurf eines Mantels mit Pelzkragen, „aber es macht Spaß.“

Kreative Neuschöpfungen

Während die Kursteilnehmerinnen sich an den Werktischen in ihre Projekte vertiefen, leistet Quynh Tran mal hier, mal da Unterstützung. Die Diplom-Modedesignerin gibt seit Jahren Kurse in ihrem eigenen Nähatelier in Refrath und hat mit den Mädchen auf der Burg Wissem zunächst einen Nähmaschinen-Führerschein gemacht. „Die meisten haben aber schon mal vor einer Nähmaschine gesessen“, berichtet Tran, „sie kommen gut zurecht und sind sehr kreativ mit der Stoffzusammensetzung“.

Tran arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freiberufliche Designerin. Das Vertiefen in die Näharbeiten kennt sie nur zu gut: „Es ist schön, wenn man aus dem Kurs relaxt wieder rauskommt. Da braucht man kein Yoga mehr.“ Gerne lässt sie die Mädchen frei arbeiten, stellt Materialien, Nähmaschinen und Bügeleisen zur Verfügung. „Das entwickelt sich alles mit der Zeit“, weiß sie, „jeder hat da seine eigenen Vorstellungen.“

Alte Römer und Müllsäcke

Julia kommt in ihrem bodenlangen Kleid zurück. Es sitzt perfekt, nur die Schleppe ist noch etwas zu lang. Das Oberteil war mal ein gestreiftes Top, der Rock eine weiße Tischdecke mit Spitzensaum. Jetzt knotet Quynh Tran den langen Stoff wie eine Toga über Julias Schulter zusammen. „So könnte man es tragen“ – Julia macht einen Knicks im neuen Outfit.

Der Kurs bietet genügend Raum für mutige Experimente. Von der Mode der 1980er und -90er Jahre lässt sich Ayana gern inspirieren. Der Stil der 13-Jährigen ist selbstbewusst, punkig, und ihr Kleid wird ebenso ein ganz besonderer Entwurf: Aus kräftigen schwarzen Müllsäcken näht sie den Grundschnitt stilsicher zusammen.

Aus dem Laken wird eine Hose

Fashion Days auf der Burg Wissem in Troisdorf: Mode der Zukunft
Foto: Rosanna Großmann
 Julia präsentiert die Kleidneuschöpfung aus Top und Tischdecke.
Julia präsentiert die Kleidneuschöpfung aus Top und Tischdecke. Foto: Rosanna Großmann

Auch Nele, die Praktikantin des in der Burg untergebrachten Bilderbuchmuseums, nimmt am Kurs teil. Sie nutzt aus, dass kurzfristig Plätze frei wurden. Die 16-Jährige hat das märchenhafte Zeitungskleid mit den großen Schleifen entworfen; Obermaterial: General-Anzeiger.

Nele bringt schon ein wenig mehr Erfahrung mit als die anderen Mädchen. Aus einem Hemd ihres Opas schuf sie bereits eine schulterfreie Carmenbluse, aus einem bemalten Bettlaken eine Hose. „Jetzt wird aufgetrennt“, deutet sie auf die Teile eines schwarzen Kleides, aus denen wiederum etwas Neues entstehen kann.

Profi-Näherinnen und Büglerinnen

Auch Lea arbeitet an einem Kleid. Die 13-Jährige entwirft ein rosa-buntes Kleidungsstück für ihre vierjährige Schwester. Einen Hut im Stars-and-Stripes-Print hat sie bereits fertig, für ihren Bruder will sie auch noch einen schneidern. Sie interessiert sich schon länger fürs Nähen, ihr Großvater ist gelernter Schneider.

Wie ein Profi bügelt Lea den rosafarbenen Rockstoff. „Das habe ich von meiner Mutter gelernt“, sagt sie, „manchmal bügele ich auch einfach Tischdecken“. Die Sechstklässlerin der Europaschule Troisdorf hat einen Tipp für alle Bügelzweiflerinnen: „Wenn man Hosen bügelt, dann knittern sie nicht so und sind schön weich.“

Präsentation auf dem roten Teppich

Am Freitag werden die jungen Designerinnen ihre Kreationen bei einer Modenschau ihren Eltern präsentieren – pandemiebedingt ist leider kein Auftritt mit größerem Publikum im Kreativraum möglich. Dann wird es auf einem richtigen roten Teppich noch einmal spannend für die Mädchen, die Künstlerin und Model gleichzeitig sein dürfen. Bis dahin werden sie wohl noch einige futuristische Teile in der Werkstatt entwerfen und nähen.