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Troisdorfer schlägt Mitarbeiter des Rettungsdienstes und landet vor Gericht

Verhandlung am Amtsgericht Siegburg : Troisdorfer schlägt Rettungssanitäter und landet vor Gericht

In Siegburg stand am Dienstag ein Troisdorfer vor Gericht, der im vergangenen März Rettungssanitäter und Polizisten angegriffen, bedroht und beleidigt haben soll. Bei der Verhandlung gab der 24-Jährige an, sich nicht an die Tat erinnern zu können.

Wer einer Verhandlung unter dem Vorsitzenden Richter Ulrich Wilbrand beiwohnt, benötigt einen langen Atem – und eine bestimmte Art Humor. Am Dienstagmorgen wurde im Siegburger Amtsgericht der Fall eines 24-Jährigen verhandelt, dem vorgeworfen wurde, zwei Rettungsdienstmitarbeiter bedroht zu haben und einen der Männer mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Die hinzugerufenen Polizisten habe er beleidigt. Während der Verhandlung machten sich Richter Wilbrand und Verteidiger Peter-René Gülpen wenig subtil über den Angeklagten und seinen Bildungsstand lustig. Dieser gab an, sich wegen seiner Alkoholintoxikation am Tatabend an nichts erinnern zu können, zeigte sich jedoch einsichtig. Nach einer gründlichen Belehrung des Vorsitzenden erhielt er eine achtmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Der 24-jährige Troisdorfer wurde laut Anklage im März des vergangenen Jahres in Eschmar an einem Feldweg liegend aufgefunden, nach einem Abend mit Freunden sichtbar betrunken. Passanten hatten ihn in die stabile Seitenlage gebracht und den Krankenwagen gerufen. Nachdem er sich zunächst einverstanden erklärt habe, zwecks Behandlung und Ausnüchterung ins Krankenhaus gebracht zu werden, habe der Angeklagte sich zunächst während der Fahrt abgeschnallt, hieß es vor Gericht. Der Rettungsdienstmitarbeiter, der hinten mit ihm im Wagen saß, habe den alkoholisierten Troisdorfer erneut erzeugt, mit ins Krankenhaus zu kommen. Zunächst habe dieser jedoch darauf bestanden, auszusteigen und auszutreten.

Respekt gegenüber Staatsdienst

Die Sanitäter ließen ihn gewähren, doch der Troisdorfer rastete laut Zeugenaussage daraufhin aus und schlug einen der Mitarbeiter mit der Faust ins Gesicht. Der Geschädigte schlug nach eigenen Angaben beim Ausweichen mit dem Kopf gegen den Rettungswagen und verdrehte sich das Knie. Nachdem sich die beiden Sanitäter im Rettungswagen in Sicherheit gebracht hatten, habe der Angeklagte außen am Fahrzeug gerüttelt und die Männer damit bedroht, ihre Familien auszulöschen – was Richter Wilbrand dazu bewegt, in Kichern auszubrechen. Die eintreffenden Polizisten habe der Troisdorfer aufgefordert, ihn „zu fesseln“, einen der Beamten beleidigte er. Der getroffene Sanitäter erlitt laut medizinischem Gutachten Prellungen und wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung sowie ein Schleudertrauma; er war mehrere Tage dienstunfähig.

Es handelt sich nicht um die erste Verhandlung des 24-jährigen Angeklagten, er erhielt bereits fünf Eintragungen im Bundeszentralregister. Aktuell sitzt er eine Bewährungsstrafe ab. Sein Bewährungshelfer gab jedoch an, nichts Negatives über seinen Klienten berichten zu können. Im Moment habe der Troisdorfer aus Gewaltschutzgründen keinen Kontakt zu seinem acht Monate alten Kind. An den Polizeibeamten schienen die Beleidigungen als alltägliches Erlebnis abgeprallt zu sein, der Vorsitzende bestand jedoch darauf, dass derartiges Verhalten gesellschaftlich nicht geduldet werden solle: „Wir arbeiten daran, dass der Staatsdienst Respekt bekommt“, verkündet Wilbrand.

Der Angeklagte erhält, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, eine weitere Bewährungsstrafe über acht Monate wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung. Wilbrand ergänzt, es sei die denkbar schlechteste Verteidigungsoption, sich nicht an die Tat erinnern zu können. Diese sei die letzte Strafe, die für den Troisdorfer zur Bewährung ausgesetzt werde.