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Verein eröffnet neues Frauenschutzhaus in Troisdorf

Für zwölf Frauen und 18 Kinder : Verein eröffnet neues Frauenschutzhaus in Troisdorf

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen wurde in Troisdorf das neue autonome Frauen- und Kinderschutzhaus eröffnet. Die ersten Frauen und Familien sind bereits eingezogen.

Die neuen Räume, in denen hilfesuchende Frauen mit ihren Kindern unterkommen können, sind fertig: Ein helles Treppenhaus empfängt die neugierigen Besucher aus der Kreispolitik und der unmittelbaren Nachbarschaft am Tag der Eröffnung. Golden schimmernde Tupfer an den Wänden ziehen sich durch die in verschiedenen Farben gehaltenen Etagen – kleine Hoffnungsschimmer, die für die Bewohnerinnen des Frauen- und Kinderschutzhauses in Friedrich-Wilhelms-Hütte vom Himmel zu segeln scheinen.

„Wir hatten ganz viel Glück“, sagt Michiko Park vom Verein „Frauen helfen Frauen“, dem Träger der Einrichtung. „Das war kein Glück, das waren Talent und eine ungeheure Einsatzbereitschaft der Mitarbeiterinnen“, widerspricht ihr Brigitta Lindemann, Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Sieg-Kreises. Wie alle Beteiligten, die das Bauvorhaben in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben, ist Lindemann überwältigt von der leidenschaftlichen Arbeit der Pädagoginnen, Erzieherinnen und Verwaltungsangestellten, die das Projekt überhaupt erst möglich gemacht haben. Hauptinvestoren sind die Troisdorfer Gabriele und Werner Heep, hinzu kamen Förderungen von Land und Kreis sowie viele kleinere und größere Spenden von den Rotariern, Privatpersonen und Institutionen.

Neue Räume mit offener Adresse

15 Wohnungen sind in dem modernen Neubau untergebracht, davon zehn, die jeweils von mehreren Parteien bewohnt werden können. Auf 915 Quadratmetern können nun bis zu zwölf Frauen und 18 Kinder übergangsweise untergebracht werden, die häusliche Gewalt erleben oder bedroht werden. In den geräumigen Wohnungen mit bodentiefen Fenstern und noch frisch nach Holz duftenden Möbeln können die schutzsuchenden Familien neuen Mut schöpfen, in Kontakt mit anderen Bewohnern gehen und von der Beratung des Vereins profitieren. Jede Wohnung hat einen Balkon oder eine Terrasse, die großen sogar zwei Badezimmer für genügend Privatsphäre.

Mit dem Umzug aus den alten Räumen in das neue Mehrfamilienhaus entschieden die Organisatorinnen sich auch für einen entscheidenden Schritt in die Öffentlichkeit: „Wir haben jetzt eine offene Adresse“, erklärt Jana Bach, die zum Mitarbeiterinnenteam des Frauenhauses gehört. „Die Bewohnerinnen entscheiden selbst, wem sie die Adresse geben.“ Man wolle sich nicht mehr verstecken und das Thema Gewalt gegen Frauen durch eine Eingliederung in der Nachbarschaft mehr ins Bewusstsein rücken. „Das hat den Vorteil, dass die Kinder sich dann hier auch mit Freunden treffen können, die Frauen können Termine mit Rechtsanwälten machen, unsere Kooperationspartner können zu Besuch kommen“, fährt Bach fort. Natürlich sei man immer noch vorsichtig damit, wer die Adresse bekomme.

Notrufknöpfe und ein Kamerasystem

Um das Haus dennoch zu schützen, wurde es mit einem hohen Drahtzaun umzäunt und mit einem Kamerasystem ausgestattet. In jeder Etage gibt es außerdem einen Notknopf, durch dessen Betätigung eine Securityfirma alarmiert wird. In den übrigen Wohnungen im Gebäude hat der Verein Beratungsräume, ein gemeinsam nutzbares Treffpunkt-Café und einen Aufenthalts- und Spielbereich für Kinder und Jugendliche eingerichtet. Mittels Fahrstuhl und durch breite Türen sind alle Wohnungen barrierearm erreichbar, ein eigens behindertengerechtes Apartment im Erdgeschoss ist noch in der Entstehung.

Die alte Geschäftsstelle in Spich wird mit dem Ortswechsel des Vereins aufgelöst. Bereits 14 Frauen und Kinder sind derzeit in den unterschiedlich großen Wohnungen untergebracht. Das Frauenhaus nimmt jedoch keine Schutzsuchenden direkt aus Troisdorf auf, um zufällige Begegnungen mit den Tätern zu vermeiden.