Automaten-Sprengungen im Rhein-Sieg-Kreis „Panzerknacker“ vor Gericht

Troisdorf/Bonn · Ihr Ziel war es, an den Inhalt der Tresore in Geldautomaten zu kommen. Dies gelang den 19 und 24 Jahre alten Troisdorfern allerdings in keinem der insgesamt sieben Fälle, für die sich das „Panzerknackerduo“ seit Mittwoch vor der Jugendstrafkammer des Bonner Landgerichts verantworten muss.

 Die beiden Angeklagten und mutmaßlichen Geldautomaten-Sprenger beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Bonn.

Die beiden Angeklagten und mutmaßlichen Geldautomaten-Sprenger beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Bonn.

Foto: Benjamin Jeschor

Die Staatsanwaltschaft wirft den in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten versuchten Diebstahl im besonders schweren Fall vor. Am ersten Verhandlungstag gaben sie zwar noch keine Stellungnahme zu den zwischen dem 25. November und dem 8. Dezember des vergangenen Jahres begangenen Taten ab. Die Verteidiger kündigten allerdings an, dass sich ihre Mandanten am kommenden Prozesstag geständig zu den Vorwürfen äußern werden.

Die beiden jungen Männer kennen sich bereits seit einigen Jahren und stehen nicht zum ersten Mal gemeinsam vor Gericht: Im März 2013 waren sie zusammen auf einer nächtlichen Einbruchstour in Boppard. Der Jüngere kam mit einer Verwarnung und 50 Sozialstunden davon. Sein Komplize musste hingegen den Gang ins Gefängnis antreten – dies war bereits sein dritter Aufenthalt hinter Gittern.

Diese Erfahrungen scheinen die Freunde allerdings nicht davon abgehalten zu haben, erneut auf die schiefe Bahn zu geraten. Laut Anklage versuchten sie in den Banken stets, Gas in die Geldautomaten zu pumpen und diese dann aufzusprengen. Bei den ersten fünf Versuchen in Troisdorf, Rheinbreitbach, Niederkassel-Mondorf, Bonn und Bad Honnef kam es allerdings zu keiner Explosion. Die bis zur Tür gelegten Lunten waren stets vor den Automaten erloschen.

Heftige Detonation in Mondorf

Am frühen Morgen des 3. Dezember 2015 kam es dann zu einer heftigen Detonation bei der Bank in Mondorf, bei der der erste Versuch zwei Tage zuvor noch gescheitert war. Durch die Explosion wurde der Geldautomat beschädigt und es kam zu einem hohen Sachschaden. Der Tresor im Inneren des Automaten hielt dem Angriff jedoch stand, so dass die Täter ohne Beute flüchten mussten.

Ebenso verhielt es sich beim letzten Versuch in Hennef-Happerschoß am 8. Dezember 2015. Auch hier kamen sie nicht an den Tresor heran. Durch die Explosion wurden jedoch die Geschäftsräume derart stark verwüstet, dass sich die Bank dazu entschied, die Filiale nicht zu sanieren, sondern ganz zu schließen.

"Das tut auf jeden Fall weh"

Für den 24-Jährigen waren die Aufenthalte im Jugendgefängnis nach eigenen Angaben nie ein Problem, da er zu dieser Zeit ohnehin keine Perspektive gesehen habe. Dies ist nun anders: Seine Freundin erwartet in wenigen Wochen ein gemeinsames Kind. Die Untersuchungshaft fühle sich an, „als sei es das erste Mal“ im Gefängnis. „Das tut auf jeden Fall weh“, so der Angeklagte.

Laut dem am Mittwoch verlesenen Führungsbericht aus dem Gefängnis zeigt sich der 24-Jährige in der Haft einsichtig in sein Fehlverhalten. Er bereue die begangenen Straftaten und wisse heute nicht mehr, warum er sich „auf dieses Abenteuer“ eingelassen habe. Für den Prozess sind weitere acht Verhandlungstage bis Ende Juli vorgesehen.

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