Geschichte an Sieg und Rhein Warum die Fischereibruderschaft Bergheim jetzt in einem Podcast vorkommt

Troisdorf · Ehrenamtlich setzen sich die Fischereibrüder auch heute noch für Naturschutz und Traditionspflege ein. Im Podcast der NRW-Stiftung spricht Marija Bakker mit ihnen über Naturschutz, Brauchtum und die Mitgliedschaft, die nur vom Vater auf den Sohn vererbt werden kann.

 Der Aalschocker Maria Theresia auf dem Diescholl.

Der Aalschocker Maria Theresia auf dem Diescholl.

Foto: Marija Bakker

Die Berufsfischerei an Sieg und Rhein gibt es schon lange nicht mehr, doch die Fischereibruderschaft ist auch 1037 Jahre nach ihrer Gründung weiter engagiert. Ihre Mitglieder nehmen auch heute ihre Verantwortung für die Gewässer wahr. Jedes Jahr Ende Februar organisieren die Fischereibrüder etwa eine Säuberungsaktion, bei der sie knapp 50 Müllsäcke füllen. „Und wir sorgen für eine natürliche Erzeugung von Jungfischen, die nachher der Allgemeinheit zugute kommt – das ist eigentlich der Sinn der Fischereibruderschaft“, sagt Günther Engels, erster Brudermeister der Fischereibruderschaft zu Bergheim an der Sieg im Interview mit Marija Bakker.

Die Journalistin der NRW-Stiftung hat die Fischereibrüder für ihren Podcast besucht. Gemeinsam mit Günter Engels, dem ersten Brudermeister der Fischereibruderschaft, sowie den Fischerbrüdern Horst und Wilfried Schell geht sie dabei durch die Ausstellung des Fischereimuseum und fährt mit dem Boot zum Aalschocker Maria Theresia. Der Aalschocker liegt im Siegarm „Diescholl“ in Sichtweite des Museums vor Anker.

Die Fischereibruderschaft Bergheim kümmert sich seit vielen Jahren um den Erhalt des Schiffs, das 1894 in den Niederlanden als Frachtschiff gebaut worden war. Erst mehr als 50 Jahre später wurde es als Aalschokker genutzt und bis 1950 im Rhein für den Aalfang eingesetzt. Seine Restauration förderte die NRW-Stiftung mit rund 26.000 Euro.

Auch der Podcast gibt Aufschluss über die Geschichte der Bruderschaft und ihre heutigen Aufgaben. Die Fischereibrüder kennen die Tiere und Pflanzen an Sieg und Rhein seit vielen Generationen. Neun Familien oder „Stämme“ gehören ihr heute noch an. Sie heißen Engels, Schell, Grommes, Klein, Mertens, Hennes, Heinzen, Boss oder Brungs.

Fast nur Frauen im Museum

Der Stammesname ist Voraussetzung, genügt aber nicht, denn die Mitgliedschaft vererbt sich immer nur vom Vater auf den Sohn. Die Söhne der Töchter kommen nicht in die Bruderschaft, auch Töchter als Mitglieder sind nicht vorgesehen. Wer das ändere, breche die seit 1037 Jahren urkundlich verbürgte Tradition. Damit wäre auch die Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe der Unesco gefährdet, heißt es in der Sendung. „Dafür wird das Museum im Wesentlichen im Moment von Frauen bespielt“, sagt Petra Recklies-Dahlmann, Leiterin des Fischereimuseums, im Gespräch mit Bakker. Museumsleitung, Museumspädagogin, Bürokräfte und ein Großteil der Honorarkräfte, die neben Workshops und Kindergeburtstagen auch die Ferienprogramme durchführen, seien alle weiblich.

Im Podcast „Förderbande“ der NRW-Stiftung gibt Bakker regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen der Förderprojekte. Die NRW-Stiftung ist eine 1986 von der Landesregierung gegründete Stiftung privaten Rechts. Sie hilft gemeinnützigen Vereinen, Verbänden und ehrenamtlich arbeitenden Gruppen, die sich in NRW für den Naturschutz und die Heimat- und Kulturpflege einsetzen. Das Geld dafür erhält sie vom Land NRW aus Lotterieerträgen, aus Mitgliedsbeiträgen ihres Fördervereins und Spenden.

Der Podcast „Förderbande“ der NRW-Stiftung ist abrufbar unter https://www.nrw-stiftung.de/.

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