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Mann aus Troisdorf sticht Bruder in den Bauch - Prozess in Bonn

Prozess am Landgericht Bonn : Troisdorfer sticht älterem Bruder nach Streit in den Bauch

Vor dem Bonner Landgericht muss sich seit Donnerstagnachmittag ein 26-jähriger Mann aus Troisdorf wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Tat sei keine Absicht gewesen, beteuert der Angeklagte. Allerdings ging der Tat ein Streit voran.

Der Abend war offenbar mehr feucht als fröhlich: Als ein Brüderpaar mit seinen beiden Lebensgefährtinnen am späten Abend des 18. September vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung des jüngeren Bruders und dessen Freundin in Troisdorf eintraf, war das Quartett bereits deutlich angetrunken. In der Wohnung kam es dann zu einem Streit: Schnell eskalierte die Auseinandersetzung, auf verbale Attacken folgten körperliche. Seit Donnerstagnachmittag muss sich nun der jüngere Bruder wegen versuchten Totschlags vor dem Bonner Landgericht verantworten. Er soll seinen 27 Jahre alten Bruder mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben.

Nach dem Betreten des Hauses – so heißt es in der Anklage – sei es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen den Brüdern gekommen. Offenbar war der Ältere nach einem Streit mitsamt seiner Freundin von dem Angeklagten vor die Türe gesetzt worden. Das wollte der offenbar nicht auf sich sitzen lassen und begann, heftig von außen gegen die Wohnungstüre zu treten. Daraufhin öffnete der Angeklagte mit einem Messer in der Hand und stach seinem Bruder die Klinge in den Bauch.

Ihm tue es leid, er liebe seinen Bruder, sagt der Angeklagte

Das Geschehen räumte der 26-Jährige im Großen und Ganzen ein. Er hatte dem Vorsitzenden Richter sogar vorab einen handgeschriebenen Brief mit dem aus seiner Sicht skizzierten Geschehen zukommen lassen: Man habe den Abend zunächst in Siegburg zu sechst verbracht – gemeinsam mit dem Bruder seiner Freundin sowie der Schwester der Freundin des jüngeren Bruders. Nachdem man die beiden verabschiedet hatte, habe man weiteren Alkohol besorgt und auch Drogen konsumiert.

In Troisdorf angekommen, habe man dann noch eine Zigarette auf dem Balkon rauchen wollen, dort sei es aber schnell zu einem Streit zwischen seinem Bruder und dessen Freundin gekommen. Weil ihm das nicht gefallen habe, habe er die beiden kurzerhand aus der Wohnung geschmissen. Der vor die Tür Gesetzte habe darauf aber mit extremer Aggression reagiert und versucht, die Türe einzutreten. So habe er sich ein Küchenmesser geschnappt, mit dem er seinen Bruder vertreiben wollte. Das habe aber leider nicht funktioniert, stattdessen sei er ihm quasi in die Klinge gelaufen.

Dank der sofort herbeigerufenen Rettungskräfte überlebte das Opfer den Angriff knapp. Auf Anraten seines Bruders sei er zunächst geflohen, habe sich dann aber am nächsten Morgen der Polizei gestellt, so der Angeklagte vor Gericht. Der schwer Verletzte habe ihm noch vor Eintreffen der Rettungskräfte selber gesagt, dass er wisse, dass es keine Absicht gewesen sei. Auch ihm tue das alles leid – er liebe seinen Bruder. Mit einem Urteil wird frühestens Mitte April gerechnet.