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Prozessbeginn in Bonn: Troisdorfer warf Fleischerbeil auf Wachmann

Prozessbeginn in Bonn : Troisdorfer warf Fleischerbeil auf Wachmann

Sein Werkzeug war ein Beil. Damit knackte ein 29-jähriger Troisdorfer nachts einen Kantinen-Automaten und setzte es zur Abwehr ein, als er ertappt wurde. Seit Dienstag steht er wegen schweren räuberischen Diebstahls vor dem Bonner Landgericht.

Die Tatwaffe steckte in zwei handelsüblichen Papp-Versandtaschen, und zur Sicherheit war das Asservat auch noch dick in Klarsichtfolie gewickelt: Der Vorsitzende Richter der 1. großen Strafkammer, Jens Rausch, reichte das Fleischerbeil mit dem quietschgelben Griff seinen Richterkollegen und den Vertretern von Verteidigung und Anklage zur Begutachtung weiter.

Am Dienstagmorgen hat vor dem Bonner Landgericht der Prozess gegen einen 29-jährigen Troisdorfer begonnen, dem zur Last gelegt wird, mit dem Beil zunächst den Kaffeeautomaten einer Kantine geknackt und anschließend einen herbeigeeilten Wachmann bedroht zu haben. Anklage: schwerer räuberischer Diebstahl.

Richter verliest eine Stunde lang 24 Vorstrafen

Allzuviel Zeit hat der Angeklagte offenbar noch nicht in Freiheit verbracht: „Seit ich ihn kenne, haben wir so ein ewiges Rein-Raus“, sagte sein Anwalt. 24 Einträge enthält seine Akte.

Das Gericht verbrachte eine gute Stunde mit der Verlesung der diversen Vorstrafen, die der Mann seit seinem 15. Lebensjahr angesammelt hat.

Vom Schwarzfahren bis zu räuberischer Erpressung reichte die Bandbreite der Taten, die meist in Zusammenhang mit der Drogensucht des Angeklagten standen. „Auf legalem Weg konnte ich nicht annähernd meine Sucht finanzieren“, hieß es dazu in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung. Abgestritten habe er die Vergehen eigentlich nie, so der Verteidiger weiter.

Um vier Uhr nachts in Kantine eingestiegen

Und auch im aktuellen Fall gab sein Mandant zumindest den groben Ablauf der Tat zu: Mit besagtem Fleischerbeil bewaffnet, habe er sich gegen halb vier Uhr nachts Zugang zur Kantine eines Troisdorfer Gewerbeparks verschafft. Mit dem Hackebeil gelang es ihm, einen großen Kaffeeautomaten zu knacken und dem Gerät zwei Münzgeldbehälter zu entnehmen.

Während er den Inhalt der ersten Kassette an sich nahm, wurde er allerdings von einem Wachmann überrascht. Daraufhin, so jedenfalls die Anklage, soll der Einbrecher den Security-Mann mit dem Fleischerbeil in der erhobenen Hand bedroht haben.

Danach kam es wohl zu einer kurzen Rangelei, bevor der Angeklagte das Weite suchte. Um den Wachmann an einer weiteren Verfolgung zu hindern, soll der Flüchtige das Beil nach seinem Verfolger geschleudert haben.

Daran, das Beil als Waffe genutzt zu haben, könne er sich allerdings nicht erinnern, so der Angeklagte. Und es zu werfen, mache ja überhaupt keinen Sinn; schließlich sei er ja erst durch die darauf gefundenen Fingerabdrücke überführt worden.