Halter ließ Hund im Auto zurück Peta erstattet Strafanzeige nach Polizeieinsatz in Troisdorf

Troisdorf/Stuttgart · Ein ungewöhnlicher Polizeieinsatz in Troisdorf hatte Mitte Mai Aufsehen erregt: Polizisten befreiten einen Hund, den der Halter bei 26 Grad im Auto zurückgelassen hatte. Nun hat die Tierschutzorganisation Peta Strafanzeige erstattet.

Für Hunde kann es auch schon im Frühjahr schnell zu heiß im Auto werden.

Für Hunde kann es auch schon im Frühjahr schnell zu heiß im Auto werden.

Foto: dpa/Stephan Jansen

Mit steigenden Temperaturen nehmen auch die Meldungen über Rettungskräfte zu, die Hunde aus überhitzten Autos befreien. So auch Mitte Mai in Troisdorf: Bei Außentemperaturen von 26 Grad entdeckten Polizisten einen Hund, den sein Halter im Auto zurückgelassen hatte. Dabei war das Fenster nur einen Spalt weit geöffnet. Die Beamten befreiten den australischen Shepherd, der schon nach Luft rang und gaben ihm Wasser.

25 Minuten später kam der mutmaßliche Besitzer und wollte wegfahren. Den Polizisten zufolge bemerkte er nicht, dass der Hund fehlte. Den Mann erwartet nun ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Auch die Tierschutzorganisation Peta ist auf den Fall aufmerksam geworden. Sie hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bonn erstattet und fordert ein Tierhalteverbot.

„Hundehalterinnen und -halter, die Hunde im Auto zurücklassen, unterschätzen oftmals die Auswirkungen der Frühjahrssonne“, so Annika Lewald, Fachreferentin bei Peta. Die Tiere werden ihr zufolge in den überhitzten Fahrzeugen schnell unruhig, kratzen an den Fenstern und geraten in Panik. „Das verschlimmert die lebensgefährliche Situation zusätzlich, schnell kommt dann jede Hilfe zu spät“, so Lewald. Wer einen Hund bei warmen Außentemperaturen im Auto zurücklasse, riskiere das Leben des Tieres und müsse mit einer Strafanzeige rechnen.

Schnelles Handeln gefragt

Laut Messungen des ADAC heizt sich ein Fahrzeug bei 26 Grad Außentemperatur bereits nach 20 Minuten auf bis zu 40 Grad auf. Selbst mit einem geöffneten Fensterspalt von fünf Zentimetern seien nach 40 Minuten fast 50 Grad Innentemperatur erreicht. Da Hunde Hitze nicht übers Schwitzen regulieren können, werde es für sie bereits ab einer Innentemperatur von 40 Grad lebensgefährlich.

Doch auch ein Schattenparkplatz oder ein leicht geöffnetes Fenster schaffen bei diesen Temperaturen keine Abhilfe, heißt es von der Tierschutzorganisation. Da Hunde nur wenige Schweißdrüsen haben und sich hauptsächlich über Hecheln abkühlen, erleiden sie im heißen Wageninneren schnell irreparable Organschäden oder einen Herzstillstand. Entdecken Menschen an einem warmen Tag einen Hund im Auto, sei deshalb schnelles Handeln gefragt. Wenn der Wagen etwa auf einem Supermarktparkplatz stehe und das Tier noch außer Gefahr sei, lasse sich der Fahrzeughalter ausrufen.

Sollte der Wagenbesitzer nicht aufzufinden sein, muss möglichst schnell die Polizei gerufen werden. „Befindet sich der Hund bereits in Todesgefahr – Anzeichen dafür sind Taumeln, eine dunkle Zunge, glasige Augen, starkes Hecheln oder Erbrechen – sollten Tierfreunde in Betracht ziehen, die Scheibe am Auto einzuschlagen“, schreibt Peta. Das könne rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Allerdings seien der Organisation keine Fälle bekannt, in denen rechtliche Folgen für Menschen entstanden sind, die ein Tier gerettet haben. Die Rechtsplattform anwalt.de empfiehlt, die Situation mit Fotos oder Videos zu dokumentieren und andere Menschen als Zeugen hinzuzuziehen.

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