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Gesamtschule Sieglar: Erster Abiturjahrgang verlässt die Schule

Abschied mit Wehmut : Der erste Abiturjahrgang verlässt die Sieglarer Gesamtschule

Sie waren die ersten, die im Sommer 2012 an der Gertrud-Koch-Gesamtschule im Troisdorfer Stadtteil Sieglar eingeschult wurden. Bald halten sie ihre Abiturzeugnisse in der Hand, wieder als die ersten.

So richtig können sie sich noch nicht vorstellen, dass ihre gemeinsame Zeit an der Gertrud-Koch-Gesamtschule in wenigen Wochen endet. Abiturientin Elisa spricht von Wehmut, ihre Mitschülerin Marie hat noch nicht realisiert, dass bald alles vorbei ist – und ihre Lehrerin Anne Mylenbusch fühlt sich ein wenig „wie eine Mama, die loslassen muss“. „Es ist schon eine besondere Situation“, sagt auch Schulleiterin Kirsten Heinrichs mit Blick auf den ersten Abiturjahrgang, den ihre Schule verabschiedet.

Im Sommer 2012 ist die Gesamtschule als zweite ihrer Art in Troisdorf an den Start gegangen. Mit 150 Schülern in fünf Klassen und insgesamt 15 Lehrern, alle untergebracht auf einem Flur im Schulzentrum Sieglar, das zu diesem Zeitpunkt auch noch Real- und Hauptschule beherbergt hat. „Wir waren wie ein kleiner Kosmos für sich“, sagt Anne Mylenbusch. Mit jedem Jahrgang, der dazu kam, habe sich die Gesamtschule das Gebäude „erobert“. Als die anderen Schulen im Sommer 2018 ausgelaufen sind, war sie schließlich allein im Schulzentrum.

Die ersten Schüler prägten die Gertrud-Koch-Gesamtschule

„Am Anfang war einem gar nicht so richtig bewusst, dass wir die ersten Schüler sind“, sagt Elisa. Erst mit der Zeit habe sie realisiert, dass sie und ihre Mitschüler sehr viel Einfluss auf die Ausgestaltung des Schulalltags hatten. „Unsere Meinung wurde bei vielen Dingen eingeholt“, erinnert sich die 19-Jährige. „Wir haben die Schule mit aufgebaut und ihr unseren Stempel aufgedrückt“, ergänzt ihr Mitschüler Philipp (18).

„Sie waren immer die Ältesten“, sagt Anne Mylenbusch. Das habe den Schülerinnen und Schülern viel Freiraum gegeben, ihnen zugleich aber auch viel Verantwortung abverlangt. „Sie mussten Aufgaben übernehmen, die sonst ältere Schüler innen haben“, erklärt sie. Das habe ihre Persönlichkeit geprägt. „Kollegen von anderen Schulen waren immer wieder erstaunt, wie erwachsen und eigenständig sie wirkten, obwohl sie noch so jung waren“, sagt Oberstufenkoordinator Michael Käufer.

Wegen Corona gab es weder Abiball und noch Abiparty

„Wir mussten uns alles selbst erarbeiten“, sagt Ben. Das habe man dann an die jüngeren Schüler weitergeben können. So könnten die nächsten Abiturienten nun etwa von ihren Erfahrungen für die Gestaltung von Abibuch oder -pulli profitieren. Ihr Abitur haben sich Schüler wie Lehrer anders vorgestellt. „Durch die Corona-Pandemie ist alles Soziale unter den Tisch gefallen“, sagt Mylenbusch. Kein Abiball, keine Party, kein letzter Schultag. Immerhin soll es nun doch eine kleine Abschlussfeier für die insgesamt 45 Abiturienten geben: „Wir planen im Anschluss auf die Zeugnisausgabe ein kleines Sommerfest auf dem Schulhof“, so Mylenbusch.

Gedanken machen sich die Gesamtschülerinnen und -schülern darüber, wie es nach dem Abitur weitergeht. „Mein Plan, ein Jahr im Ausland zu arbeiten, fällt erst einmal flach“, sagt Philipp. „Ich habe das Gefühl, dass die Wirtschaft sehr leidet“, sagt Vi (19). Bislang habe er auf seine Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz keine Rückmeldung bekommen. „Es bleiben viele Sorgen um die Zukunft“, sagt Elisa, die fürchtet, zunächst nur auf Distanz studieren zu können. „Wir soll man da seine Kommilitonen kennenlernen?“.

Ihren Jahrgang bezeichnen die Abiturienten als kleine Familie. „Wir haben aufeinander aufgepasst“, sagt Vi. „Wir sind als Gruppe, aber auch als einzelne Charaktere gewachsen“, sagt Elisa. Das bestätigt Anne Mylenbusch und ergänzt: „Ich kenne jeden Schüler des ersten Jahrgangs persönlich.“ Das schaffe eine besondere Verbindung. Bei inzwischen 940 Schülerinnen und Schülern und insgesamt 85 Lehrern sei das in der Form nicht mehr möglich. Der Abschied fällt auch Schulleiterin Kirsten Heinrichs schwer. Mit den ersten Abiturienten sei ihre Schule nun formal gesehen fertig: „Wir sind keine Schule im Aufbau mehr“. Das bedeute aber keinen Stillstand.