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Ökumenische Klinik-Seelsorge in Troisdorf: In Corona-Zeiten ist Zuspruch am Krankenbett besonders gefragt

Ökumenische Klinik-Seelsorge in Troisdorf : In Corona-Zeiten ist Zuspruch am Krankenbett besonders gefragt

Das ökumenische Seelsorge-Team an den GFO-Kliniken in Troisdorf steht Patienten in schwierigen Situationen bei. Auch die Ärzte stehen vor Gewissensentscheidungen.

Die Kapelle des St. Johannes Krankenhauses in Sieglar bleibt auch in Corona-Zeiten ein wichtiger Anlaufpunkt. „Ich bin leidenschaftlicher Krankenhausseelsorger“, sagt Clemens Schulze-Holthausen über sich. Er ist seit 2009 dabei, leitet die katholische Krankenhausseelsorge und ist Sprecher des Ökumenischen Seelsorge-Teams.

„Ich erhalte hier viel Lebensweisheit und Ruhe, was Sterben und Tod anbelangt“, berichtet Ulrike Temme. Sie ist die einzige evangelische Kollegin im Team und seit 2007 in der Klinik tätig. „Mein Beruf ist für mich Berufung“, ergänzt Schwester Maria Magdalena Höppener. Für sie ist die Seelsorgearbeit im Krankenhaus sehr kompatibel zur Ordensarbeit. Auch hier sei Hilfe und Beistand für Not leidende Menschen erstes Gebot. Seit 2017 ist sie im Team tätig, ebenso wie die katholische Gemeindereferentin Ute Thiele-Roth. Ergänzt wird die Seelsorge durch zwei Priester, die die Gottesdienste in der Krankenhauskapelle halten.

Schulze-Holthausen umreißt die Arbeit: „Wir sorgen für die Seele, für den ganzen Menschen, wir bieten Hilfe an in schwierigen Situationen.“ Man müsse sich auf eine große Bandbreite bei den hilfebedürftigen Menschen einstellen: Patienten und deren Angehörige, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses, junge und alte Menschen, solche, die mit Gott und dem Glauben nicht viel anfangen können, aber auch Muslime, die Zuspruch suchen.

Gearbeitet wird nach dem Stationsprinzip. „Jeder von uns hat seine Stationen, hier zählt der Mensch“, berichtet Temme. Man hat seine unterschiedlichen Arbeitsbereiche, ist aber gut vernetzt. „Es ist wie eine eigene Welt“, sagt Schulze-Holthausen. „Das Gespräch ist unser A und O, wir sind quasi immer im Gespräch und bieten es an, auf freiwilliger Basis.“

Der Sprecher des ökumenischen Seelsorge-Teams bezeichnet sich und die Kolleginnen und Kollegen als Grenzgänger. Sie arbeiten im Krankenhaus, gehören aber nicht der Organisation an. Schwester Maria Magdalena sagt: „Oft sind die besten Gespräche die spontanen Gespräche.“ So ist das Seelsorge-Team stets ansprechbar. Auf den Fluren, zwischen Tür und Angel, zu vereinbarten Terminen. Einerseits in schlimmen Situationen, andererseits aber auch, um Fröhlichkeit und gute Stimmung zu verbreiten, beispielsweise als Nikolaus, wie Schulze-Holthausen zu berichten weiß.

Gerade jetzt in Corona-Zeiten mit erschwerter Besucherregelung ist die Arbeit nicht leicht. Schwester Maria Magdalena etwa geht oft in Zimmer, in denen Patienten alleine liegen. „Der soziale Kontakt darf nicht abreißen“, erklärt sie und Ulrike Temme berichtet von ethischen Fallgesprächen, die nun zunehmen. „Wenn jemand bereits 100 Tage beatmet wird und keine Besserung eintritt, werden Gespräche mit Angehörigen, Ärzten und Pflegern über das weitere Vorgehen geführt. Die Situation wird von allen Seiten beleuchtet. Kommt dann auch noch eine Triagesituation hinzu, wird es völlig problematisch.“

Dem stimmt der katholische Krankenhausseelsorger zu: „Während des ersten Lockdowns hatten wir Angst vor dem Sturm. Im Sommer wurden Notfallpläne erstellt, nun ist die Situation viel schwieriger.“ Die Belastung aller Mitarbeiter sei viel größer, die Intensiv-, Palliativ- und Isolierstationen würden voller.

„In der letzten Woche mussten wir die Ehefrau eines 37-jährigen Familienvaters anrufen, der mit Covid-19 auf die Intensivstation verlegt wurde. Ihm geht es wieder besser, aber derartige Gespräche häufen sich nun. Bei uns heißt es zwar ‚es darf gestorben werden‘, doch ist der Einzelfall stets komplex“, sagt Schulze-Holthausen. „Es ist stets eine Gewissensentscheidung der Ärzte“, so Temme.

Ungemein hilfreich sei eine Patientenverfügung. „Ohne sie läuft es immer auf die Maximaltherapie hinaus. Die wiederum ist aber oft nicht menschenwürdig“, sagt Temme. Aber es gibt auch andere Bereiche, in denen Gespräche notwendig sind. Beispielsweise mit Eltern, die ihre Kinder durch Tot- oder Fehlgeburten verloren haben.

Mehr Personal für die Seelsorge ist nicht in Sicht, auch wenn die Tagesklinik in Troisdorf eröffnet hat und das neue Psychiatriegebäude in nächster Zeit dazu kommt. Schulze-Holthausen sagt: „Überall wird das Personal weniger, und ob unsere Stellen nachbesetzt werden, steht in den Sternen.“