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St. Lambertus in Troisdorf: Troisdorf: Die Steinmeyer-Orgel kam über Umwege

St. Lambertus in Troisdorf : Troisdorf: Die Steinmeyer-Orgel kam über Umwege

St. Lambertus feiert in Troisdorf den königlichen Geburtstag des Instruments. Die Veranstaltungen können auf jeden Fall stattfinden – denn der Pastor ist immer dabei.

„Der Zyklus soll die Orgel zu den Menschen bringen, die vielleicht noch nicht so viel Kontakt mit diesem Instrument hatten“, erklärt Simon Botschen das Unterfangen der St. Lambertus-Gemeinde in Bergheim, mit einem Orgelzyklus den 125. Geburtstag zu feiern. Die Orgel ist zugleich bundesweit Instrument des Jahres 2021

Das historische Troisdorfer Instrument wurde 1896 in der prominenten Orgelbauwerkstatt G.F. Steinmeyer in Oettingen gebaut. Zusammen mit Bernhard Kannen vom Kirchenvorstand, Vertreter für Organistentätigkeiten im Seelsorgebereich, erklärte Seelsorgebereichsmusiker Botschen den Weg der Orgel von Bayern nach Bergheim. In den 2000er Jahren hatte die Gemeinde noch vor, die damalige Klais-Orgel an St. Lambertus zu restaurieren. 2012 entschloss sie sich, eine neue Orgel zu kaufen.

Mehr als 130 000 verschiedene Klangkombinationen

Bei einer Werksbesichtigung der Orgelbaumanufaktur Vleugels im Neckar-Odenwald-Kreis stieß die Bergheimer Gruppe auf eine Orgel, die 2004 von Vleugels in Gräfenberg abgebaut und im Werk wieder aufgebaut worden war. Spontan wurde der Beschluss gefasst, die alte Klais-Orgel durch die gebrauchte Steinmeyer-Orgel zu ersetzen. „Ein neues Instrument dieser Klasse kostet zwischen 500 000 und 600 000 Euro, diese hier hatte keine 2 am Anfang“, so Botschen.

So wurde die Orgel 2013 in St. Lambertus neu aufgebaut und um den Oboenregistert erweitert. Damit verfügt das historische Stück über 17 Register. Landrat Sebastian Schuster schreibt in seinem Grußwort zum Orgelzyklus: „Kein Instrument ermöglicht es (…) so viele Töne und Zwischentöne zu erzeugen wie die Orgel.“ Recht hat er, denn die Töne der 17 Register können mehr als 130 000 verschiedene Klangkominationen hervorbringen – weshalb man sie auch die Königin der Instrumente nennt.

„Warm, voll, rund und weich“

„Die Orgel ist ein echtes Kleinod“, schwärmt der Musiker, der unter anderem zwei Jahre in Paris Meisterkurse für Orgelimprovisation belegt hat. Die Firma Steinmeyer gehörte damals in Deutschland zu den renommiertesten ihrer Zunft. Das spätromantische Musikinstrument ist beinahe komplett original erhalten und sei hier in der Gegend wohl einzigartig, so vermutet Botschen.

 Sogar alle Porzellanschildchen zur Bezeichnung der Register sind bei der historischen Orgel noch im Originalzustand.
Sogar alle Porzellanschildchen zur Bezeichnung der Register sind bei der historischen Orgel noch im Originalzustand. Foto: Hans-Werner Klinkhammels

„Sogar alle Porzellanschildchen zur Bezeichnung der Register sind noch im Originalzustand“, berichtet er und ergänzt: „Die Orgel spricht eine spätromantische Sprache – warm, voll, rund und weich. Sie passt deshalb besonders gut in unsere Kirche.“

Zu ihren Ehren wird nun also zum 8. Orgelzyklus eingeladen. Vorgänger Markus Lien-Stromberg hatte mit den Zyklen begonnen, Botschen führt diese Tradition nun fort, um einige Veranstaltungen zum 125. Geburtstage bereichert. So stehen zwar auch klassische Konzerte auf dem Programm, aber auch interessante Zwiegespräche muskalischer Natur wie „Flöte trifft Orgel“ oder „Film trifft Orgel“ laden zum Besuch ein.

„Der Pastor ist immer dabei“

Höhepunkt wird wohl die Orgelnacht mit diversen Organisten sein. Unter dem Titel „Orgel trifft Wein“ erwartet zwischen kurzweiligen Konzerten eine attraktive Weinauswahl die Gäste. Orgelführungen, ein Kinderkonzert und das adventliche Konzert am 12. Dezember vervollständigen das Angebot und runden es für jeden Geschmack ab.

Bereits am Sonntag, 28. Februar, um 17 Uhr beginnt das erste Konzert. Der Bonner Münsterorganist Markus Karas gastiert mit „Passion – Konzert zur Fastenzeit“. „Wir bitten um Anmeldung“, informiert Botschen. „Wer sich anmeldet, ist auf jeden Fall dabei.“ Bernhard Kannen sagt: „Es gelten die jeweils aktuellen Corona-Regeln. Abstand, Desinfektion und Maske sind obligatorisch, zwischen 70 und 80 Menschen können wir jeweils zulassen.“

Der Auftakt des Festivals findet in Gottesdienstform statt. Botschen ergänzt: „Die Veranstaltungen können auf jeden Fall stattfinden, da wir jeweils liturgische Elemente einbauen – Begrüßung zu Beginn, ein Schrifttext in der Mitte und zum Schluss ein Gebet. Der Pastor ist immer dabei.“