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Vernetzung durch private Initiativen: Internet überall und für jeden im Rhein-Sieg-Kreis ist das Ziel

Vernetzung durch private Initiativen : Internet überall und für jeden im Rhein-Sieg-Kreis ist das Ziel

Freifunk-Initiativen installieren Router, um möglichst vielen Menschen einen kostenlosen Internetzugang zu ermöglichen. Jetzt bietet der Verein Freifunk Rhein-Sieg auch die Technik für kostenlose Videokonferenzen in Corona-Zeiten an.

Wer in diesen Tagen unterwegs, zum Beispiel auf dem Weg zum Supermarkt, seine E-Mails abrufen möchte, kann dies an vielen Orten im Rhein-Sieg-Kreis tun, ohne das eigene Datenvolumen zu verbrauchen. Der Freifunk macht es möglich. Der gemeinnützige Verein Freifunk Rhein-Sieg hat angesichts der besonderen Situation während der Corona-Pandemie ein weiteres Angebot eingerichtet und bietet ein Online-Meeting-Portal zur kostenfreien Nutzung an.

Das Videokonferenzsystem kann über die Homepage freifunk-troisdorf.de/freifunk-hilft gestartet werden. Der Verein hat dazu einen weiteren Server in Betrieb genommen. Der Freifunk-Server nutzt die freie Software Jitsi. Über die Internetseite des Vereins können Nutzer eine Videokonferenz starten und dann weitere Teilnehmer einladen. Das Angebot ist kostenlos, die Teilnehmer benötigen lediglich einen Webbrowser.

Menschen helfen, die sonst keinen Zugriff haben

Eine weitere Software ist zur Nutzung nicht notwendig. „Wir möchten mit diesem Angebot Mitbürgern helfen, die sonst keinen Zugriff auf solche Systeme haben“, teilt der Verein mit. Das Angebot richte sich an Ehrenamtliche, Mitarbeiter sozialer Träger, kommunale Gruppen und Vereine, aber auch an Familien und Freunde sowie Lehrer, Schüler und Lerngruppen.

Darüber hinaus bauen die Freifunker Rhein-Sieg die Idee, kostenloses Internet anzubieten, weiter aus. Erst kürzlich haben sie am Rathaus in Troisdorf neue Sendeanlagen installiert, um das Projekt weiter voranzutreiben und zu verstärken. „Mit den Sendeanlagen wollen wir ein Backbone aufbauen“, erklärt Andreas Groß, Vorsitzender des Vereins.

Verein knüpft ein Netz für offenes WLAN

Das bedeutet: Die Installation dient als Hintergrundtechnik, Freifunk-Router und Funkantennen im Stadtgebiet können sich damit vernetzen. Ziel ist ein Ringnetz, „um auch Stadtteile zu erreichen, in denen es kein WLAN gibt“, sagt Groß.

Die Sendeanlagen dienen als Basis für die drei bereits bestehenden Netze Innenstadt, Soziales und Land in Troisdorf. An der Polizeiwache sind solche Sendeanlagen ebenfalls schon angebracht worden.

Allein in der Stadt gibt es rund 300 Freifunk-Router, über die sich Menschen ins WLAN einwählen können. Die Fußgängerzone, der Bereich um das Rathaus und die Polizeistation seien bereits komplett abgedeckt. Nutzer finden das Netz unter „Freifunk“ in ihren WLAN-Einstellungen.

300 Router in Troisdorf, 100 in Königswinter

Nicht nur in Troisdorf finden Nutzer das Netz mit wenigen Klicks auf ihrem Smartphone. Der Verein Freifunk Rhein-Sieg betreibt kreisweit weitere 16 Netze; er arbeitet darüber hinaus auch mit der Stadtverwaltung von Niederkassel zusammen. Zu den 300 Freifunk-Routern in Troisdorf kommen 80 bis 100 in Hennef, teilt Groß mit.

Die Rhein-Sieg-Community ist darüber hinaus noch in Siegburg und Lohmar tätig. In Teilen des Siebengebirges steht das kostenlose WLAN ebenso zur Verfügung.

Anfang März hatte der Verein zur Förderung der digitalen Freiheit am Rhein angekündigt, 33 neue Freifunk-Router in Honnef installieren zu wollen. In Königswinter gibt es bereits mehr als 100 Router, die dauerhaft online sind. Im Linksrheinischen sind unter anderem die Initiativen Freifunk Meckenheim und Rheinbach sowie der Freifunk Köln, Bonn und Umgebung aktiv.

Bürger, Geschäfte und Einrichtungen teilen Internetzugang

„Freifunk versteht sich als Mitmachnetz“, sagt Andreas Groß. Die Idee lebt von Privatpersonen, Geschäften und Einrichtungen, die dazu bereit sind, ihren Internetzugang zu teilen. Diese schließen bei sich zu Hause an den eigenen Router einen speziellen Freifunk-Router an. Diese Geräte, die unter anderem bei den lokalen Freifunkern erhältlich sind, verfügen über eine spezielle Software und können sich so miteinander verbinden.

Der Freifunk-Router ist durch eine integrierte Firewall vom eigenen privaten Netzwerk getrennt. Die einzige mögliche Verbindung ist daher über einen sogenannten VPN-Tunnel zu den Freifunk-Servern.

Schutz gegen möglichen Missbrauch im Netz

Nutzer des Netzwerks erhalten eine IP-Adresse, die den Freifunk-Vereinen zugeordnet ist und nichts mit dem privaten Netzwerk zu tun hat. Der Vorteil ist, dass der Betreiber des Routers nicht für das verantwortlich gemacht werden kann, was der jeweilige Nutzer im Internet macht.

Ziel des Vereins Rhein-Sieg ist freies Internet für alle. „Wir kämpfen gegen die digitale Spaltung der Gesellschaft“, sagt Groß. Ermöglicht werden solle der Zugang auf das Internet auch Arbeitslosen oder Kindern und Jugendlichen aus Familien, die sich kein Datenvolumen oder einen WLAN-Router mit entsprechendem Vertrag leisten können. Die Mitglieder des Vereins arbeiten ehrenamtlich, Kosten beispielsweise für die Server werden über Förderungen getragen.

„Die Stadt ist deshalb Fördermitglied in dem gemeinnützigen Verein geworden“, sagt Troisdorfs Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski. Die Stadt unterstützt die Initiative jährlich mit 2000 Euro. Andreas Groß sieht die Zusammenarbeit mit der Stadt sehr positiv. „Es ist schon schlau, wenn Verwaltungen bürgerliche Initiativen mit anbindet“, sagt er und nennt neben den geringen Kosten auch das Know-how im Verein als Grund. „Es ist eine sinnvolle und gute Sache.“

Übersichtskarten der einzelnen Kommunen mit den aktiven Routern sowie weitere Informationen zum Freifunk gibt es auf den Internetseiten der Vereine unter freifunk-rhein-sieg.net, freifunk-rheinbach.de, freifunk-meckenheim.de, kbu.freifunk.net und netzwerk-koenigswinter.de. Unter freifunk-troisdorf.de/freifunk-hilft gibt es zudem weitere Informationen zu den Videokonferenzen.